Wie eine Gedenkfeier zum Plädoyer gegen Rechtsextremismus wurde

hzEvangelischer Kirchentag

Es sollte um Erinnerung an historische Ereignisse gehen. Doch das „Gedenken zu Beginn“ an der Steinwache bekam ungewollte Aktualität – und wurde zum Bekenntnis gegen Rechtsextremismus.

Dortmund

, 19.06.2019, 20:12 Uhr / Lesedauer: 1 min

Der Ort war mit Bedacht gewähllt. Rechts lag die alte Steinwache, die als Gefängnis- und Folterstätte aus der NS-Zeit bekannt und berüchtigt ist, links das Mahnmal für die NSU-Opfer. In diesem Spannungsfeld verlief auch die eindrucksvolle Gedenkveranstaltung zu Beginn des Kirchentags, den der Dortmunder Arbeitskreis Christen gegen Rechts organisiert hatte.

Der Rabbiner der jüdischen Kultusgemeinde in Dortmund Baruch Babaeev erinnerte an die NS-Vergangenheit der Steinwache, aber auch an aktuellen Antisemitismus. Kirchentags-Präsident Hans Leyendecker schlug den Bogen zu den NSU-Morden und zum aktuellen Mord an dem Kasseler Regierungspräsidenten Walter Lübcke, der mutmaßlich ebenfalls von einem Rechtsextremisten verübt wurde. „Sein Appell: Patrioten, Demokraten, werdet wach. Wir müssen den rechten Terror gemeinsam bekämpfen.“

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So war das "Gedenken zu Beginn" des Kirchentages an der Steinwache

Das "Gedenken zu Beginn" hat Tradition beim Kirchentag, wie auch Kirchentagspräsident Hans Leyendecker bei der Begrüßung erklärte. Beim Dortmunder Kirchentag fand sie vor der Steinwache statt und schlug den Bogen von der NS-Zeit bis in die Gegenwart.
19.06.2019
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Gut gefüllt war der Platz vor der Steinwache bei der Gedenkveranstaltung. © Stephan Schuetze
Gut gefüllt war der Platz vor der Steinwache bei der Gedenkveranstaltung. © Stephan Schuetze
Kirchentagspräsident Hans Leyendecker mit dem Dortmunder Rabbiner Baruch Babaev.© Stephan Schuetze
Die Dortmunder Polizei sorgte für den Schutz der Veranstaltung. © Stephan Schuetze
Gut gefüllt war der Platz vor der Steinwache bei der Gedenkveranstaltung. © Stephan Schuetze
Mehrere hundert Zuhörer verfolgten die Gedenkveranstaltung. © Stephan Schuetze
Gut gefüllt war der Platz vor der Steinwache bei der Gedenkveranstaltung. © Stephan Schuetze
Eine eindrucksvolle Performance unter der Leitung von Theaterpädagogin Sarah Jasinszczak und Tanzpädagoge Justo Moret verband die Erinnerungen an NS- und NSU-Opfer. © Stephan Schuetze
Gut gefüllt war der Platz vor der Steinwache bei der Gedenkveranstaltung. © Stephan Schuetze

Eine Verbindung zwischen NS-Zeit und der Gegenwart schuf auch eine eindrucksvolle Tanzperformance, die mit Texten von NS-Opfern und den von einer Schauspielerin vorgetragenen Ausschnitten aus den NSU-Monologen mit Erinnerungen von Elif Kubasik, der Witwe des 2006 vom NSU ermordeten Dortmunder Kioskbesitzers Mehmet Kubasik.

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Rainer Zunder und Pfarrer Friedrich Stiller vom Arbeitskreis Christen gegen Rechtsextremismus schilderten die Strukltur der Dortmunder Nazi-Szene und den Kampf dagegen. „Seit 19 Jahren ist man in Dortmund gemeinsam unterwegs gegen Rechtsextremismus“, erklärte Stiller. Gerade die evangelische Kirche habe sich von Anfang an klar gegen Rechts positioniert. Motto: „Unser Kreuz hat keine Haken.“

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