Der fast menschenleere Westenhellweg an einem frühen Abend Anfang März 2021. Seit zwölf Wochen sind die meisten Geschäfte der Einkaufsmeile geschlossen. © Stephan Schütze
Corona-Bilanz

Wie geht es dem Westenhellweg nach einem Jahr Corona?

Corona hat den Westenhellweg hart getroffen. Statistiken zeigen: Die Zahl der Besucher im Herz von Dortmunds Einzelhandel hat massiv gelitten. Trotzdem blickt ein Experte positiv in die Zukunft.

Oft sind die Auswirkungen der Corona-Pandemie auf die Gesellschaft ziemlich schwer in Zahlen zu fassen: Wie beeinflussen die geschlossenen Schulen die Entwicklung unserer Kinder? Wie verändert sich der Arbeitsalltag durch das Homeoffice?

Beim Westenhellweg ist das anders. Hier liefert eine automatische Passantenzählung in Echtzeit verlässliche Daten, wie viel los ist auf Dortmunds wichtigster Einkaufsstraße. Und die Zahlen des Einzelhandels-Dienstleisters Hystreet sind eindeutig.

6,5 Millionen weniger Passanten auf dem Westenhellweg

Kurzum: Es war ein grauenhaftes Jahr für das Herz des Dortmunder Einzelhandels. Seit den ersten bestätigten Corona-Fällen Anfang März 2020 flanierten rund 6,5 Millionen Menschen weniger über den Westenhellweg, dessen Geschäfte ganz und gar auf Laufkundschaft ausgerichtet sind – das ist ein Minus von fast 44 Prozent gegenüber dem gleichen Zeitraum 2019/20.

Am stärksten waren und sind die Einbrüche bei den Passantenzahlen naturgemäß während der beiden Shutdowns im März/April 2020 und von Mitte Dezember bis heute. Hier waren an manchen Tagen rund 90 Prozent weniger Menschen auf dem Westenhellweg unterwegs als in Vor-Corona-Zeiten.

„Ein ganz, ganz hartes Jahr“ bescheinigte IHK-Handelsexperte Ulf Wollrath bereits bei einem Rückblick im Januar dem Westenhellweg – und seitdem wurde es für die Händler an der Einkaufsmeile nur schlimmer, nicht besser.

Mittlerweile sind sie in Woche 12 des zweiten Shutdowns. Damit sind sie bereits schon fast dreimal so lange zwangsweise geschlossen wie während der ersten Corona-Welle im Frühling 2020.

Dennoch werden nach dem Ende des aktuellen Shutdowns die allermeisten Türen der Geschäfte am Westenhellweg wieder öffnen, meint Andreas Grüß. Der Geschäftsführer von „Lührmann Osnabrück“, einem auf Top-Einkaufsstraßen spezialisierten Maklerunternehmen, sieht keine Gefahr, dass aus der Einkaufs- eine Leerstandmeile wird.

Mietnachlässe von bis zu 50 Prozent am Westenhellweg

„Die Solidarität ist sehr hoch“, sagt der Westenhellweg-Kenner. Während der Zeit der Zwangsschließungen haben laut Grüß viele Vermieter ihren Mietern große Mietnachlässe von bis zu 50 Prozent gewährt.

Auch sei der Westenhellweg nach wie vor ein gefragtes Pflaster. Das zeigten Neuansiedlungen wie jene vom Outdoor-Spezialisten Globetrotter, der demnächst gegenüber der Thier-Galerie öffnet, und vom Schuh-Label Dr. Martens, so Grüß. Und auch während des aktuellen Shutdowns gebe es Vermietungsgespräche.

Trotzdem: Zwei große Leerstände werden den Westenhellweg wohl noch eine Weile beschäftigen. Da wäre zum einen das ehemalige Kaufhof-Gebäude. Ebenfalls ungeklärt ist die Zukunft des Mayerschen-Hauses, wenn die Buchhandlung demnächst die Straßenseite wechselt und ins alte Roland-Ladenlokal zieht.

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Redaktion Dortmund
1984 geboren, schreibe ich mich seit 2009 durch die verschiedenen Redaktionen von Lensing Media. Seit 2013 bin ich in der Lokalredaktion Dortmund, was meiner Vorliebe zu Schwarzgelb entgegenkommt. Daneben pflege ich meine Schwächen für Stadtgeschichte (einmal Historiker, immer Historiker), schöne Texte und Tresengespräche.
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