Bei der Vergabe der Impftermine geht es jetzt zügig voran: Bereits am Mittwoch werden die nächsten Jahrgänge freigeschaltet. © picture alliance/dpa
Coronavirus

Werden Privatpatienten in Dortmund bevorzugt gegen Corona geimpft?

Wer privat krankenversichert ist, bekommt im Normalfall schneller einen Arzttermin als gesetzlich Versicherte. Wie ist das bei der Corona-Impfung? Ein Dortmunder Hausarzt gibt eine überraschende Antwort.

Der Verdacht ist nicht so weit hergeholt: Bekommen Privatversicherte schneller einen Termin für eine Corona-Schutzimpfung? Haben sie vielleicht sogar die Auswahl, welchen Impfstoff sie gerne hätten?

Schließlich haben Studien mehrfach ergeben: Wer privat versichert ist, bekommt schneller einen Facharzt-Termin als gesetzlich Versicherte. In einer Studie des Leibniz-Instituts für Wirtschaftsforschung in Essen warteten gesetzlich Versicherte doppelt so lange auf einen Termin wie Privatpatienten.

Kein Corona-Impfstoff für Privatpraxen

Wie ist das bei der Corona-Schutzimpfung? Werden Privatpatienten auch dabei bevorzugt? Nein, sagt Dr. Prosper Rodewyk, Bezirkssprecher der Kassenärztlichen Vereinigung und Hausarzt in Hörde: „Privatpatienten werden wie jeder andere auch geimpft.“ Termine gibt es nach Priorisierung, den Impfstoff kann man sich nicht aussuchen.

So, wie er das Prozedere erklärt, ist der Weg zur Impfung für Privatpatienten im Gegenteil sogar eher komplizierter als für gesetzlich Versicherte. Denn reine Privatpraxen, die also nur privat Versicherte behandeln, bekommen aktuell noch gar keinen Impfstoff – sie können ihre eigenen Patienten also momentan nicht selbst impfen.

Hintergrund ist, dass die noch immer knappen Impfstofflieferungen nur an Praxen mit Kassenzulassung geliefert werden. Eine entsprechende Allgemeinverfügung des Bundesgesundheitsministeriums schreibt eindeutig vor, dass der Impfstoff „ausschließlich an die an der vertragsärztlichen Versorgung teilnehmenden Arztpraxen“ abgegeben werden darf.

Impfzentrum oder Hausärzte springen ein

Bei Dr. Prosper Rodewyk sorgt das für Kopfschütteln: „Gerade in Dortmund haben die Privatärzte toll geholfen im Impfzentrum und den mobilen Impfteams. Und jetzt bekommen sie für ihre eigenen Patienten keinen Impfstoff.“

Trotzdem haben Privatpatienten die Möglichkeit, sich impfen zu lassen. Für Impfberechtige führt der Weg zu einer Corona-Impfung aktuell aber entweder über das Impfzentrum oder über einen fremden Hausarzt.

Lässt sich ein Privatpatienten bei einem anderen Hausarzt impfen, bedeutet dass für den sogar mehr Aufwand als bei gesetzlich Versicherten, erklärt Rodewyk. „Für uns sind die gesetzlich Versicherten einfacher zu händeln.“

Der Abrechnungsvorgang bei Privatpatienten sei „umständlicher und aufwendiger“, da extra ein Kostenträger angelegt werden müsse. Das bedeute für die Praxis mehr Arbeit.

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1983 im Münsterland geboren, seit 2010 im Ruhrpott zuhause und für die Ruhr Nachrichten unterwegs. Ich liebe es, mit Menschen ins Gespräch zu kommen, Fragen zu stellen und vor allem: zuzuhören.
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