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Wo die Dortmunder Kohle früh zu Tage kam

hzBergbau-Geschichte

Die Dortmunder Bergbaugeschichte reicht bis ins Mittelalter zurück. Spuren des Altbergbaus sind im Dortmunder Süden immer noch sichtbar.

Dortmund

, 18.09.2018 / Lesedauer: 5 min

Conrad war der Erste. Als Sohn des Kohlengräbers Conrad aus Schüren wird einem Mann gleichen Namens („Conradus filius Conradi“, heißt es im Original) im Jahr 1296 das Dortmunder Bürgerrecht verliehen. Der Eintrag im Bürgerbuch der Stadt ist der älteste schriftliche Nachweis für Bergbau im gesamten Ruhrgebiet. 1302 werden dann auch Kohlegruben in Schüren erstmals erwähnt, weil Heinrich und Dietrich von Aplerbeck ihr Haus zu Schüren mit allen Rechten zum Steinebrechen und Kohlengraben der Reinoldikirche vermachten.

Über solche Einträge taucht Steinkohlenbergbau im Mittelalter immer wieder in den Annalen heutiger Dortmunder Vororte auf. „Von Bergbau im eigentlichen Sinne konnte allerdings bis weit in das 17. Jahrhundert hinein noch keine Rede sein. Es handelte sich um mehr oder weniger wilde Kohlengräberei“, stellt Gabriele Unverferth vom Westfälischen Wirtschaftsarchiv fest.

Kohleflöze lagen nahe der Erdoberfläche

An den Hängen der Ruhr und im Süden des heutigen Stadtgebiets entlang der Emscher lagen die Kohleflöze nahe an der Erdoberfläche. Es reichten kleine Löcher oder Kuhlen, um die Kohle abzubauen. Oft ging es nur wenige Meter in die Tiefe, wobei dann oft Haspeln mit Seilzügen zum Einsatz kamen. Überbleibsel des frühen Bergbaus sind noch heute in den Wäldern im Dortmunder Süden zu sehen – in Form von muldenartigen Vertiefungen im Boden, den sogenannten „Pingen“. Viele davon gibt es etwa in der Bittermark, an den Hängen in Syburg und in der Bolmke.

Belegt ist auch, dass Dortmunder Kaufleute bereits mit Steinkohle handelten. Wichtige Abnehmer waren die Schmiede, die mit ihrem Handwerk in Dortmund eine wichtige Rolle spielten. Überliefert ist dazu ein Ereignis während der Großen Dortmunder Fehde, als Truppen des Erzbischofs von Köln und des Grafen von der Mark die Stadt über gut eineinhalb Jahre belagerten und die Kohlevorräte der Dortmunder knapp wurden. Am 7. Januar 1389, so heißt es in einer Chronik, zogen die Dortmunder Schmiede und viele Unterstützer in der Nacht über die Emscher, um sich Steinkohle zu holen.

Emscher bildete die Grenze zur Grafschaft Mark

In der Tat bauten die Dortmunder Kohle im Bereich unmittelbar nördliche der Emscher zwischen Hörde und Barop ab. Die Emscher bildete die Grenze zwischen der Grafschaft Dortmund, und damit dem Einflussbereich der freien Reichs- und Hansestadt, und der Grafschaft Mark, deren Herren den Dortmundern nicht unbedingt wohlgesonnen waren.

Hier kam der Bergbau allerdings schneller voran als im enggefassten Umfeld der Stadt Dortmund. So ging man in der Grafschaft Mark, zu der unter anderem Hörde gehörte, im Laufe des 16. Jahrhunderts zum Stollenbau über. Das heißt, dass Stollen in den Berg getrieben wurden, über die die Flöze erreichbar waren und über die vor allem auch das anfallende Grubenwasser abgeleitet wurde.

Syburger Bergbauweg dokumentiert den frühen Bergbau

Gut nachzuvollziehen ist der Übergang am Syburger Bergbauweg, den der Förderverein Bergbauhistorischer Stätten angelegt hat. Das „Beckersche Feld“ mit seinen Pingen unterhalb der Hohensyburg ist ein Beispiel für den oberflächennahen Bergbau. Ein gewisser Mathias Becker bekam hier 1582 die Genehmigung zum Kohleabbau, der bis weit ins 17. Jahrhundert hier stattfand.

