Zwei „Bandidos“ vor Gericht: Auch bekannte Fälle spielen eine Rolle

hzRocker-Prozess

Zwei Dortmunder Rocker des „Bandidos MC“ müssen sich seit Dienstag vor dem Hagener Landgericht verantworten. Für einen beginnt der Prozess mit einer bösen Überraschung.

Dortmund, Schwerte

, 07.10.2020, 08:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Die Staatsanwaltschaft wirft zwei 28-Jährigen Mitgliedern des „Bandidos MC“ aus Wellinghofen und Huckarde verschiedene Verstöße gegen das Waffengesetz vor. Vor allem der Rocker aus dem Dortmunder Süden soll für mehrere andere Rocker-Kollegen als Zwischenhändler gedient und diesen auch angeboten haben, die Waffen für sie zwischenzulagern.

Übergeben wurden die Pistolen laut Anklageschrift regelmäßig auf dem Parkplatz eines Fitness-Studios in der Dortmunder Nordstadt. In einem Fall sollen die Rocker aber auch nach Schwerte gefahren sein, um, auf einem Parkplatz in Geisecke ungestört ihre Taschen mit dem brisanten Inhalt übergeben zu können.

Zwei Verbrechen im Fokus

Neben den mutmaßlichen Waffendelikten wird der Hagener Prozess auch Schlaglichter auf zwei schwere Verbrechen werfen, die in den vergangenen Jahren in Dortmund und Herne für Schlagzeilen gesorgt haben.

Im September 2018 wurde ein Mitglied des berüchtigten Miri-Clans von zwei Dortmunder Bandidos im Brückstraßen-Viertel niedergestochen und schwer verletzt.

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Als es daraufhin vor dem Klinikum Nord zu einem wahren Auflauf von Clan-Mitgliedern kam, hatte ein Rocker des Dortmunder Bandidos-Chapters Schwierigkeiten, sein dort geparktes Motorrad abzuholen. Das soll schließlich von einem der jetzt angeklagten Männer erledigt worden sein.

Schon einen Monat zuvor hatte es in Herne einen brutalen Angriff mehrerer Bandidos auf drei Mitglieder eines anderen Rocker-Clubs gegeben, die sich offenbar verfahren hatten. Alle drei Opfer wurden krankenhausreif geschlagen. Ein Mann erlitt bei seinem Sturz aufs Pflaster sogar so schwere Kopfverletzungen, dass er ins Koma fiel. Er soll inzwischen sogar verstorben sein.

Für diesen Rocker-Prozess musste das Hagener Landgericht keinen großen Saal bereithalten.

Für diesen Rocker-Prozess musste das Hagener Landgericht keinen großen Saal bereithalten. © Martin von Braunschweig

Handy im Hafen versenkt?

Die Angreifer nahmen den verfeindeten Rockern damals die Kutten ab, um sie besonders zu demütigen. Weil sich in einer dieser Kutten ein Mobiltelefon befand, soll einer der jetzt angeklagten Dortmunder beauftragt worden sein, das Gerät zu entsorgen. Laut Staatsanwaltschaft warf er das Telefon ins Hafenbecken.

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Nach der vorläufigen Festnahme der beiden Rocker hatte das Gericht zunächst Haftbefehle erlassen, die dann aber schnell außer Vollzug gesetzt wurden. Entsprechend kamen die Angeklagten am Dienstag als freie Männer ins Gericht.

Für einen der 28-Jährigen hätte sich dies aber beinahe geändert. Noch vor Beginn der Verhandlung teilten die Richter mit: „Der Haftbefehl wird wieder in Vollzug gesetzt, weil der Angeklagte seinen Meldeauflagen bei der Polizei nicht nachgekommen ist.“

Weil sich das aber später als Missverständnis herausstellte, wurde der Beschluss wieder zurückgenommen.

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