Im Extrablatt in Haltern erwartet man durch die 2G+-Regelung weniger Laufkundschaft. © Anne Schiebener
Coronavirus

2G+ in Halterner Restaurants: „Politik nimmt uns als Druckmittel“

Die Gastronomie gehört zu den Branchen, die in der Pandemie am meisten leiden. Wegen Omikron greift jetzt eine 2G+-Regelung. Wie sehen Halterner Gastronomen die Entscheidung?

Der Expertenrat der Bundesregierung drängt darauf, dass Geimpfte und Genesene nur noch in Restaurants dürfen, wenn sie sich auch testen lassen. Nach der Bund-Länder-Konferenz am Freitag (7.1.) ist das nun offiziell. Die sogenannte 2G+-Regel wird bald bundesweit und unabhängig von der lokalen Inzidenz gelten. Ein genaues Datum ist noch nicht bekannt. Ausgenommen von der Testpflicht sind geboosterte Personen ab dem Tag ihrer Auffrischungsimpfung.

2G+ in Restaurants: „Es wird ganz ganz schwierig“

„Besser als ein neuer Lockdown“, sagten die Halterner Gastronomen, als die 2G-Regelung im November 2021 erlassen wurde. Doch wie sieht es jetzt aus? „Jeder Monat, den du nicht hast, kann dir das Genick brechen“, sagt Monika Pfeiffer, Inhaberin des Hotel-Restaurants Pfeiffer‘s Sythener Flora. Aber ganz klar ist für sie, dass durch die verschärfte Regelung etliche Betriebe auf der Strecke bleiben werden. In Haltern seien viele schon geboostert, habe sie den Eindruck. „Das Pfeiffer‘s wird‘s überleben. Aber es wird ganz ganz schwierig.“

Ob Genesene und Geimpfte für den Restaurantbesuch einen Test machen? Viele ihrer Gäste haben ihr im Vorhinein gesagt, dass sie das vorhaben. „Wenn sie sich nun abhalten lassen und gar nicht mehr kommen, wäre das eine Katastrophe.“

Verschärfte Regeln sind ein Schlag für die Gastronomie

Aus Verbandssicht ist die 2G+-Regelung ein Schlag, der sitzt. Denn schon allein 2G habe bereits große Umsatzverluste mit sich gebracht. Rücklagen seien keine mehr da – zusätzliche Hilfen für die Branche werden nun nötig, sagte Dehoga NRW-Sprecher Thorsten Hellwig. NRW-Ministerpräsident Wüst hatte schon vor der Bund-Länder-Schalte angekündigt, Verbesserungen der Förderung würden berücksichtigt.

Die Überbrückungshilfen aus dem letzten Jahr trudeln erst jetzt langsam ein, sagt

Taner Yalcin, der unter anderem das Extrablatt am Marktplatz in Haltern betreibt.

Für ihn ist es ebenfalls ein Hoffnungsschimmer, dass sich Geboosterte nicht testen lassen müssen. In NRW liegt die Booster-Quote bei 44,1 Prozent (Stand 7.1.). Mit Laufkundschaft rechnet Yalcin durch die verschärfte Regelung aber so gut wie gar nicht mehr: „Wer macht schon einen Test, um einen Kaffee trinken zu gehen?“

„Wir müssen positiv denken, sonst gehen wir kaputt“

Es gehe immer darum, zu schützen, betonte NRW-Ministerpräsident Wüst vor den Verhandlungen. „In Restaurants ist man gemütlich. Da wird gegessen, getrunken, die Maske ist ab. Also muss man den maximal verfügbaren Schutz anderer Art eben haben. Und das heißt geboostert zu sein. Und das, finde ich, ist schon zumutbar. Wir bieten es ja jedem an.“

Für Yalcin steht fest, dass sich die Gäste zwar sicherer fühlen werden. Obwohl es schwierig gewesen wäre, hätte er aber einen Lockdown über Weihnachten für sinnvoller gehalten, um die Corona-Zahlen zu drücken. Letztendlich lautet sein Fazit, egal wie es kommt: „Die Politik wird uns weiter als Druckmittel nehmen und wir müssen alles mitmachen. Wir haben keine andere Möglichkeit.“ Beide Halterner Gastronomen stimmen aber trotz allem in diesem Punkt überein: „Wir müssen positiv denken, sonst gehen wir kaputt.“

Über die Autorin
Volontärin
Ist am Niederrhein geboren und aufgewachsen. Hat Germanistik und Kunstgeschichte studiert und lebt seitdem in ihrer Wahlheimat Bochum. Liebt das Ruhrgebiet und all seine spannenden Menschen und Geschichten.
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