„Zweiter Phoenix-See“ im Westen? So groß könnte er werden – Anwohner sind in Sorge

hzJungferntal

Im Jungferntal könnte ein neuer See entstehen. Es gab nun einen Planungs-Workshop von Projektentwicklern und Anwohnern - obwohl in der Nachbarschaft noch Skepsis herrscht.

von Alexandra Wachelau

Jungferntal-Rahm

, 14.10.2019, 11:51 Uhr / Lesedauer: 2 min

Die Nachricht, dass im Norden des Jungferntals ein See entstehen könnte, hat bei den Anwohnern vor Ort viele Reaktionen hervorgerufen. Manche befürchten, bald einen „zweiten Phoenix-See“ vor der Haustür zu haben – schön anzusehen, aber mit hohem Menschenandrang.

Dabei soll der See vor allem dem Viertel helfen, in Zukunft besser mit dem Klimawandel und den heißen Sommern zurechtzukommen – so die Idee der Projekte „iResilience“ und „nordwärts“.

Jetzt lesen

Alina Geuer (24) ist eine der Anwohnerinnen im Jungferntal. Zusammen mit ihrem Sohn Marlon (6) lebt sie im Haus gegenüber dem Feld, auf dem der „Mühlenbachsee“ in ein paar Jahren entstehen könnte.

„Ich bin etwas skeptisch“, sagt sie. Zwar könne es bestimmt schön sein, direkt an einem See zu wohnen. Sie kann sich allerdings auch gut vorstellen, dass dadurch Probleme entstehen:

„Wenn es ein Badesee wird, könnten wir ein Müllproblem bekommen. Außerdem ist die Parkplatzsituation jetzt schon schwierig und nicht für viele Badegäste ausgelegt“, sagt Geuer.

„Zweiter Phoenix-See“ im Westen? So groß könnte er werden – Anwohner sind in Sorge

Eine Karte des Geländes, auf dem der See entstehen könnte. Die blauen Linien kennzeichnen den Verlauf des potenziellen Sees. © ALKIS Stadt Dortmund

Sie wohnt schon seit fast vier Jahren im Jungferntal und schätzt vor allem die Ruhe, die im Wohnviertel herrscht. Auch damit könnte es mit einem See vielleicht vorbei sein:

„Manchmal feiern Jugendliche vor dem Haus Partys. Das stört, aber das sind ja nur wenige“, sagt sie. Ein Badesee könnte dagegen ein Magnet für viele laute Gäste sein, befürchtet Geuer.

Mitgliedschaft für den See?

Sie ist damit nicht alleine. Stefan Haverkamp ist ein Nachbar von Alina Geuer. Er sieht von seinem Frühstückstisch aus jeden Tag das Feld, auf dem der See entstehen könnte.

Er ist von der Idee eigentlich begeistert – allerdings seien klare Regeln für die Nutzung zu schaffen. „Ich habe bereits mit weiteren Anwohnern gesprochen: Wenn wir eine Mitgliedschaft einrichten, bei der Gebühren erhoben werden, dann hätte wahrscheinlich niemand was gegen einen Badesee“, sagt er.

„Zweiter Phoenix-See“ im Westen? So groß könnte er werden – Anwohner sind in Sorge

Stefan Haverkamp wohnt seit rund drei Jahren im Jungferntal. Er ist als direkter Anwohner von der Idee des Sees nicht abgeneigt, nur sollten zur Müll- und Lärmvermeidung klare Maßnahmen geschaffen werden, findet er. © Alexandra Wachelau

Neben dem Acker, auf dem der See entstehen könnte, liegt das Naturschutzgebiet Mastbruch. Dort gibt es bereits einen kleinen, naturbelassenen Ententeich: den Mastbruchteich.

Anwohnerin Melanie Quante würde sich einen ähnlichen See für die Natur wünschen. Sie war schon häufiger am Horstmarer See in Lünen, wo sie auch bei der freiwilligen Feuerwehr arbeitete.

„Als der See nach der Landesgartenschau in einen Badesee verwandelt wurde, sind wir mit dem Feuerwehrwagen kaum durchgekommen, es war alles zugeparkt“, sagt sie.

Auch mit ihrem Hund konnte sie nicht mehr gut an den See gehen: „Es war oft alles voller Grillkohle, Glasscherben, liegengelassenem Grillfleisch und anderem Müll“, sagt sie. Ein Naturbiotop wie der Mastbruchteich wäre ihre bevorzugte Lösung.

Noch ist alles offen

Im August haben die Anwohner bereits Flyer erhalten, auf dem die Idee des Sees angekündigt wurde. Das habe die Gerüchteküche angeheizt. Dabei ist „wirklich alles offen“, wie Anna-Katharina Poppe von „nordwärts“ betont.

„Wir befinden uns gerade in der allerersten Phase, im Beteiligungsprozess“, sagt sie. „Wir haben mit dem Projekt von iResilience keine Vorgaben, es ist noch alles möglich. Wir gehen auf alle Vorschläge der Anwohner ein.“

„Zweiter Phoenix-See“ im Westen? So groß könnte er werden – Anwohner sind in Sorge

Das Feld, auf dem der See entstehen soll, liegt direkt neben einer Wohnsiedlung. © Alexandra Wachelau

Dr. Christian Falk, Technischer Leiter der Stadtentwässerung Dortmund, war an der Entstehung des Phönix-Sees beteiligt - und schätzt, dass auf dem Gelände im Jungferntal ein See in einer Größe von bis zu zwanzig Hektar möglich wäre. Der Phönix-See ist rund 26 Hektar groß. „Allerdings sind wir noch lange nicht in der Planungsphase“. Realistisch betrachtet könne es noch zehn bis 20 Jahre dauern, bis tatsächlich Besucher etwas von diesem kühlen Nass haben könnten.

Ob und in welcher Form der See überhaupt kommt, wird sich in zwei Jahren zeigen, wenn das Forschungsprojekt „iResilience“ die gesammelten Ideen auswertet.

Arbeitsgruppe zum See

  • Am 30. Oktober (Mittwoch) startet um 17 Uhr eine Arbeitsgruppe, in der weitere Ideen und Vorschläge gesammelt werden sollen.
  • Treffpunkt sind die Pavillions auf dem Schulhof der Jungferntal-Grundschule, Jungferntalstraße 60-64.
  • Anwohner aus Jungferntal, aber auch Westerfilde sind eingeladen.
Lesen Sie jetzt
Lesen Sie jetzt