Zeitzeugen gesucht: Wie war das damals, als Frau eines Kokers?

hzKokerei Hansa

„Schwarzer Nebel, Weißer Rauch“: So heißt die Ausstellung, die im Herbst auf Kokerei Hansa in Huckarde zu sehen sein wird. Und dafür werden jetzt ehemalige Koker und deren Ehefrauen gesucht.

von Verena Halten

Huckarde

, 19.07.2019 / Lesedauer: 3 min

Männer mit von Ruß geschwärzten Gesichtern, die zwischen Koks und Kohle arbeiten - das kommt wohl den meisten zuerst in den Sinn, wenn sie an die Geschichte der Kokerei Hansa denken. Aber: „Was ist eigentlich mit den Frauen?“, fragte sich Künstler Michael Dörner. Dieser Frage möchte er für seine Ausstellung „Schwarzer Nebel, Weißer Rauch“ auf den Grund gehen - und sucht Zeitzeugen.

Was haben die Frauen von der Zeit ihres Mannes als Koker zu erzählen? Und wie spielte sich das Leben für sie damals ab - allein zu Hause, zu Besuch in der Kokerei oder gemeinsam nach Feierabend? Um diese Fragen geht es... unter anderem. Er sei offen für die Geschichten der Frauen, die er bei einem Interview aufzeichnen wird, so Dörner.

Künstlerisches Talent hat Generationen übersprungen

Michael Dörners Projekt ist Teil einer Gruppenausstellung vom 8. September bis zum 27. Oktober auf der Kokerei Hansa. Dabei werden Werke von insgesamt neun Künstlern zu sehen sein. Sieben Studenten der Hochschule für Künste im Sozialen (HKS) Ottersberg und ihre Professoren Jochen Stenschke und Michael Dörner setzen sich mit der Kokerei und ihrer Geschichte auseinander.

Zeitzeugen gesucht: Wie war das damals, als Frau eines Kokers?

Der Künstler Michael Dörner sucht Zeitzeugen für zwei Installationen. © Gunnar Wolf

Seine „Kunstgeschichte“ begann früh, erzählt Michael Dörner (60). Schon in der Schule malte und zeichnete er viel und gerne. Sein Urgroßvater war Bildhauer. Obwohl er ihn nie persönlich kennenlernte, waren es seine „Relikte“, die Dörner auf den künstlerischen Weg brachten. Und damit hat das künstlerische Interesse und Talent Generationen übersprungen: Seine Eltern seien nicht künstlerisch tätig gewesen, so Dörner, sein Großvater habe nur hin und wieder gemalt.

Michael Dörner stellt zum ersten Mal in einer Kokerei aus

Michael Dörner studierte bei Künstlern wie Franz Erhard Walther, Stanley Brouwn und Lawrence Weiner. Bei Ausstellungen und künstlerischen Lehraufträgen versuchte sich der „konzeptuelle Künstler“, wie er sich selbst nennt, an vielen künstlerischen Bereichen.

Für die Ausstellung „Schwarzer Nebel, Weißer Rauch“ hat es ihn erstmals in eine Kokerei verschlagen. Initiiert wurde die Ausstellung von seinem Kollegen Jochen Stenschke, verrät Dörner. Michael Dörner war der Ausstellungsort aber mehr als recht. „Ich erfinde mich im Prinzip immer wieder selbst neu“, sagt er.

Was haben die Koker-Frauen zu erzählen?

Das Industriedenkmal und seine Geschichte haben ihn sehr „beeindruckt“ und „inspiriert“. Für die Ausstellung plant Michael Dörner zwei Installationen, die sich auf die geschichtlich, zeitlich und ortsspezifisch sichtbaren und unsichtbaren Elemente der Kokerei beziehen. Beide Installationen werden in der Waschkaue angesiedelt. Eine wird sich mit dem Verhältnis der Frauen zu ihren in der Kokerei arbeitenden Männern auseinandersetzen.

Diese wird zum einen aus den Kleiderkörben bestehen, die hoch oben an der Decke hängen und mit Hochzeitskleidern befüllt werden. Es können - mit ihrem Einverständnis - auch die Kleider der interviewten Frauen sein. Am Ende der Körbe, an der zugehörigen Kette, wird man dann den Erzählungen der Frauen in Form von Audioaufnahmen lauschen können.

Nach getaner Arbeit: Männergespräche unter der Dusche

Nebenan, in den Duschräumen, wird sich Dörner hingegen den Männern widmen. Von denen möchte er wissen: Worüber wurde hier nach Feierabend gesprochen? Die Sprüche oder Kommentare, die in der Dusche gefallen sind, will Dörner sammeln und auf Handtücher drucken lassen. Daher können diese Sätze auch schriftlich an die Stiftung Industriedenkmalpflege gesendet werden, die erst einmal alle Einsendungen sammelt und dann an den Künstler weiterleitet.

Doch was erhofft sich Michael Dörner von den Installationen, die etwas Erzählerisches und Poetisches haben sollen? Ganz einfach: Er möchte ein Stück laute Vergangenheit zurück in die heute so stille Waschkaue bringen.

Ausstellung Kokerei Hansa
So können Sie mitmachen - und: neue Mediaguides auf Hansa

  • Interessierte Zeitzeugen können sich bei der Stiftung Industriedenkmalpflege und Geschichtskultur unter Tel. (0231) 93 11 22 33 melden.
  • Es ist nicht relevant, in welchem Bereich der Kokerei die Männer gearbeitet haben. Alle aufgenommenen Gespräche oder eingesendeten Kommentare bleiben anonym.
  • Die Interviews können an jedem beliebigen ruhigen Ort aufgenommen werden. Michael Dörner kommt auch zu den Interviewpartnern nach Hause, wenn dies gewünscht ist.
  • Michael Dörner, geboren 1959 in Wiesloch, lebt und arbeitet in Nartum. Seit 2008 begleitet eine Professur für Freie Bildende Kunst an der HKS Ottersberg seine freie künstlerische Arbeit. Weitere Informationen zum Künstler gibt es auf seiner Homepage.
  • Seit Kurzem gibt es neue Mediaguides auf Kokerei Hansa, Emscherallee 11. Die sind, bei freiem Eintritt, gegen ein Pfand und eine Leihgebühr von 5 Euro im Infopunkt erhältlich.
  • Die Mediaguides enthalten nicht nur gesprochene Informationen zur Geschichte der Kokerei, sondern auch historische Bilder, originale Filmsequenzen und O-Töne von Altkokern.
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