Zukunft des Kaufhof-Hauses: Was Stadt und Miteigentümer planen

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Kaufhof am Westenhellweg schließt im Oktober die Türen. Und dann? Die Stadt und die Signa-Gruppe, zu der Kaufhof gehört, basteln an einem neuen Konzept.

Dortmund

, 25.09.2020, 06:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Auch wenn die Zukunft der Kaufhof-Immobilie noch unscharf ist - auf eines haben sich die Stadt und die Signa-Gruppe, zu der Kaufhof gehört, verständigt: „Die Immobilie soll ein Handelsstandort bleiben“, sagte OB Ullrich Sierau am Donnerstag (24.9.) im Rahmen eines Pressegesprächs im Rathaus. Bislang gebe es „aber noch keine abschließende Vorstellung dazu“.

Zunächst einmal muss das Gebäude in Teilen erneuert werden. Es stammt aus den 60er Jahren, die technischen Anlagen (Lüftung, Heizung, Rolltreppen) sind hoffnungslos veraltet. Signa selbst wolle die „Neuentwicklung mit Nachdruck betreiben“, unterstrich Sierau. Wohin die Reise führt, könnte sich spätestens am 4. Dezember herauskristallisieren: Dann wird ein Vertreter von Signa als Gast der City-Runde erwartet.

Eine Chance für Kaufhof-Beschäftigte?

Die Stadtspitzen und Signa wollen gemeinsam ein Konzept für eine tragbare Nachfolgenutzung der Kaufhof-Immobilie entwerfen – und eine Machbarkeitsstudie in Auftrag geben. In diesen Prozess sollen möglichst viele Akteure einbezogen werden: Nicht nur Immobilienexperten, sondern auch Mitglieder aus dem City-Ring, der Gewerkschaft Verdi und aus den Reihen der Noch-Kaufhof-Beschäftigten. Für die könnten sich optimalerweise sogar neue berufliche Perspektiven eröffnen, wie Sierau andeutete.

Nachdenkliche Gesichter: Monika Schulz (Karstadt Sports), Thomas Westphal und Martina Regens (Kaufhof).

Nachdenkliche Gesichter: Monika Schulz (Karstadt Sports), Thomas Westphal und Martina Regens (Kaufhof). © Gregor Beushausen

Was allerdings den zarten Widerspruch von Kaufhof-Betriebsrätin Martina Regens hervorrief: „Im Moment sehe ich noch nicht, wie die Kolleginnen und Kollegen bei Start-ups eingebunden werden sollen“, sagte Regens. „Wir haben einen hohen Anteil an älteren Beschäftigten, die auf der Strecke bleiben könnten.“ Gut die Hälfte der rund 80 Kaufhof-Mitarbeiter wechselt in die Transfergesellschaft. „Eine Handvoll“ (Regens) habe eine neue Stelle gefunden, der Rest gehe in die Arbeitslosigkeit.

Künstler könnten Gebäude beleben

So blieb vorerst offen, ob und welche Chancen sich für die Kaufhof-Belegschaft wirklich bieten. Die Stadtspitzen jedenfalls wünschen ein „innovatives Konzept, von dem die City insgesamt profitiert“, wie Sierau betonte. Und weil die Stadt und Signa einen längeren Leerstand vermeiden wollen, wird nach der Kaufhof-Schließung Ende Oktober bis zu einer endgültigen Lösung über Zwischennutzungen diskutiert.

Ulf Wollrath (IHK) glaubt nicht, dass alle Geschosse wieder mit Handel belegt werden.

Ulf Wollrath (IHK) glaubt nicht, dass alle Geschosse wieder mit Handel belegt werden. © Gregor Beushausen

Die Ideenpalette reicht von kulturellen Angeboten (Theater, Musik, Ausstellungen) bis zu Dienstleistungen. An den endgültigen Plänen wird noch gefeilt: Gut möglich, dass unter anderem junge Gründer mit neuen Handelsformaten zum Zuge kommen – oder die Immobilie zu einem „Digitalkaufhaus“ entwickelt wird, wie Sierau andeutete. „Dass es über alle Geschosse hinweg zu einer Handelsnutzung kommt, glaube ich nicht“, merkte IHK-Vertreter Ulf Wollrath an. Der Handel in Dortmund sei stark. „Aber seine Magnetfunktion lässt nach“, sagte der IHK-Handelsexperte und plädierte ebenfalls für „neue Formate“.

Saturn soll weiterentwickelt werden

Der Gebäudekomplex, der auch Saturn beherbergt, soll wieder „ein Frequenzbringer“ auch für die Nachbargeschäfte werden. Mehrfach fiel der Begriff „Schlüsselimmobilie“. Auch Saturn solle an dem Standort „künftig eine Rolle spielen“ und möglichst weiterentwickelt werden, deutete Sierau an. Die Frage sei, wie das „räumlich organisiert wird“, merkte der OB an – was als Hinweis verstanden werden kann, dass Saturn aufgrund der komplizierten baulichen Gegebenheiten ins Kaufhof-Geschäft wechseln könnte.

„Wir erleben einen Strukturwandel der Handelszonen“, griff Wirtschaftsförderer Thomas Westphal die bundesweit aktuelle Diskussion über die Innenstädte der Zukunft auf. Inhabergeführte Geschäfte hätten nur eine Überlebenschance, wenn die Mieten in den Erdgeschossen sänken, betonte Westphal – und bekam Unterstützung von Markus Kaluza vom Handelsverband Westfalen. „Wir brauchen ein Entgegenkommen bei den Mieten.“

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