Wetter-Experten erklären: Wird jetzt jeder Sommer in Dortmund so heiß und trocken?

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Mehr als 40 Grad bedeuteten Ende Juli einen neuen Hitzerekord für Dortmund. Müssen wir uns jetzt dauerhaft auf so heiße und trockene Sommer einstellen? Zwei Experten schätzen die Lage ein.

Dortmund

, 03.09.2019, 04:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Dieser Sommer wird nach 2018 und 2003 von der Durchschnittstemperatur her auf jeden Fall locker Platz drei erreichen“, sagt Thomas Kesseler-Lauterkorn. Die Zahl der Sonnenstunden werde im Bereich des vergangenen Rekordjahres landen, meint der stellvertretende Leiter des Deutschen Wetterdienstes in NRW.

Der Dortmunder „Wetterfrosch“ Burkhard Dreischer geht weiter: „Am 25. Juli 2019 gab es mit 40,2 Grad im Schatten einen neuen Hitzerekord.“ Diesen Spitzenwert hat Dreischer in seinem Garten in Lünen-Brambauer gemessen, etwa zwei Kilometer von der Stadtgrenze entfernt. In der Dortmunder Innenstadt sei es immer noch 1,3 Grad wärmer, sagt er.

Wetter-Experten erklären: Wird jetzt jeder Sommer in Dortmund so heiß und trocken?

Burkhard Dreischer erfasst seit 1966 Wetterdaten für Dortmund. © Kevin Kindel

„Es war jetzt erheblich zu trocken, es regnete kaum und die Natur hat sehr gelitten“, sagt Dreischer, der seit 1966 jeden Tag Buch führt. In diesem Jahr sei nur 27 Prozent des normal üblichen Niederschlags gefallen, die Sonne schien dabei 44 Prozent häufiger als im Durchschnitt.

Droht den Dortmundern also jetzt in jedem Jahr so ein Extremsommer? „So ein Doppelschlag auf hohem Niveau wie 2018 und 2019 ist sehr ungewöhnlich“, sagt Thomas Kesseler-Lauterkorn: „Das hatten wir so noch nie.“ Zwar komme es etwa einmal pro Jahrzehnt vor, dass zwei Jahre hintereinander besonders warm sind. Aber nicht auf diesem extremen Niveau.

Eine Prognose für den Sommer 2020 wäre allerdings völlig aus der Luft gegriffen, sagt der Experte: „Man kann gar nicht einschätzen, wie das nächste Jahr wird.“ Aus statistischer Sicht sei eine Wiederholung zwar unwahrscheinlich: „Aber das heißt nichts.“ Burkhard Dreischer meint: „Ich rechne damit, dass es im nächsten Jahr wieder sehr warm wird. Aber das ist eine Schätzung.“

Thomas Kesseler-Lauterkorn sieht seit etwa fünf Jahren „eine Anmutung von neuen klimatischen Verhältnissen“. Vor 15 Jahren seien die Hochrechnungen noch sehr abstrakt gewesen, jetzt bekomme die Natur die Veränderungen deutlich zu spüren. Baumbestände in den trockenen Wäldern verändern sich dramatisch, andere Lebewesen wie Borkenkäfer und Eichenprozessionsspinner verbreiten sich schnell.

„Wir erfahren schon, dass solche Sommer häufiger auftreten“

Langfristig müssten auch die Menschen überdenken, ob ihre Wohnungen und Gärten für heißere und trockene Sommer ausgelegt sind, sagt Thomas Kesseler-Lauterkorn: „Wir erfahren schon, dass solche Sommer häufiger auftreten.“ Seit 1988 sei eine markante Erwärmung zu verzeichnen. Seit 1881 gab es in NRW noch keinen heißeren Juni als den in diesem Jahr.

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