Zwischen Autositzen und Cabrioverdecken - Daniel (20) wird Fahrzeug-Sattler in Dortmund

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Ein Sattler stellt mittlerweile weit mehr als nur Pferdesättel her. Daniel Cuervo erzählt von seiner Ausbildung in Dortmund und warum der Beruf für ihn so spannend ist.

von Fynn Hagedorn

Dortmund

, 22.08.2019, 04:30 Uhr / Lesedauer: 3 min

„Ehrlich gesagt habe ich auch zuerst an Pferde gedacht“, sagt Daniel Cuervo und grinst. Der 20-Jährige macht eine Ausbildung zum Sattler bei Rose Fahrzeugbau in Dortmund. Mit Sätteln hat er dabei aber wenig zu tun. Er will nämlich Fahrzeugsattler werden.

„Ich habe mich schon immer für Autos und das Design dahinter interessiert“, erzählt Daniel. Nach einem Praktikum in der Sattlerei war sein Berufswunsch dann klar. „Wir machen manchmal sogar Möbel, vor allem Stühle“, erklärt Daniel und zeigt dabei auf einige Exemplare in der Werkstatt. „Die sind alle von Azubis.“

Viele dieser besonderen Sitzgelegenheiten haben eingestickte Muster und sind mit hochwertigem Leder bezogen. Daniel ist in seinem zweiten Lehrjahr, zum Zeitpunkt unseres Gespräches kurz vor der Gesellenprüfung.

Weil er Abitur hat, konnte er seine Ausbildung von drei auf zwei Jahre verkürzen. Dabei stand er vor der ein oder anderen Herausforderung. „Das Schwierigste war, mein eigenes Lenkrad zu beziehen. Das war wirklich viel Handarbeit“, erzählt er. Bei Rose Fahrzeugbau bekommen Azubis die Möglichkeit, an ihren eigenen Autos zu üben und sind bei Herstellungsprozessen von Anfang bis Ende eingebunden. „Als Sattler bin ich bei der gesamten Produktentwicklung dabei. Das ist für mich etwas Einzigartiges“, sagt Daniel.

Zur Berufsschule muss er nach Herford bei Bielefeld. Dort gibt es eine der wenigen Sattlerschulen in Deutschland. Im Blockunterricht lernt Daniel hier die Theorie zu verschiedenen Werkstoffen und auch feine Nähtechniken. Die Unterkunft wird dabei in der Regel vom ausbildenden Betrieb finanziert, erzählt er.

Fakten zum Beruf und zur Ausbildung:

Sattler konzentrieren sich im Laufe ihrer Ausbildung auf einen von drei Fachbereichen. In der Regel geschieht das im dritten Lehrjahr. In der Fahrzeugsattlerei dreht sich alles um Kraftfahrzeuge. Ob Autositze, Dachhimmel oder Motorradsitzbänke, all das stellen Fahrzeugsattler her. Oft müssen individuelle Wünsche von Kunden berücksichtig werden.

Bei Rose Fahrzeugbau sind Oldtimer, die wieder eine originalgetreue Sitzbank benötigen, zum Beispiel keine Seltenheit. Natürlich werden aber auch Sitze von ganz normalen Autos neu bezogen, weil sie schlichtweg Schäden aufweisen. Beim Schwerpunkt Reitsport liegt der Fokus auf dem klassischen Pferdesattel. Wählen Auszubildende den Fachbereich Feintäschner, gehören Handtaschen und Portemonnaies später zum Berufsalltag.

Viele Produkte, ob Autolenkrad oder Geldbörse, sind Einzelstücke und erfordern handwerkliches Geschick und einen Blick für das Detail. Das verbindet alle drei Fachbereiche. Bei jeder Arbeit ist Sorgfalt besonders wichtig. Gerades Nähen und Zuschneiden der Werkstoffe ist essenziell für die spätere Kundenzufriedenheit. Weitere Voraussetzung für die Ausbildung ist ein Hauptschulabschluss. Dieser ist zwar rechtlich nicht vorgeschrieben, wird aber von den meisten Betrieben erwartet.

Im ersten Ausbildungsjahr bekommen Azubis bis zu 550 Euro, im zweiten Lehrjahr mit bis zu 590 Euro etwas mehr und im dritten dann bis zu 650 Euro. Anschließend stehen die Chancen gut, direkt in das Berufsleben einsteigen zu können. In Deutschland gibt es kaum Sattlerschulen, entsprechend wenige Sattler gibt es auch. Beim Berufseinstieg liegt das Durchschnittsgehalt bei knapp 2000 Euro im Monat.

Zwischen Autositzen und Cabrioverdecken - Daniel (20) wird Fahrzeug-Sattler in Dortmund

Ein Sattler muss beim Zuschneiden von verschiedenen Materialien stets präzise arbeiten. © Fynn Hagedorn

Das sagt Daniel über seine Berufswahl:

Was gefällt dir an dem Beruf besonders gut?

Daniel: „Ich mag, dass es so abwechslungsreich ist. Viele Artikel, die ich herstelle, sind Einzelstücke. Bei individuellen Wünschen spielt die Liebe zum Detail eine große Rolle. Es wird also eigentlich nie langweilig.“

Und was gefällt dir nicht so gut?

Daniel: „Da muss ich wirklich überlegen. Ich will nicht kitschig klingen, aber bisher gefällt mir einfach alles. Wobei: Ich mag keine Lkw-Planen. Die zu bearbeiten, kann manchmal etwas eintönig werden, aber richtig schlimm ist das auch nicht.“

Wo hättest du in der Schule besser aufpassen sollen?

Daniel: „Definitiv in Mathe, da habe ich echt selten zugehört! Für die Ausbildung reicht es trotzdem noch, da braucht man hier und da ein bisschen Mathe: Messen, Zuschneiden und so weiter. Und in Naturwissenschaften, vor allem in Bio. Aber ich werde ja jetzt zum Glück nicht Biologe, sondern Sattler.“

Infos zu Ausbildungsplätzen:

Bei der Bundesagentur für Arbeit in Dortmund sind aktuell keine freien Ausbildungsplätze zum Fahrzeugsattler gemeldet. Weitere Informationen zur Sattlerausbildung und eine Übersicht über freie Ausbildungsplätze gibt es zum Beispiel unter ausbildung.de oder unter ausbildungsstellen.de.

Das komplette Ausbildungsstellenangebot sowie andere vakante Ausbildungsplätze in Dortmund gibt es in der Jobbörse der Bundesagentur für Arbeit unter jobboerse.arbeitsagentur.de sowie vor Ort im Dortmunder Jugendberufshaus, Steinstraße 39, jugendberufhshaus-dortmund.de.

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