Wer einen Mietvertrag bei der Vonovia unterschreibt, unterschreibt auch einen Stromvertrag

hzÄrger für Vonovia

Wer bei der Vonovia einen Standard-Mietvertrag unterschreibt, bezieht von einer Vonovia-Tochter seinen Strom. Für den Konzern ist das „Service“, für den Mieterverein „Ausnutzen von Angst“.

Dortmund

, 15.12.2018, 04:05 Uhr / Lesedauer: 2 min

Der Grund für den Ärger findet sich im Mietvertrag unter Paragraph 24. Dort findet sich die „Zusätzliche Vereinbarung zur Energielieferung“ mit Strom durch die „Vonovia Energie Service GmbH“. Paragraph 24 sorgt dafür, dass der künftige Mieter einer Vonovia-Wohnung seinen Strom von der Vonovia-Tochter bezieht. Diese Klausel gibt es seit September 2017 in Dortmund, hier und in zwei weiteren Ruhrgebietsstädten war das Projekt damals eingeführt worden, inzwischen gilt es bei der Vonovia flächendeckend.

In dem Paragraphen findet sich neben allgemeinen Informationen auch der folgende Satz: „Falls Sie die Belieferung mit Strom (…) nicht wünschen, streichen Sie bitte diese Erklärung zur Belieferung mit Strom.“ Eine Entscheidung habe, so heißt es dann weiter, keine Auswirkungen auf das Mietvertragsverhältnis.

Zweifel beim Mieterverein

Dass das so ist, daran zweifelt unter anderem der Mieterverein Dortmund. Wer auf dem auch in Dortmund knapper werdenden Mietmarkt endlich eine passende Wohnung gefunden hat, würde sich aus Sorge vor dem Nichtbekommen dieser Wohnung eventuell nicht trauen, diesen Passus durchzustreichen. „Dass die Vonovia einen Stromliefervertrag in den regulären Mietvertag einbaut, kann man auch als Ausnutzen von Angst bezeichnen“, sagt Dr. Tobias Scholz vom Mieterverein Dortmund.

„Teuer und unattraktiv“

Auch sei der Strom-Vertrag mit der Vonovia noch dazu teuer und unattraktiv. Die Vonovia sieht das naturgemäß anders, auf Anfrage heißt es aus dem Unternehmen, man sei mit dem Preis in der Regel günstiger als der örtliche Grundversorgungstarif. Für Scholz ist auch das nicht korrekt. Erstens sei der Grundtarif monatlich kündbar, bei der Vonovia unterschreibt man für ein Jahr und hat dann eine Kündigungsfrist von sechs Wochen, bevor der Vertrag sich automatisch verlängert. Weiter habe er, sagt Scholz, einen Mietvertrag vorliegen, bei dem ein Mieter, hätte er den „DEW online Tarif“ gewählt, im Jahr etwa 150 Euro gegenüber dem Vonovia-Tarif gespart hätte.

Unwirksame Klausel

Wie Scholz in Dortmund greifen auch die Verbraucherzentrale in Düsseldorf sowie der Deutsche Mieterbund NRW die Praxis von Vonovia an. Die Klausel sei unwirksam, weil sie den üblichen Mietvereinbarungen zuwiderlaufe. Auch die Verbraucherzentrale hat einen Vertrag geprüft und ist zu dem Ergebnis gekommen, dass der Vonovia-Kurs für Strom über dem Durchschnittspreis liegt.

„Unlautere Geschäftspraktik“

Unter anderem die Vonovia Service GmbH wird von Verbraucherzentrale und Mieterbund aufgefordert, bis zum 19. Dezember 2018 zu erklären, „dass sie ihre unlauteren Geschäftspraktiken künftig unterlassen werden“. Die Pressestelle von Vonovia betreitet den Vorwurf der unlauteren Geschäftspraxis. „Wir halten unser Vorgehen weiterhin für gut nachvollziehbar“, heißt es weiter. Für Scholz vom Mieterverein nutzt die Vonovia indes ihren „hochexklusiven Zugang zum Mietmarkt aus“.

Unklar, wie viele Verträge betroffen sind

Kunden, die jetzt von ihrem Stromvertrag zurücktreten wollten, empfiehlt er – nach vorheriger Anmeldung – einen Termin bei der Verbraucherzentrale.

Wie viele Menschen von der Vonovia-Tochter „Vonovia Energie Service GmbH“ ihren Strom beziehen, konnte die Pressestelle des größten deutschen Immobilienkonzerns auf Nachfrage nicht sagen. In Dortmund allein vermietet die Vonovia rund 20.000 Wohnungen.

Schlagworte:
Lesen Sie jetzt