Nagelsmann „glücklich“: Neuer zurück – Bayerns Fallhöhe

Im Pflichtenheft für Bayern-Trainer stehen internationale Erfolge ganz oben. Ein Königsklassen-K.o. gegen mutige Salzburger würde Nagelsmanns Premierenjahr in München nachhaltig belasten.
Kurz vor seinem Comeback hechtet Torwart Manuel Neuer wieder über den Platz. Foto: Tobias Hase/dpa © Tobias Hase/dpa

Manuel Neuer ließ sich auch von den kühlen Spritzern des Rasensprengers nicht von der konzentrierten Vorbereitung auf sein erstaunliches Kaltstart-Comeback im Tor des FC Bayern ablenken.

Mit vollem Einsatz hechtete der Fußball-Nationaltorhüter nach den scharf geschossenen Bällen von Torwarttrainer Toni Tapolovic.

Auch Julian Nagelsmann verfolgte den finalen Härtetest seines Kapitäns beim Abschlusstraining im kühlen München warm eingepackt in Jacke, Wollmütze und Handschuhe ganz genau. Danach gingen bei Neuer und Nagelsmann die Daumen hoch. „Ja, Manu wird spielen können, wenn es über Nacht keine Reaktion im Knie gibt“, verkündete der Coach.

Angesichts der enormen Fallhöhe gegen die forschen Jung-Bullen von RB Salzburg muss Nagelsmann am Dienstag (21.00 Uhr/Amazon Prime Video) im Kampf um den Einzug ins Champions-League-Viertelfinale gewisse Risiken eingehen. Und darum schiebt der 34-Jährige Leitfigur Neuer im bislang wichtigsten Spiel der Saison auf die Startrampe – und das nur vier Wochen nach einem operativen Eingriff am rechten Knie. „Ich bin sehr glücklich, dass Manu wieder spielen kann“, sagte Nagelsmann.

Müller: „Wir haben natürlich den Druck“

Thomas Müller hob die Wirkung hervor, die ein Torwart-Gigant wie Neuer gerade auf Salzburgs Angreifer ausüben kann, womöglich auch auf Nationalelf-Kollege Karim Adeyemi. „Wenn ein Manuel Neuer im Tor steht, haben die Gegner vielleicht ein anderes Mindset“, sagte Müller. Er meinte, frei übersetzt, Muffensausen beim Torschuss.

Allein Neuers Nominierung dokumentiert aber auch die Bedeutung des Königsklassen-Spiels, in dem Nagelsmann mit seinem Starensemble einen Achtelfinal-K.o. unbedingt abwenden muss. Das 1:1 aus dem Hinspiel ist gefährlich – erst in letzter Minute glich Kingsley Coman vor drei Wochen im Salzburger Stadion aus. Und die Auswärtstorregel gilt seit dieser Europapokalsaison nicht mehr. Ein schnödes 0:0 würde nicht ausreichen zum 20. Einzug des Rekordmeisters ins Viertelfinale.

Versagensängste kennen Münchner Allesgewinner wie Neuer, Müller, Robert Lewandowski oder Joshua Kimmich freilich nicht. Das verdeutlichte der 32-jährige Müller in der Pressekonferenz. „Wir haben natürlich den Druck, wir müssen, wir wollen weiterkommen“, sagte er: „Aber ich sehe das eher von der anderen Seite: Wenn wir unser Ziel erreichen und weiterkommen, dann kann die Saison eine extrem gute werden.“

Es geht um viel Geld und den möglichen CL-Titel

Unverwundbar sind die Bayern aber gerade nicht. Hinten sind die offensiv ausgerichteten Münchner anfällig, oft selbst verschuldet. Müller mahnte, „das Risiko-Management anders darzustellen“. Mit Neuer und dem nach seiner Liga-Sperre zurückkehrenden Weltmeister Lucas Hernández soll hinten aber die Null stehen gegen einen Gegner, den Nagelsmann als „gefährlich“ einstuft. Ihm fehlen weiterhin die wegen ihrer Dynamik so wichtigen Leon Goretzka und Alphonso Davies.

Klar ist: Die Bayern-Profis müssen wieder mal unter Druck liefern. „Jetzt zählt jeder Millimeter, jeder Zentimeter, jedes Spiel“, mahnte Vorstandschef Oliver Kahn. Es geht um eine Titeloption und dazu um viel Geld, das die Verantwortlichen für teure Vertragsverlängerungen und Transfers brauchen. Die Champions League ist eine sprudelnde Quelle, weitere 10,6 Millionen Euro brächte der Viertelfinaleinzug.

Gerade auch Nagelsmann spürt vor seinem 36. Pflichtspiel mit den Bayern den Druck. Das 0:5 im DFB-Pokal gegen Borussia Mönchengladbach wurde ihm verziehen. Ein früher K.o. in Europa – noch dazu gegen ein Team aus der Skifahrernation Österreich – wäre kaum entschuldbar. „Ich bin kein Schwarzmaler“, konterte er negative Szenarien. Er weiß aber: Im Pflichtenheft für Bayern-Trainer stehen internationale Erfolge ganz oben. Auch der zehnte Meistertitel am Stück könnte seine Premierensaison nicht schönfärben, wenn es schiefgehen sollte.

Die Salzburger trauen sich auch in der Allianz Arena Großes zu. Nach einem massiven Corona-Ausbruch stehen Trainer Matthias Jaissle inzwischen alle Profis wieder zur Verfügung. Nicolas Seiwald kündigte forsch „volle Attacke“ an. „Wir sind bereit!“, tönte das 20 Jahre alte Mittelfeldtalent.

Bereit sein will auch Nationalstürmer Adeyemi. Der gebürtige Münchner mit einer Vergangenheit in der Jugend des FC Bayern will mit Toren gegen Neuer für eine Sensation sorgen. „Wir sind für Bayern ein Klotz am Bein“, sagte Adeyemi. Ausgeschieden aber sind exakt diese Bayern gegen ein Team aus Österreich noch nie.

Der neue Lokalsport-Newsletter für Haltern

Immer freitags um 18:30 Uhr das Wichtigste aus dem Halterner Lokalsport direkt in Ihr E-Mail-Postfach.

Informationen zur Datenverarbeitung im Rahmen des Newsletters finden Sie hier.