Wildwuchs wird gelichtet

Stadtverband der Gartenvereine weist (Allein-)Schuld an Grabeland-Bebauung zurück

17.05.2007, 12:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Kein einfaches Unterfangen, zumal schon die Vergangenheitsbewältigung große Mühe bereitet. Denn auf vielen Grabeland-Flächen, die eigentlich gar nicht bebaut werden dürfen, sind üppige Behausungen entstanden, die teilweise als feste Wohnsitze dienen. Zehn Prozent der 1700 Grabeland Parzellen in Dortmund sind ?extrem bebaut?, schätzt Wilhelm Kallerhoff (Foto 1) als Vorsitzender des Stadtverbandes. Dazu gehören auch etwa zehn so genannte Behelfsheime aus der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg, die wie am Emscherpfad in Dorstfeld nach und nach ausgebaut wurden (wir berichteten). Als Alleinschuldigen für die außer Kontrolle geratene Bebauung sieht sich der Stadtverband allerdings zu Unrecht am Pranger. ?Wir sind sicherlich nicht schuldlos, lassen uns aber nicht alles in die Schuhe schieben?, betont Kallerhoff. Vor allem wehrt man sich gegen den Eindruck, untätig geblieben zu sein. Der Gesamtpachtvertrag zwischen Stadt und Verband, in der die Übernahme aller Grabelandflächen geregelt wurde, ist erst seit Ende 2001 perfekt. Schon damals sei bekannt gewesen, dass es größere Behausungen auf Grabeland-Grundstücken gibt, betont Kallerhoff. Das vom zuständigen Liegenschaftsamt übergebene Kataster aller Flächen sei allerdings unvollständig und teilweise falsch gewesen. ?Wir haben über eineinhalb Jahre versucht, Ordnung in das Chaos zu bringen und eigens eine neue EDV für die Verwaltung angeschafft?, erklärt der Vorsitzende. Immer wieder habe man auch die Erfahrung gemacht, wie schwierig es sei, Pächter zu zwingen, Schwarzbauten zu entfernen oder Flächen zu räumen, zumal auch Juristen auf die lange Duldung des Zustands durch städtische Stellen hinweisen. ?Bei kleinen Holzhütten drücken wir ohnehin ein Auge zu. Aber wir verlangen eine Kaution für einen späteren Abbruch?, betont Kallerhoff. Ein Vorgehen, zu dem er jetzt auch mit Blick auf die Rechtslage im Fall der größeren Schwarzbauten rät, die nun Sache des städtischen Liegenschaftsamtes seien. ?Die Stadt hat gar keine andere Möglichkeit?, ist Kallerhoff überzeugt. Ob dem so ist, wird in der Verwaltung derzeit intensiv geprüft. Wobei Stadtdirektor Ullrich Sierau (Foto 2) wie Kallerhoff an ein abgestuftes Vorgehen gegen den Wildwuchs denkt. ?Wir werden keine Treibjagd veranstalten, aber einschreiten, wenn Bau- oder Umweltrecht mit Füßen getreten wurde?, kündigte Sierau an. Im Ernstfall müsse es dann auch zu Abrissen kommen. Auch für den Stadtdirektor gilt es zudem, erst einmal einen Überblick über die Grabeland-Fläche zu bekommen. ?Wir werden jetzt stärker in die Bestandsaufnahme gehen und uns dazu auch mit dem Stadtverband zusammensetzen?, erklärte Sierau. Oli

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