Wie „Dallas“-Star J.R. Ewing vor genau zehn Jahren den Phoenix-See flutete

hzZehn Jahre Phoenix-Se

Vor genau zehn Jahren wurde der Phoenix-See geflutet. Unser Reporter Oliver Volmerich erinnert sich dabei vor allem an die überraschende Begegnung mit einem ganz besonderen Star.

Dortmund

, 02.10.2020, 11:40 Uhr / Lesedauer: 2 min

Die Frau, die am Geländer des Phoenix-Sees die feierliche Zeremonie auf der anderen Seite des Hörder Hafensbeckens verfolgt hatte, klang aufgeregt. „Da war ein Mann von der Emschergenossenschaft, der hatte sich als J.R. von Dallas verkleidet. Mit Cowboyhut“, berichtete sie ihrem Mann, der gerade eben vom Bierholen zurückkam. Die Umstehenden nickten eifrig.

Mehr als 55.000 Besucher kamen am 1. Oktober 2010 zum Seefest zur Flutung des Phoenix-Sees. Manche wunderten sich über den „Mann von der Emschergenossenschaft“ mit J.R.-Cowboyhut.

Mehr als 55.000 Besucher kamen am 1. Oktober 2010 zum Seefest zur Flutung des Phoenix-Sees. Manche wunderten sich über den „Mann von der Emschergenossenschaft“ mit J.R.-Cowboyhut. © Dieter Menne

Ich als zufälliger Zuhörer, hielt mich zurück. Dabei hätte ich brühwarm berichten können, dass sie keinen Mann der Emschergenossenschaft, sondern den echten J.R. gesehen hatten. Beziehungsweise natürlich dessen Darsteller, den US-Schauspieler Larry Hagman, der den J.R.-Cowboy-Hut nun offensichtlich als Markenzeichen pflegte. Eine knappe Viertelstunde vorher hatte ich selbst mit Larry Hagman alias J.R. Ewing gesprochen. Es war eines der kürzesten Interviews meiner journalistischen Laufbahn.

Werbung für Solartechnik

Aber was fragt man auch einen TV-Star, den man ohne Vorbereitung trifft? Larry Hagman war bei der Flutung des Phoenix-Sees ein Überraschungsgast, mit dem man nicht rechnen konnte. Der US-Schauspieler verdingte sich, wie ich erfuhr, nun als PR-Mann für eine amerikanische Solarfirma. Nach einem Besuch beim Münchener Oktoberfest war er auf dem Weg nach Berlin kurzfristig von den Festorganisatoren der Dortmunder Stadtwerke (DSW21) für das Seefest in Hörde engagiert worden.

DSW21 war die Muttergesellschaft der Phoenix-See-Entwicklungsgesellschaft, hatte mehr als 200 Millionen Euro in das Riesenprojekt gesteckt, mit dem sich ein altes Stahlwerk in einen See mit noblen Wohn- und Büroadressen verwandeln sollte.

Nach fünf Jahren Bauzeit mit einigen Pannen und Rückschlägen stand nun, am 1. Oktober 2010, die Flutung des ausgehobenen Seebeckens an. Von einem „Jahrhundertwerk“ war die Rede. Da wollte man sich nicht lumpen lassen.

Der J.R.-Cowboy-Hut durfte nicht fehlen beim Auftritt von US-Schauspieler Larry Hagmann am Phoenix-See.

© Dieter Menne (A)

Beim Bürgerfest zur Flutung des Sees rund um das Hafenbecken an der Hörder Burg spielten die Dortmunder Philharmoniker Händels Wassermusik. Für den Abend waren gemeinsam mit Radio 91.2 US-Sängerin Amy McDonald und Comedian Atze Schröder engagiert worden, den man sogar per Hubschrauber zum nächsten Auftritt fliegen ließ. Da kann man sich als Gag auch Öl-Millionär J.R. Ewing leisten.

Ich muss zugeben, ich war nie in großer Fan der TV-Serie Dallas, hatte vielleicht eine handvoll Folgen gesehen. J.R. als Bösewicht war mir aber natürlich gut in Erinnerung.

Das Interview im Wortlaut

Was ich dann beim spontanen Zusammentreffen im VIP-Zelt am Seeufer zuerst feststellte war, das Larry Hagman im Original deutlich netter wirkte als seine Figur J.R.. Der damals inzwischen 79 Jahre alte Schauspieler war aber relativ wortkarg. Deshalb fiel das auf Englisch geführte Interview auch recht kurz aus: Hier der komplette Wortlaut:

Mr. Hagman, was machen Sie in Europa?

Ich eröffne Seen.

Und sonst?

Oh. Ich war in Salzburg und noch gestern Abend in München beim Oktoberfest. Morgen reise ich weiter nach Berlin.

Sie machen jetzt nicht mehr in Öl, sondern werben für Solarenergie?

Ich habe auf meinem Privathaus die wohl größte private Solaranlage in den USA.

Was halten Sie vom Phoenix-See?

Das ist eine wundervolle Idee und ein gutes Investment. Vielleicht sollte ich mir hier auch ein Appartement kaufen. Wenn ich hierhin ziehe, bringe ich dann auch die kalifornische Sonne mit.

Lary Hagmann und Dallas

Eine TV-Serie als „Straßenfeger“

  • Lary Hagmann kam nicht mehr dazu, sich ein Apartment am Phoenix-See zu kaufen. Er starb im Alter von 81 Jahren im November 2012 in Dallas/Texas.
  • In der TV-Serie „Dallas“, die von 1978 bis 1991 produziert und ab 1981 auch in Deutschland ausgestrahlt wurde, spielte er den texanischen Öl-Baron J.R. Ewing, der als Bösewicht der Serie fungierte.
  • „Dallas“ war sowohl in den USA sehr erfolgreich und zeitweise ein sogenannter „Straßenfeger“
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