Unmittelbar neben dem Beckerschen Feld erinnern die Mundlöcher der Zeche Graf Wittekind und der Zeche Schleifmühle an den Stollenbergbau, der hier im 18. und 19. Jahrhundert betrieben wurde. Die Zeche Schleifmühle war offiziell von 1740 bis 1801 mit mehreren Stollen und Schächten in Betrieb, um Kohle des Flözes Sengsbank abzubauen. Die Ausbeute war bescheiden. „1755 gewannen sechs Mann 164 Tonnen Kohlen“, stellte Bergbau-Historiker Tilo Cramm fest. Sehr oft wechselten deshalb die Eigentümer der Zeche, zu denen zeitweise die Grafen von Romberg, aber auch der Kaufmann und Politiker Friedrich Engels gehörten.

Wo die Dortmunder Kohle früh zu Tage kam

Der Syburger Bergbauweg dokumentiert den frühen Bergbau in Dortmund. Angelegt hat ihn der Arbeitskreis Dortmund im Förderverein Bergbauhistorischer Stätten. © Oliver Schaper

Die Zeche Graf Wittekind setzte den Kohleabbau am Syberg ab 1868 fort. Im besten Jahr, 1873, förderten hier vier Bergleute 609 Tonnen Steinkohle. Schon vor 1900 wurde das Bergwerk wegen Unwirtschaftlichkeit stillgelegt. Was nicht heißt, dass hier keine Kohle mehr abgebaut wurde. Beim Bau der Serpentinen, die von Syburg zur Ruhr führen, wurde 1928/29 Kohle aus dem Flöz Sengsbank für den Antrieb der eingesetzten Dampfbagger eingesetzt. In den Krisenzeiten nach dem Ersten und Zweiten Weltkrieg wurde in den Stollen wilder Kohleabbau betrieben – wie auch in vielen anderen alten Bergbaustollen etwa im Gebiet der Bolmke.

Besucherbergwerk zeigt Arbeitsbedingungen

Seit 1997 unterhält der Arbeitskreis Dortmund im Förderverein Bergbauhistorischer Stätten, der die Stollen am Syberg über Jahre erkundet und aufbereitet hat, das Besucherbergwerk Graf Wittekind. „Die zur Besichtigung hergerichteten drei Stollen sind die einzigen im Ruhrgebiet, in denen die schwere Arbeit der frühen Bergleute nahezu real nachempfunden werden kann“, stellt Tilo Cramm als langjähriger Vorsitzender des Arbeitskreises fest.

Die akribische Arbeit der Vereinsmitglieder zeigt ein grundsätzliches Problem mit dem Altbergbau auf. Viele Stollen der Klein- und Kleinstzechen im Süden Dortmunds sind für die Zeit vor dem 19. Jahrhundert gar nicht oder nur unzureichend auf Karten verzeichnet – was immer wieder für Überraschungen sorgt, wenn Tagesbrüche auftreten. Viele Stollen werden nun im Nachhinein verfüllt, wie zuletzt im Bereich Rombergpark, im Westfalenpark oder in der Bolmke. Aktuell werden Bergbaurelikte an einem Parkplatz in der Nähe des Stadions verfüllt.

Wo die Dortmunder Kohle früh zu Tage kam

Vor allem im Bereich der Emscher, wie hier zuletzt nahe des Stadions, werden immer wieder alte Bergbaustollen verfüllt. © Stephan Schuetze

Die alten Stollen sind ein Zeichen für die lange Zeit ungeordneten Verhältnisse, mit denen der Bergbau betrieben wurde. Die Landesherren oder der Rat der Stadt regelten zwar die Eigentumsverhältnisse und kassierten den „Bergzehnten“ als Abgabe für den Kohleabbau, kümmerten sich ansonsten aber wenig um die Gruben. 1737 erließ der preußische König Friedrich Wilhelm I. eine neue Bergordnung für die Grafschaft Mark und ließ ein Märkisches Bergamt einrichten. Es stand von 1784 bis 1798 unter der Leitung von Freiherr vom Stein, der den Bergbau in der Region neu ordnete, in dem er unter anderem das Direktionsprinzip einführte.

Wo die Dortmunder Kohle früh zu Tage kam

Im früheren Landesoberbergamt an der Goebenstraße – heute Sitz der Abteilung Bergbau und Energie der Bezirksregierung Arnsberg – dokumentieren viele historische Karten den Bergbau in Dortmund. © Stephan Schuetze

Das Gebiet der Stadt und Grafschaft Dortmund kam mit den wenigen hier aktiven Gruben allerdings erst 1811 unter die Aufsicht des Märkischen Bergamtes, dessen Sitz dann 1815 sogar nach Dortmund verlegt wurde. In diese Zeit fiel mit der Aufstellung der ersten Dampfmaschine im Dortmunder Raum der Tiefbau und damit eine neue Ära des Steinkohlebergbaus.

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