Wirte zum Lockdown: „Unverschämtheit, dass wir wieder leiden müssen“

hz Coronavirus

Die zweite Corona-Zwangspause ist beschlossen: Die Gastronomie muss dicht machen. Für Kneipen ist ein Lieferservice keine Lösung. Die Wirte im Westen sind sauer. Und haben Angst.

Lütgendortmund, Mengede, Huckarde

, 28.10.2020, 18:32 Uhr / Lesedauer: 2 min

Der Chef der „Marktschänke“ in Huckarde findet deutliche Worte: Ein zweiter Lockdown für die Gastronomie? „Das wird ganz fürchterlich“, sagt Michael Wicke. Denn wenn seine Kneipe nicht mehr aufmachen darf ab Montag, heißt das auch: Null Euro Umsatz ab Montag.

Doch die Angestellten wollen am 1. November ihren Lohn haben. „Das kriege ich noch hin“, sagt Wicke. Aber Mitte des Monats müsse die Pacht bezahlt werden. Ob das klappt? Das werde man sehen. Es komme darauf an, wann Hilfsleistungen des Staates ausgezahlt werden. Oder wie es sich mit den anderen Kosten verhalten wird. Im ersten Lockdown beispielsweise sei der Pächter sehr großzügig gewesen.

Wirte: Wir sind doch nicht Schuld an den Corona-Fällen

Wicke könne verstehen, dass man etwas tun müsse, um den Anstieg der Corona-Infektionen zu stoppen. Aber dennoch: „Es ist eine Unverschämtheit, dass ausgerechnet wieder die Gastronomie leiden muss.“ Dass Kneipen ein Corona-Hotspot seien, davon habe er nicht gehört.

Das sieht auch Stefan Altstadt, Wirt der Oespeler „Linnertschänke“, so. Er hat die Hiobsbotschaft gerade im Radio gehört. Und ist fassungslos. „Das ist einfach die falsche Entscheidung, wir sind es doch nicht, die die Corona-Fälle hervorrufen“, sagt er.

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Ohne staatliche Unterstützung werde seine Kneipe den zweiten Lockdown definitiv nicht überleben, sagt Altstadt. „Meine privaten Reserven sind komplett aufgebraucht.“

Für ihn sei das ganze „purer Aktionismus“, dem er sich natürlich beugen werde, so Altstadt. „In dieser Zeit werde ich dann wohl Wände streichen, irgendwas ist ja immer zu renovieren.“

Wirtin kann Entscheidung nicht nachvollziehen

Auch Bianca Tix, Inhaberin der Gaststätte „Zur Alten Post“ in Lütgendortmund, macht sehr deutlich, was sie von den Beschlüssen des Corona-Gipfels hält: „Es ist zum Kotzen.“ Sie könne die Entscheidung nicht nachvollziehen. „Wir haben unsere Gäste unter Kontrolle. Wer seine Kneipe liebt, der legt doch großen Wert auf Hygiene und Abstände.“

Sie stehe gerade unter Schock, sagt Bianca Tix, bis zum Schluss habe sie gehofft, dass die Gastronomie diesmal verschont bleibe. „Mein Herz hängt an dieser Kneipe, aber ich weiß nicht, wie lange ich es noch schaffen werde, vor allem nicht ohne staatliche Unterstützung.“

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Zumindest soll es diese geben. Und da könne man froh sein, sagt Niko Savidis, Inhaber der „Sportlerklause“ in Nette. Als gebürtiger Grieche weiß er: Solche Hilfen sind woanders nicht vorgesehen. „Da können wir uns glücklich schätzen.“

Savidis versprüht Optimismus. Man habe das jetzt acht Monate lang geschafft, nun überstehe man auch die nächste Zeit, sagt er. Natürlich tue der Lockdown jetzt „weh“, aber er habe vorgesorgt und Rücklagen gebildet. Er ist sich sicher: „Die Sportlerklause wird weiter bestehen.“

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