Wilde Müllkippen in Dortmund: Was tun, wenn die Dreckpetze versagt?

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Wilde Müllkippen meldet Heiko Jäger (38) der EDG und der Stadt Dortmund fast täglich. Doch nicht immer verschwinden die Müllberge. Was ist zu tun, wenn die App versagt?

Wambel

, 22.10.2020, 14:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Heiko Jäger (38) engagiert sich für den Erhalt der Natur in Dortmund. Täglich ist der 38-jährige Logistiker auf seinem Fahrrad unterwegs, ob zur Arbeit oder in seiner Freizeit.

Dabei lässt der Umweltaktivist seinen prüfenden Blick über die Straßen und Plätze in Dortmund schweifen und entdeckt dabei stetig neue wilde Müllkippen.

Heiko Jäger spürt wilde Müllkippen in Dortmund auf

Kleidung, Renovierungsabfälle, Reifen, es gebe nichts, was Jäger noch nicht an dem ein oder anderen Straßenabschnitt in Dortmund entdeckt hätte.

Auch alte Waschbecken, aufgebrochene Zigarettenautomaten oder gar einen geöffneten Tresor habe er schon gefunden.

Besonders schlimm schätzt er die Lage in Wambel an der Unterste-Wilms-Straße und an der Rüschebrinkstraße ein.

Im Gebüsch an der Rüschebrinkstraße etwa liege seit Monaten ein alter Kühlschrank. Diesen und weitere Fälle habe Jäger schon vor Monaten dokumentiert und der Dreckpetze-App der EDG gemeldet.

Entweder gebe die App an, die EDG sei nicht zuständig und wolle die Meldung weiterleiten oder aber die Fälle erhielten den Status „gelöst“ und vor Ort liege noch immer der Müll.

Heiko Jäger ist sichtlich frustriert: „Was ich alleine erledigen kann, mache ich. Aber vielerorts stoße ich an meine Grenzen. Das Problem müsste doch die Stadt Dortmund lösen. Die Stadt tut nichts und von mir sind sie genervt.“

Dieser Kühlschrank soll seit Monaten im Gebüsch an der Rüschebrinkstraße liegen.

Dieser Kühlschrank soll seit Monaten im Gebüsch an der Rüschebrinkstraße liegen. © Irina Höfken

Eigentlich kümmere sich die EDG bei wild entsorgten E-Geräten immer direkt, unabhängig von der Frage des Eigentums, wegen der bestehenden Gefahr für die Umwelt, erklärt EDG-Sprecher Matthias Kienitz auf Anfrage der Redaktion. Eigentlich. Grundsätzlich seien die Problemstellen in Wambel seit 2018 bekannt, so der Pressesprecher.

EDG nicht für jede Fläche in Dortmund zuständig

Viele Bereiche fallen aber nicht in den Zuständigkeitsbereich der EDG, sagt Kienitz. Meldungen würden sie aber an die zuständigen Grundstückseigentümer weiterleiten, danach erhielten sie keine Informationen mehr darüber, ob eine Beseitigung veranlasst worden sei, so Kienitz.

Auf diese Abläufe habe die EDG keinen Einfluss. Dass das für die Bürger nicht zufriedenstellend sei, könne Kienitz aber verstehen.

