Wenn eine App Autofahrer vor Gefahren warnt - Bald Praxis in Dortmund?

hzVernetztes Fahren

Die Ampeln einer Kreuzung sind miteinander vernetzt und überwachen den Verkehr. Eine App warnt Autofahrer, Radfahrer, Fußgänger vor Gefahren. In Dortmund ist das keine reine Zukunftsmusik mehr.

Dortmund

, 19.06.2019, 17:51 Uhr / Lesedauer: 2 min

Mittwochnachmittag (19. Juni) an der Kreuzung Hauert/Otto-Hahn-Straße im Technologie-Park. An allen Ampelmasten hängen Kabel und Kästen. Für Fußgänger, Radfahrer, Autofahrer wirkt auf der Straße ansonsten alles normal, doch für ein Forscherteam der Uni Dortmund und des Unternehmens Adesso ist das hier und heute ein besonderer Nachmittag: Nach drei Jahren feiern sie den Abschluss eines Zukunfts-Projektes. Drei Jahre, in denen die Forscher ertüftelt haben, wie der Straßenverkehr der Zukunft an Kreuzungen sicherer werden kann.

An diesem Mittwoch präsentieren sie das Ergebnis. Und sind sehr zufrieden. Die vier Sensorensysteme haben es geschafft, den Verkehr an der Kreuzung zu erfassen. An einer Kreuzung, an der mehrspurige Straßen aufeinandertreffen, die an diesem Nachmittag gar nicht einmal so wenig befahren sind. Und das, obwohl eines der vier Systeme wegen eines Gewitters kurz vor Beginn des Tests ausgefallen ist.

Ampelpfosten sind das Herz

„Das Herz ist der Ampelpfosten“, sagt Stefan Böcker, Forschungsgruppenleiter vom Lehrstuhl für Kommunikationsnetze an der TU Dortmund. Dieser sei gewissermaßen ein mobiles 5G-Labor. 5G, das ist die neue schnelle Mobilfunktechnik, die bald verstärkt in Deutschland installiert werden wird.

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Der Test, der heute hier stattgefunden hat, ist nicht praxisrelevant. Noch nicht. Das Ziel des Projekts, durch die Überwachung von Kreuzungen den Verkehr für Autofahrer, Fahrradfahrer, Fußgänger sicherer zu machen, hält Projektleiter Thomas von Schwartzenberg von der Firma Adesso durchaus für erreichbar.

Lastwagenfahrer könnten gewarnt werden

Eine Idee besteht darin, dass Apps Lastwagenfahrer durch ein Piepen warnen, wenn sich in ihrem toten Winkel ein Radfahrer befindet. Oder dass das System Autofahrern mitteilt, wenn sich auf der Gegenfahrbahn ein Lkw mit Überbreite nähert.

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Dass das reibungslos funktionieren kann, habe der Test am Mittwoch gezeigt, sagen Thomas von Schwartzenberg und Stefan Böcker übereinstimmend. Um das System wirklich marktreif zu bekommen, wären Langzeittests unter härteren Anforderungen der nächste Schritt. „Härtere Anforderungen“ könnte beispielsweise heißen, dass noch weit mehr Verkehr unterwegs ist als an der Kreuzung im Technologiepark.

Einen Partner für die Weiterentwicklung gibt es allerdings noch nicht. Die Forschungsphase, die die EU mit 1,3 Millionen Euro und das Land NRW mit 400.000 Euro bezuschusst haben, ist nun zu Ende.

Inversiv

Die Landesregierung hat das Projekt initiiert

Das Projekt Inversiv geht von der Landesregierung Nordrhein-Westfalen aus. Außer Adesso sind vier weitere Organisationen in das Projekt involviert: der Fachbereich für Elektro- und Informationstechnik der TU Dortmund, die Wilhelm Schröder GmbH in Herscheid, die CommAgility Ltd in Duisburg und die SGS TÜV-SAAR GmbH in Dortmund.
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