Wohnungsbau: Dortmund kann noch 20 Millionen Euro verteilen - aber keiner will sie haben

hzGeförderter Wohnungsbau

39 Millionen Euro stehen in Dortmund pro Jahr für sozialen Wohnungsbau zur Verfügung. Doch ein Großteil der Landesmittel droht zu verfallen. Die Stadt sucht nun dringend nach Investoren.

Dortmund

, 15.08.2019 / Lesedauer: 3 min

Viele Jahre lang war Dortmund vorn dabei, wenn es darum ging, öffentliche Fördermittel für den Wohnungsbau zu nutzen. Oft konnten die Experten im städtischen Wohnungsamt sogar mehr als die üblicherweise zustehenden 30 Millionen Euro im Jahr vermitteln. Dortmund nutzte dann Mittel, die von anderen Städten nicht abgerufen wurden.

Bislang nur wenig Förderanträge

In diesem Jahr könnte es umgekehrt sein, obwohl der Bedarf an öffentlich geförderten Wohnungen weiter steigt. Bis zu 39 Millionen Euro stehen der Stadt nach einer im November 2018 geschlossenen Vereinbarung mit dem Land pro Jahr an Wohnbaufördermitteln zur Verfügung. Doch die Nachfrage ist aktuell mau.

„Nach aktuellem Stand der Förderanträge könnten lediglich rund 19 Millionen Euro bewilligt werden“, berichtet Wohnungsamtsleiter Thomas Böhm. Das würde bedeuten, dass bis zu 20 Millionen Euro für dringend nötigen geförderten Wohnraum in 2019 verloren gehen. Denn die Fördersumme ist nicht ins nächste Jahr übertragbar.

Verbesserte Förderbedingungen

Eine mögliche Erklärung: Womöglich haben sich die verbesserten Rahmenbedigungen für den öffentlich geförderten Wohnungsbau, die für Dortmund seit dem 1. Juni gelten, noch nicht herumgesprochen.

Denn seitdem ist Dortmund vom Land bei der Wohnraumförderung der sogenannten „Mietenstufe 4“ zugeordnet. Das bedeutet, dass auf die für zehn Jahre zinsfreien Wohnungsbaudarlehen ein Tilgungsnachlass von 25 Prozent statt zuvor 15 Prozent gewährt wird. Die mögliche Netto-Kaltmiete wurde um 50 Cent auf 6,20 Euro pro Quadratmeter Wohnraum erhöht.

Bremse bei den Baukosten nötig

Politik, Verwaltung und Verbände haben für diese Regelung lange gekämpft. „Die Zahl der Haushalte in Dortmund wird weiter wachsen. Deshalb brauchen wird dringend geförderten und bezahlbaren Wohnraum“, sagt Böhm. Umso enttäuschter sind die Experten nun, dass die neuen Instrumente noch nicht wirken.

Ein naheliegender Grund sind dafür die Kapazitätsengpässe und die steigenden Baupreise, die den Bau neuer Wohnungen deutlich vertreuern. „Was wir dringend brauchen, ist eine Bremse beim Anstieg der Baukosten“, stellt Böhm fest. Er hofft trotz allem aber noch auf kurzentschlossene Investoren. Noch bleibt etwas Zeit: „Der Bewilligungsschluss für Fördermittel im Jahr 2019 ist der 30. November“, erklärt der Wohnungsamts-Leiter.

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Die Stadt Dortmund habe ihre Hausaufgaben gemacht, ist Böhm überzeugt. So gebe es, anders als in vielen anderen Großstädten, hier keinen Mangel an Bauland. Für knapp 140 Hektar bestehe Plan- und Baurecht. 9600 Wohnungen könnten kurzfristig realisiert werden, die Hälfte davon sogar sofort. Zudem bemühe man sich, die Genehmigungsverfahren zu vereinfachen und die Wohnungsbau-Aktivitäten in Zusammenarbeit mit der Wohnungswirtschaft besser zu koordinieren.

Beim Mieterverein will man die Stadt aber beim Wohnungsbau noch mehr in die Pflicht nehmen. „Das Wohnungsamt ist sehr bemüht, die Fördermittel unter die Leute zu bringen“, sagt Tobias Scholz vom Mieterverein. Er fordert allerdings mehr Anstrengungn der Stadt beim Wohnungsbau selbst, etwa über die Stadtentwicklungsgesellschaft oder die Stadttochter Dogewo.

Fördersummen in den vergangenen Jahren

Mehr als 2700 Wohnungen gefördert

  • In den vergangenen Jahren wurde die öffentliche Wohnungsbauförderung in Dortmund intensiv genutzt. Zwischen 2015 und 2018 konnten mit einem Volumen von rund 167 Millionen Euro 2701 Mietwohnungen gefördeert werden - 1112 im Neubau, 1589 im Bereich Modernisierung.
  • Im Jahr 2017 wurde die Rekordsumme von 51,1 Millionen Euro an Wohnungsbaufördermitteln abgerufen. 2018 waren es rund 29 Millionen Euro.
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