Wie geht’s weiter im Kleinen Hannibal? Neuer Verwalter wehrt sich gegen Bedenken

hzDortmunder Nordstadt

Am 1. September ist das Unternehmen Velero neuer Verwalter des Hannibal 1 an der Bornstraße in der Nordstadt. Dem Konzern schlägt Skepsis entgegen. Der Velero-Chef kämpft dagegen an.

Dortmund

, 18.08.2019, 08:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Ende Juni war der Verkauf der 232 Wohnungen im „Kleinen Hannibal“ an der Bornstraße, Jägerstraße und Lauenburgerstraße durch den bisherigen Eigentümer LEG Wohnen bekannt geworden. Käufer ist die Merlion-Gruppe, die wiederum dem Investmentfonds Cheyne Capital gehört. Velero mit Sitz in Berlin vertritt die Eigentümer.

Das überraschende Geschäft hatte für Gesprächsstoff gesorgt. Das liegt auch daran, dass hinter Cheyne Capital ein anonymer Investor steht, der seinen Firmensitz auf den Britischen Jungferninseln hat. Der Mieterverein Dortmund hatte den Hannibal-Verkauf zum Anlass genommen, seine Befürchtungen über Finanzspekulation auf dem Rücken der Mieter zu formulieren.

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Velero-Geschäftsführer Thomas Lange haben in Berlin viele Reaktionen auf das Geschäft erreicht. Die „massive Aufmerksamkeit“ habe ihn überrascht, sagt er.

„Man sollte die Mieterangst nicht forcieren, bevor etwas passiert ist. Wenn ein Mieter vor Sorge schlecht schläft, ist ihm nicht geholfen.“ Er plädiert dafür, sein Unternehmen die Arbeit erst machen zu lassen und sie dann zu bewerten.

Das sagt Thomas Lange über...

... das, was das Unternehmen mit dem Hannibal 1 vorhat:

„Mitarbeiter überprüfen jetzt schon alle Leerstände, damit wir nach dem 1.9. direkt starten können.“ Aktuell stehe nur eine einstellige Zahl an Wohnungen leer.

„Die Aufzüge sehen wir uns relativ schnell an.“ Bereits beschlossen sei, dass es einen eigenen Hausmeister für den gesamten Gebäudekomplex geben wird. Mietersprechstunden und Erreichbarkeit vor Ort sollen gewährleistet sein. „Uns ist klar, dass viele Dinge in der Nordstadt nicht passieren, wenn es im Hannibal nicht funktioniert.“ Die Stadtteilarbeit mit Kindern, Jugendlichen und anderen Gruppen solle weiter fortgesetzt werden.

... mögliche Mieterhöhungen und Verdrängung von Mietern:

„Wir verwalten in NRW 4500 Wohnungen. Wir haben noch niemanden vertrieben, stellen keine horrenden Kosten in Rechnung oder haben mit Versorgern Rechnungen offen. Im Gegenteil: Wir investieren in modernen Standard.“ Als Beleg dafür nennt er vergleichbare Wohnkomplexe in Hagen (1000 Wohnungen im Stadtteil Vorhalle) und Duisburg (600 Wohnungen in Alt-Hamborn). „In der Dortmunder Nordstadt ist das Mieterklientel nicht schwieriger als woanders.“

198 der 232 Wohnungen im „Kleinen Hannibal“ sind noch bis Ende 2027 in der Mietpreisbindung. Die Bewohner sind damit vor einer Mieterhöhung ohnehin geschützt. „Dort, wo wir Leerstände sanieren, wird es leichte Anpassungen geben.“

... über die Diskussion zu den Interessen des Investors:

„Der Eigentümer vertritt die Auffassung eines nachhaltigen Wirtschaftens.“ Eine Immobilie wie der Hannibal 1 sei dann lukrativ, wenn man einen Standard schaffe, der dafür sorgt, dass die Mieter seltener ausziehen. „Kaufen, auslutschen und wieder verkaufen funktioniert nicht. Da ist unser Eigentümer kein Kandidat für.“

Dass sich der Eigentümer im Hintergrund halte, sei in der Wohnungswirtschaft üblich. „Das Thema ist sensibel und politisch. Wir sind dafür da, um die Distanz abzubauen.“

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