Wirtschafts-Forscher sehen Dortmund als „gefährdete Region“ – Das sind die Gründe

Deutschlandweite Studie

Erneut schneidet Dortmund schlecht in einer Studie ab: In der Untersuchung zählen die Stadt und ihr Umland zu den 19 gefährdeten Regionen Deutschlands. Schuld sind vor allem zwei Faktoren.

Dortmund

, 09.08.2019, 14:33 Uhr / Lesedauer: 2 min
Wirtschafts-Forscher sehen Dortmund als „gefährdete Region“ – Das sind die Gründe

Die Dortmunder Innenstadt aus der Luft. © Oskar Neubauer (Archivbild)

Das Institut der deutschen Wirtschaft (IW) hat in Kooperation mit vier Hochschulen untersucht, welche Regionen in Deutschland strukturschwach sind und welche nicht.

Aufgeteilt in die drei Oberbereiche Wirtschaft, Demografie und Infrastruktur werteten die Forscher für die IW-Regionalstudie die Entwicklung von jeweils vier Indikatoren aus. Dabei ging es unter anderem um die Arbeitslosenquote und die Kaufkraft (Wirtschaft), die Lebenserwartung und die Bevölkerungsentwicklung (Demografie) oder die Höhe der kommunalen Schulden und die Versorgung von Ärzten (Infrastruktur).

Komplettes Ruhrgebiet ist im „Club der strukturschwachen Regionen“

Das Ergebnis ist wenig schmeichelhaft für Dortmund: Die Stadt und ihr Umland gehört zu den 19 Regionen Deutschlands, die als „gefährdet“ bezeichnet werden. Sie seien besonders strukturschwach und liefen Gefahr, abgehängt zu werden, so die Studie, in der Deutschland in insgesamt 96 Regionen aufgeteilt ist.

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Im „Club der strukturschwachen Regionen“ finden sich neben Dortmund unter anderem das komplette restliche Ruhrgebiet, das Saarland, Bremerhaven und viele vor allem ländliche Teile Ostdeutschlands. Innerhalb des Ruhrgebiets sehen die Forscher die Lage im westlichen Teil (u.a. Duisburg, Essen, Gelsenkirchen) als bedeutend prekärer an als im östlichen Teil um Dortmund und Bochum.

Arbeitslosigkeit und hohe Schulden sind hauptverantwortlich

Bei Dortmund sorgen vor allem zwei Faktoren für die Bewertung als strukturschwache Region: die Arbeitslosenquote und die kommunale Verschuldung. So sei die hohe Arbeitslosenquote in Dortmund zwar zurückgegangen, aber nicht so stark, wie es der gesamtwirtschaftliche Trend habe erwarten lassen.

Gleichzeitig behindert Dortmunds enorme kommunale Verschuldung die Entwicklung der Stadt. Allein bei den Kassenkrediten, vergleichbar mit dem Dispo bei Privatpersonen, hat Dortmund Schulden von 1,5 Milliarden Euro. Im deutschlandweiten Vergleich liegt Dortmund damit in der unrühmlichen Spitzengruppe.

Forscher: Ruhrgebiet sollte stärker gefördert werden

Die Forscher der IW-Studie fordern eine Neuausrichtung der bundesdeutschen Regionalpolitik, die sich seit 1990 stark auf Ostdeutschland konzentriere, zeitweise sogar mit 90 Prozent der eingesetzten Mittel. Die Regionalpolitik, deren Neuausrichtung 2020 sowieso anstehe, „sollte geografisch die westdeutschen Regionen mit Strukturproblemen wie das Ruhrgebiet verstärkt berücksichtigen.“

Die Stadt Dortmund wollte sich auf Nachfrage unserer Redaktion nicht zu den Ergebnissen der Studie äußern – eine Haltung, die sie bereits bei vorherigen Studien und Rankings an den Tag gelegt hatte.

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