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sehr geehrte Stadt Dortmund, sehr geehrter Herr Thomas Westphal, zu dieser Situation hier in der „unterste wilms Straße“ habe ich schon mehrere Beiträge hier auf meinem Kanal gemacht. Ich habe aber mittlerweile aufgegeben es in der Dortmunder Mängel App „Dreckpetze“ zu melden. Daher fordere ich sie jetzt da dazu auf Stellung zu nehmen, warum sich an dieser Situation nichts ändert? Sie als neuer Bürgermeister können das vielleicht aufklären. Vielleicht kann auch Herr Sierau dazu etwas sagen. Es ist ein haltbarer Zustand den man dort vorfindet, Mitarbeiter der Stadt machen mit den orangenen Fahrzeugen dort am Imbiss pause. auch die Mitarbeiter sehe ich in der Pflicht diese Mängel in dieser Straße zu melden und dafür zu sorgen dass diese beseitigt werden. Warum passiert sowas nicht? Warum wird dieser Zustand dort geduldet, und absichtlich weggeschaut? Ich hoffe schnellstmöglich von Ihnen zu hören. @stadt_dortmund @entsorgungdortmund @thomaswestphaldo @spd_dortmund @spdde #stadtdortmund #entsorgungdortmund #dortmüll #müll #müllabfuhr #erlenzeisig #litter_2 #litterpickers #litter #recycling #nachhaltigleben #nachhaltigkeit #trashtag #thetrashtraveler #citycleanersgermany #cleanup #plogging #müllsammelntutnichtweh #müllvermeidung #oeko_schwester #natur #müllsammlerin #plastikschale #plastikfrei #plastikfreileben #plasticpollution #müllfrei #müllfreileben #müllvermeidung #bückdichfürdeinenplaneten

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Das, in der Tat, dürfte für Heiko Jäger eine nicht zufriedenstellende Antwort sein. Für die Fläche an der „Unterste-Wilms-Straße“ etwa gibt die App der EDG an, dass auf den nächsten Grünpflegetermin der Stadt Dortmund gewartet werden müsse. Die Meldung ist mehr als zwei Jahre alt. Bei der Stadt Dortmund treffe Jäger aber auf taube Ohren.

Dreckpetze-App ist die erste Anlaufstelle

Bis zu sechs E-Mails schreibe er pro Tag, auch offene Briefe habe er formuliert. Eine Rückmeldung erhalte er aber nie und das Müllproblem bliebe. Dortmunds künftiger Oberbürgermeister Thomas Westphal (SPD) habe ihn auf Instagram bereits blockiert, sagt er. Diese Behauptung hat das Team von Westphal bis zum jetzigen Zeitpunkt auch nach einigen Tagen Wartezeit weder dementiert, noch bestätigt.

Auf der Internet-Plattform sei Jäger erst aktiv geworden, um Struktur in seine Aufzeichnungen zu bringen und gehört zu werden.

Der erste Weg, Müll zu melden, erklärt Stadtsprecher Christian Schön, führe über die Dreckpetze-App. In der Regel übernehme die EDG auf städtischen Straßen- und Wegeflächen im Auftrag der Stadt die Reinigung binnen drei Tagen, sagt Schön auf Anfrage.

Seien andere Eigentümer in der Pflicht und kämen der Aufforderung nicht nach, werde ein ordnungsrechtliches Verfahren eingeleitet. Dann könne es länger dauern, bis der Abfall beseitigt ist.

EDG und Umweltamt nehmen Kontakt auf

EDG und Umweltamt hätten nun Kontakt zu Heiko Jäger aufgenommen, um die konkreten Problemfälle zu klären und zu lösen, versicherte Schön am 16. Oktober (Freitag).

Die wilden Müllkippen in Dortmund beseitigen zu lassen, sei ein steiniger Weg, weiß Heiko Jäger. Diesen wolle er aber weiter gehen.

Hinweise der Stadt Dortmund zum Thema

  • Jeder Bürger ist verpflichtet, eigene Abfälle ordnungsgemäß und schadlos zu entsorgen.
  • Unschädliche Verwertung: EDG-Recyclinghöfe oder Depotcontainer für Glas, Papier, und die Bio-, Papier und Wertstofftonne. Beseitigung (z.B. Verbrennen in einer Müllverbrennungsanlage).
  • Jeder, der sich des Abfalls unzulässig entledigt oder durch das Ablegen oder Wegschmeißen des Mülls Gefahren verursacht und die Umwelt gefährdet, handelt illegal und ordnungswidrig: Die Verursacher müssen mit hohen Strafen rechnen.
  • Wer unbefugt Abfälle ablagert, die nachhaltig ein Gewässer, die Luft oder den Boden verunreinigen, begeht eine Umweltstraftat. In diesen Fällen werden die Strafverfolgungsbehörden tätig.

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