Zwei Pfarrer aus Brackel und Asseln organisieren einen Fahrradgottesdienst beim Kirchentag

hzSerie „Auf ein Eis mit ...“

Mit 400 Radfahrern unterwegs sein - das geht am 22. Juni beim Evangelischen Kirchentag. Zwei Pfarrer aus Brackel und Asseln haben die Aktion organisiert. Und es kam nur eine Route infrage.

Brackel, Asseln

, 09.06.2019, 18:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Tong Rosiepen (66), Pfarrer im Ruhestand der evangelischen Gemeinde Brackel, und Dr. Johannes Ruschke (39), Pfarrer der evangelischen Gemeinde Asseln, haben den großen Fahrradgottesdienst organisiert, der beim Kirchentag am 22. Juni stattfindet. Wir haben mit den beiden ein Eis gegessen.

Hallo Herr Rosiepen, hallo Herr Ruschke, wie kam es zu dieser Zusammenarbeit?

Ja, das ist schon witzig, weil wir uns vorher gar nicht richtig kannten, obwohl wir so nahe beieinander gearbeitet haben. Irgendwann ist Superintendentin Andrea Auras-Reiffen auf uns zugekommen, ob wir das nicht machen können, weil sie weiß, dass wir beiden gerne Fahrrad fahren.

Was ist überhaupt ein Fahrrad-Gottesdienst?

Sie kennen doch die Biker-Gottesdienste, bei denen der Pfarrer mit der Harley vorneweg fährt. In Hamburg gibt es so etwas zum Beispiel. Der Grundgedanke ist, dieses Prinzip auf das Fahrrad zu übertragen.

Beschreiben Sie doch mal, wie das genau ablaufen wird.

Alle, die mitmachen wollen, kommen mit ihren Fahrrädern am 22. Juni um 15 Uhr in den Stadtgarten. Dort gibt es einen kleinen liturgischen Auftakt mit einem Gebet. Die Kirchenglocken ersetzen wir durch die Fahrradklingeln.

Und wie geht‘s dann weiter?

Wir fahren dann rechts rum über den Wall und biegen dann irgendwann Richtung Nordstadt ab. An der Ecke Schützen-/Mallinckrodtstraße steht ein Ghost-Bike, weil dort jemand ums Leben gekommen ist. Dort wird die Musikerin Karin Hatzel für die passende musikalische Untermalung sorgen. Von dort geht‘s zum Nordmarkt, wo wir die erste Station haben. Dort wird es auch wieder Gebete geben. Dann wollen wir schweigend weiterfahren und haben auf dem Parkplatz des Berufskollegs an der Geschwister-Scholl-Straße die zweite Station mit Gebeten und Liedern. Auch Delegationen vom Posaunenchor Brackel und einem weiteren Posaunenchor aus Grundschöttel/Oberwengern machen mit. Von dort aus fahren wir über den Wall zurück zum Stadtgarten, wo es Fürbitten und den Segen gibt. Eineinhalb Stunden soll die ganze Tour dauern.

Man muss aber ein eigenes Fahrrad besitzen, um mitmachen zu können, oder?

Nach Möglichkeit ja. Allerdings stellt die Firma Nextbike auch 50 Leihräder kostenlos zur Verfügung.

Das scheint ja eine größere Veranstaltung zu werden ...

Wir wissen absolut nicht, wie viele Menschen da mitmachen werden. Aber 400 bis 450 Radler könnten es schon werden.

Das wird auch für Verkehrsbehinderungen sorgen, oder?

Ja, der Verkehrsfluss wird wohl etwas langsamer sein. Aber mehr als ein paar Minuten braucht ein solcher Fahrradpulk auch nicht, um durch zu sein. Wir bekommen jede Menge Unterstützung von der Polizei und auch von den Organisatoren der Critical-Mass-Fahrradtouren. Die werden zum Beispiel dafür sorgen, dass der Pulk zusammenbleibt. Auch die Johanniter, die Stadt und die Fahrradwerkstatt VeloKitchen machen mit.

Sie hätten sich auch eine schönere und sicherere Route in Dortmund aussuchen können als durch die Nordstadt.

Wollten wir aber nicht. Wir haben irgendwann mal den Phoenix-See in Erwägung gezogen. Aber wir wollen mit dieser Aktion ja auch ein politisches Statement abgeben: Seht her, so unschön und bedrückend kann das Radfahren in einer Stadt wie Dortmund sein. Wir denken, das passt in die gesellschaftliche Stimmung und trifft den Nerv der Zeit. Wir hoffen auf viele Teilnehmer und denken, dass es ein niederschwelliges Angebot ist, bei dem man einfach spontan und kostenlos mitmachen kann. Das gilt auch für Menschen, die mit der Kirche gar nichts am Hut haben.

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