Ekel-Alarm im Briefkasten: Dortmunder Türken sind schockiert von eingenässten Windeln

hzWiderliche Aktion

Ein 63-jähriger Huckarder hat eingenässte Inkontinenz-Windeln an Dortmunder Türken verschickt. Nazay Er und Canan Aygördü waren mehrmals Ziel dieser Attacken.

Huckarde

, 15.11.2019, 16:13 Uhr / Lesedauer: 2 min

Briefumschläge mit dem Absender „Von den Huckarder Bürgern“ gingen in mehr als 60 Fällen an türkisch-stämmige Dortmunder. Betreffzeilen wie „Wertschätzung für halal“ oder „Unterstützung für Thomas Cook“ waren an die ausschließlich in Huckarde lebenden Empfänger gerichtet.

Der Inhalt der kuriosen Post: eingenässte Inkontinenz-Windeln. „Drei oder vier Mal hatten wir einen solchen Umschlag an der Ladentür“, sagt Nazay Er. Ihr Mann Salih Er ist Inhaber der türkischen Metzgerei an der Rahmer Straße.

Der Absender der Windel-Post, ein 63-jähriger Huckarder, ist am Mittwochmorgen (13.11.) festgenommen worden – dank der Videoüberwachung der Metzgerei „Er Kasap“.

Nazay Er: „Ich glaube, das geht allgemein gegen Ausländer“

Die hatten die Ers eingerichtet, als sie nach der Metzgerei-Eröffnung im März wiederholt Briefümschläge mit Windeln erhielten. „Die Kamera hat den Mann aufgenommen, das Video habe ich dann der Kriminalpolizei übergeben“, sagt Nazay Er.

Ziel aller Attacken, die seit 2017 zur Anzeige gebracht wurden: türkische Ärzte, Geschäftsleute und Einzelhändler. Als Motiv gab der 63-jährige Täter seine Unzufriedenheit mit dem Wahlverhalten der in Dortmund lebenden Türken zur Präsidentschaftswahl in der Türkei an.

„Ich glaube aber nicht, dass das was mit der Politik in der Türkei oder Erdoğan zu tun hat“, sagt Nazay Er. Auch, weil der Betreff der Briefe sich nur gegen die halal-Schlachtung der Metzgerei richtete. „Ich glaube, das geht allgemein gegen Ausländer.“ Fakt ist, dass sich die Aktion gegen Türken richtete, wie die Wahl der Opfer zeigt.

Familie Er kennt weitere Opfer der Aktion

Sie habe aufgrund der Inkontinenz-Windeln schon vermutet, dass es sich um einen älteren Täter handelt, so Nazay Er. „Bedroht haben wir uns dadurch aber nicht gefühlt – wir waren eher genervt“, sagt sie.

Jetzt seien sie und ihre Familie einfach nur froh, dass der Täter gefasst wurde. Denn auch in ihrer Nachbarschaft mussten Huckarder Türken unter der Ekel-Post leiden. „Uns ist das einmal passiert“, bestätigt Canan Aygördü, die im Reisebüro TTA-Reisen arbeitet.

Ekel-Alarm im Briefkasten: Dortmunder Türken sind schockiert von eingenässten Windeln

Timur Güens Reisebüro war auch von der Windel-Post betroffen. © Carolin West

Kurz nach der Thomas-Cook-Pleite im September sei der Brief bei ihnen eingegangen. „Ich war natürlich geschockt – und es war ekelerregend“, sagt Aygördü. „Ich kann nicht verstehen, warum jemand so etwas macht.“

Täter ist nicht politisch organisiert

Dass der Täter nun gefasst und in Polizeigewahrsam ist, erleichtert Canan Aygördü und Reisebüro-Inhaber Timur Güen. „Das freut wahrscheinlich alle hier“, sagt Canan Aygördü. Besonders betroffen gewesen sei die Praxis für Sprachtherapie und Erziehungsberatung von Saadet Öztürk.

Eine Mitarbeiterin bestätigt, dass auch die Praxis Post bekommen habe. Die Inhaberin war am Freitag (15.11.) nicht zu sprechen. „Die Hauptsache ist ja für alle, dass jetzt Schluss damit ist“, sagt Nazay Er.

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