Der Dortmunder Sternekoch Michael Dyllong in seiner Küche im Palmgarden. Mit einem französischen Kollegen trank er sich einst durch Dortmunds Kneipen. © Dieter Menne (Archivbild)
Kolumne „Dinner mit Dyllong“

Wie ich mich mit einem Sternekoch durch Dortmunds Kneipen trank

Sind Spitzenköche erbitterte Konkurrenten? Keinesfalls, verrät Michael Dyllong in seiner Kolumne. Mit einem erlebte der Dortmunder Sternekoch vor einem BVB-Spiel eine legendäre Kneipen-Tour.

Vor einigen Wochen wurde Dortmund über Nacht zum kulinarischen Hotspot Deutschlands. Gleich vier Restaurants sind jetzt mit einem Michelin-Stern ausgezeichnet. Das hat mich sehr gefreut.

Die Sterneköche der Region pflegen untereinander eher eine freundschaftliche Verbindung. Als Konkurrenten sehen wir uns nicht, zumindest empfinde ich das nicht so: Ideen und Zubereitungen setzt jeder in seine eigenen „Kochsprache“ um. Meine Küche steht für sich, und ich hinter meinen Rezepten.

Natürlich kennen wir Köche uns von gegenseitigen Restaurantbesuchen. „Extrawürste“ gibt es bei mir für niemanden, noch nicht einmal für enttarnte Restauranttester. Hinterher sitzen wir gerne bei einem Glas Wein zusammen und reden fast nur über das Kochen. Diese Leidenschaft verbindet uns.

Gemeinsame Angeltrips mit Dirk Grammon

Mit Dirk Grammon bin ich darüber hinaus eng befreundet. Schnell haben wir festgestellt, dass uns auch privat viel verbindet. Heute unternehmen wir gemeinsame Angeltrips und genießen das rustikale Leben in der Natur als Abwechslung zur Sterneküche oder laden zum Grillen ein.

Pierre Beckerling ist nicht nur frisch gebackener Sternekoch, sondern gehört schon lange zu meiner Küchen-Mannschaft und dem Freundeskreis. Seinen ersten Stern konnten wir im Lockdown nur gedämpft feiern.

Doch in normalen Zeiten können es auch Spitzenköche richtig krachen lassen – nicht nur in Dortmund, sondern überall auf der Welt. Das zeigt eine kleine Geschichte, die ich mit Ihnen teilen möchte.

Herrengedecke in den Kneipen, Selfies mit Polizisten

Ein französischer Sternekoch wollte 2019 mit mir und seinen Freunden „wie Westfalen feiern“ und das mit einem Stadionbesuch verbinden. Diese Herausforderung nahm ich natürlich an.

Wir begannen unsere Tour vor dem Spiel um 12 Uhr im Kultgasthaus „Zum Sauren“. Dort führte ich meine Gäste in die Dortmunder Spezialitäten „Salzkuchen“ und „Herrengedeck“ ein. Unser Weg ins Stadion führte am „Hubertus“ und dem „Balke“ vorbei, oder genauer gesagt hinein. Auch dort stand ein Herrengedeck aus Pils und Korn auf der Getränkekarte.

Im Stadion wurde natürlich Bier ausgeschenkt. Zum Glück überstand mein Gast Selfies mit der Einsatzpolizei unbeschadet. Nach dem Spiel hatte ich im Vida Pflichten als Gastronom zu erfüllen, die Franzosen schlummerte auf den noch verpackten Möbeln des „Iuma“ kurz vor der Eröffnung. Danach zogen wir – ich eigentlich bettreif, mein Gast ausgeschlafen und voller Tatendrang – bis zum Sonnenaufgang in die „Marlene-Bar“.

Am nächsten Morgen war der französische Feiertrupp zu meiner Überraschung äußerst frisch und bereit, zum Flughafen gefahren zu werden. Wie der BVB gespielt hat? Das haben sie wahrscheinlich nie erfahren.

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