Dortmund bewaffnet sich: Zahl der Waffenscheine in fünf Jahren verdoppelt

hz„Trügerische Sicherheit“

Weil ein Bürgermeister aus Nordrhein-Westfalen einen Waffenschein beantragt hat, ist eine Diskussion um dieses Thema entbrannt. In Dortmund ist die Zahl der Anträge drastisch gestiegen.

Dortmund

, 14.01.2020, 11:45 Uhr / Lesedauer: 2 min

Hatte die Polizei im Jahr 2015 noch 2965 Kleine Waffenscheine in Dortmund verzeichnet, waren es nach der aktuellsten Statistik im Jahr 2018 schon 5330. Radio 91.2 berichtete, dass es inzwischen mehr als 6000 Exemplare in der Stadt gebe.

Kleine Waffenscheine erlauben das Führen von Schreckschuss-, Gas- oder Signalwaffen. Die Polizei schreibt im Internet: „Das Mitführen einer solchen Waffe bringt erhebliche Gefahren mit sich.“ Träger seien sich dessen oft nicht bewusst.

Auch Polizeisprecherin Cornelia Weigandt betont: „Der Besitz einer Waffe kann eine sehr trügerische Sicherheit bieten.“ In der Handhabung müsse man sehr sicher sein, auch wer einen Baseballschläger im Haus habe, müsse mit ihm gut umgehen können.

Andernfalls bestehe die Gefahr, dass ein Angreifer dem Besitzer die Waffe abnimmt und gegen ihn verwendet. Weil Schreckschusswaffen täuschend echt aussehen, könnten sie außerdem unkontrollierte Handlungen von Außenstehenden hervorrufen.

Gerade erst sind in der Silvesternacht gleich drei Dortmunder festgenommen worden, weil sie mit Schreckschusspistolen herumgeballert haben. Einer von ihnen zielte sogar auf Polizisten. Hätten die Beamten nicht so besonnen reagiert, hätten sie wohl auch mit ihren echten Dienstwaffen auf den Mann feuern können.

Zum Thema Pfefferspray sagt Cornelia Weigandt: „Unsere Kollegen nutzen auch in ihrer dienstlichen Karriere ihr Pfefferspray nicht allzu häufig.“ Sie bezweifelt, dass viele Bürger in einer bedrohlichen Situation die Ruhe bewahren und etwa darauf achten, aus welcher Richtung der Wind weht. Bei Gegenwind kann Pfefferspray den Träger selbst verletzen.

Rund 80 Anträge wurden zuletzt abgelehnt

Bei Beantragung des Kleinen Waffenscheins werden Zuverlässigkeit und persönliche Eignung des Antragstellers überprüft. Rund 80 Dortmundern wurde der Schein übrigens zuletzt verwehrt. „Zu den Ablehnungsgründen gehören strafrechtliche Verurteilungen oder Betäubungsmittel-Missbrauch“, erklärt Weigandt.

Die Polizei empfiehlt für Notsituationen eher einen sogenannten Schrillalarm. Durch den lauten Ton könne man weiträumig auf sich aufmerksam machen und Angreifer in die Flucht schlagen. Für eine persönliche Beratung ist das Kommissariat Kriminalprävention erreichbar über die Zentrale des Polizeipräsidiums unter Tel. (0231) 13 20.

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