Das Waldgebiet links unten wird gerodet, weil der Sandabbau der Quarzwerke erweitert wird. © www.blossey.eu
Quarzwerke

16 Hektar Wald müssen jetzt dem Silbersee I in Sythen weichen

Die Quarzwerke wollen in Sythen schon bald mit der Rodung von 16 Hektar Wald beginnen. Die Genehmigung für die Erweiterung des Tagesbaus steht indes noch aus. Alles zum aktuellen Sachstand.

Der Rahmenbetriebsplan für die geplante Norderweiterung des Silbersees I in Sythen hat inzwischen fast alle Hürden genommen. Wie die Quarzwerke jetzt auf Anfrage mitteilten, werde die Erweiterung der Tagebaufläche „in den kommenden 30 Jahren die Gewinnung des wichtigen Industrieminerals Quarz sichern und damit auch die Produktion vieler regionalen Glas- und Gießereiindustrien“.

Die Beteiligung der Öffentlichkeit und der Träger öffentlicher Belange sowie die daran anschließende Online-Konsultation im Genehmigungsverfahren seien inzwischen abgeschlossen, erklärte Sprecherin Britta Franzheim. Das zuständige Bergamt, die Bezirksregierung in Arnsberg, kann demnach nun über die Zulassung des Rahmenbetriebsplans für die Tagebauerweiterung entscheiden. Erste vorbereitende Maßnahmen gebe es aber schon in diesem Winter, kündigte die Quarzwerke-Sprecherin an.

Der Silbersee 1: Die orangene Linie zeigt die Grenzen der aktuellen Rahmenbetriebsplanung. Innerhalb der blauen Linie soll künftig zunächst der Nassabbau erfolgen, danach dann auch im magentafarbenen Bereich (Parkplatz Silbersee II). Die rote Linie umfast den Endzustand nach vollständig erfolgtem Sanddabbau. © Stadt Haltern © Stadt Haltern

Das Unternehmen habe einen vorzeitigen Beginn des Vorhabens beantragt. Wie die Bezirksregierung jetzt der Stadt Haltern mitteilte, wurde diesem Wunsch entsprochen. Demnach wird bereits im Dezember mit der Rodung von 16 Hektar Fläche Wald begonnen. Diese Arbeiten sollen bis Ende Februar 2022 dauern. Der Parkplatz neben dem ehemaligen Wasag-Gelände, den Besucher des Silbersees II häufig nutzen, ist von dieser Maßnahme noch nicht betroffen.

„Rodung im Winter ökologisch unbedenklich“

Britta Franzheim erklärt den Hintergrund für das beschleunigte Verfahren: „Aus ökologischen Gründen ist das Fällen und Roden von Bäumen nur in den Wintermonaten sinnvoll“, sagt sie. Es gebe keine brütenden Vögel oder andere Arten, die jetzt gestört werden könnten. Dass nun ein Teil des für die Tagebau-Erweiterung vorgesehenen Waldstücks gerodet wird, sei für das Werk wichtig. Der Erweiterungsbereich könne dann im kommenden Jahr erschlossen werden.

Wenn das Bergamt 2022 – wie von den Quarzwerken erwartet – den kompletten Rahmenbetriebsplan genehmigt, ist ein kleiner Teil des Tagebauvorfeldes bereits vorbereitet. „Die Quarzgewinnung kann dann sofort beginnen“, meinte Franzheim.

„Erstaufforstungen von mehreren zehn Hektar“ seien bereits organisiert worden, beispielsweise auch in den Lippeauen. „Dadurch ist gesichert, dass durch vorzeitige Rodung einer Teilfläche im geplanten Tagebauvorfeld in jedem Fall keine ökologischen Nachteile entstehen können“, hieß es.

Erstaufforstungen als Ersatz an anderer Stelle

Insgesamt sehe der Rahmenbetriebsplan für die Norderweiterung „umfassende ökologische Maßnahmen vor, die den dortigen Verlust von Wald an anderer Stelle sinnvoll und vollständig ausgleichen“, führten die Quarzwerke aus. Neben Ersatzaufforstungen sei auch der „Umbau“ von Waldbereichen vorgesehen, die dadurch weniger anfällig für Auswirkungen des Klimawandels werden.

Silbersee I wird so groß wie rund 350 Fußballfelder

Der Silbersee I, das so genannte „Abbaufeld“ Haltern-Sythen, ist aktuell etwa 131 Hektar groß. In den kommenden 30 Jahren soll er um 87 Hektar auf zunächst 218 Hektar wachsen. Danach ist zudem die Verbindung mit dem nebenliegenden, etwa 32 Hektar großen See auf dem ehemaligen Wasag-Gelände geplant. So entsteht eine insgesamt 250 Hektar große Seenfläche. Sie wird deutlich größer sein als die Hullerner Talsperre (150 Hektar) und entspricht etwa 350 Fußballfeldern.

Vorzeitiger Beginn von Rodungen

  • Es ist nicht unüblich, dass das Bergamt einen vorzeitigen Beginn der Rodungen genehmigt.
  • Zwei Faktoren müssen stimmen: 1. Die Genehmigung des eigentlichen Rahmen- oder Hauptbetriebsplans wird zeitnah erwartet. 2. Es handelt sich um vorbereitende Maßnahmen, also nicht die Rohstoffgewinnung, die nicht mehr rückgängig gemacht werden könnte.
  • Falls die Norderweiterung entgegen den Erwartungen der Quarzwerke nicht genehmigt werden sollte, wird die gerodete Fläche wieder aufgeforstet.
Über die Autorin
Redaktion Haltern
Geboren in Dülmen, Journalistin, seit 1992 im Medienhaus Lensing - von Münster (Münstersche Zeitung) über Dortmund (Mantelredaktion Ruhr Nachrichten) nach Haltern am See. Diplom-Pädagogin und überzeugte Münsterländerin. Begeistert sich für die Menschen und das Geschehen vor Ort.
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Ingrid Wielens

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