Wo kann ich zum Corona-Test? Dortmunder verwundert über Hotlines

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Für Fragen zum Coronavirus hat das Gesundheitsamt eine Hotline eingerichtet. Die kann jedoch nicht in allen Fragen weiterhelfen - ebenso wenig wie die Hotline der Kassenärzte. Zwei Erlebnisse.

Dortmund

, 06.07.2020, 06:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Mit Fieber und starken Kopfschmerzen ging es los, einen Tag später kamen Halsschmerzen dazu. „Ich habe mich auch ziemlich schlapp gefühlt“, berichtet Student Nathan Niedermeier.

Die Symptome, die der Student am Samstag, 20. Juni, verspürte, passen zu einer Grippe wie auch zu einer einfachen Erkältung - aber eben auch zu einer Infektion mit dem neuartigen Coronavirus. Deshalb wollte der 24-Jährige auf Nummer sicher gehen.

Ärztlicher Notdienst verweist auf Gesundheitsamt

Weil er noch nicht lange in Dortmund wohnt, hat er keinen Hausarzt. Auf der Webseite des Klinikums Dortmund stieß er dann auf die Corona-Hotline des ärztlichen Notdienstes. „Die meinten, ich solle beim Gesundheitsamt anrufen“, erklärt Niedermeier.

Für Fragen rund um das Coronavirus hat die Stadt Dortmund eine Hotline eingerichtet unter 0231 50-13150. Eine hilfreiche Antwort bekam der Student dort allerdings nicht: „Die Frau am Telefon konnte mir nicht sagen, wo genau ich einen Test durchführen lassen kann.“ Stattdessen riet sie ihm seinen Angaben nach, es einfach bei irgend einem Arzt zu probieren.

Student fassungslos über Vorschlag des Gesundheitsamts

Eine zweite Betroffene erlebte am darauffolgenden Mittwoch, 24. Juni, Ähnliches.

So erfuhr Gudrun Siepe (68) zwar, dass mehrere Ärzte in Dortmund Tests auf eine Infektion mit SARS-CoV-2 durchführen würden. Die Mitarbeiterin des Gesundheitsamts nannte ihr - nach Angaben von Siepe - aber nur die Nummer einer Testpraxis. Zusätzlich vergaß die Mitarbeiterin laut Siepe einen Hinweis:

Auf der Webseite des Gesundheitsamts sind im Bereich der häufig gestellten Fragen vier Ärzte gelistet, die Corona-Abstriche durchführen. Darunter steht jedoch gefettet eine Einschränkung: nämlich dass der reguläre Hausarzt den Besuch seines Patienten in der Testpraxis anmelden muss.

Mitarbeiterin vergisst wichtigen Hinweis

In der vom Gesundheitsamt genannten Testpraxis erreichte die 68-Jährige am Mittwoch niemanden mehr. Deshalb rief sie von sich aus ihren Hausarzt an - der ihr die Nummern zu drei weiteren Testpraxen nennen konnte.

In einer erreichte Siepe jemanden - um zu erfahren, dass ihr Hausarzt sie per Fax erst anmelden müsse. Bei diesem hatte die Testpraxis aber wohl eine alte Faxnummer hinterlegt, was den Vorgang weiter verzögerte.

Unterm Strich vergingen vom Anruf bei der Corona-Hotline bis zur Durchführung des Abstrichs am Ende fast 24 Stunden.

Arztsuche wird zum Spießrutenlauf

Es verwundert, dass Mitarbeiter des Gesundheitsamts - den erschöpfenden Angaben auf der eigenen Webseite zum Trotz - Betroffene am Telefon offenbar nicht ausreichend informieren konnten, wo sie sich mit Symptomen auf eine Infektion mit SARS-CoV-2 testen lassen können. Auch dafür wurde die Corona-Hotline schließlich eingerichtet.

Auf Nachfrage gab Pressesprecher Maximilian Löchter an, dass die Stadt nicht nachvollziehen und beurteilen könne, ob die entsprechenden Mitarbeiterinnen Niedermeier und Riepe tatsächlich keine oder nur unzureichende Auskünfte auf ihre Fragen nach einer geeigneten Corona-Teststelle gegeben hätten.

Für Fragen zu den Testungen sei allerdings die Kassenärztliche Vereinigung zuständig - und nicht die Stadt Dortmund. Die Pressesprecherin der Kassenärztlichen Vereinigung Westfalen-Lippe erinnert wiederum an das eigentlich vorgesehene Prozedere: „Betroffene rufen bei Symptomen am besten einfach ihren Hausarzt an.“

Tipp von Expertin: Zuerst Hausarzt anrufen

In diesem Fall sei das Vorgehen nämlich tatsächlich nicht anders als bei einer Grippe. Außerdem könnten die meisten Hausärzte inzwischen selbst einen Abstrich durchführen.

Wer Probleme bei der Terminsuche habe, könne sich unter der Telefonnummer 116117 beraten lassen. Für Nathan Niedermeier gab es derweil schon eine gute Nachricht: Sein Befund ist negativ.

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