56-jähriger Iraker beginnt als "Bufdi" bei der Caritas

Vor dem IS geflohen

Die Deutschen und insbesondere die Halterner haben ihm viel gegeben - deshalb will er sich revanchieren. Barakat Ali Rashid ist im vergangenen Jahr vor der Terrororganisation IS aus dem Irak geflohen. Jetzt leistet er mit 56 Jahren den Bundesfreiwilligendienst bei der Halterner Caritas.

HALTERN

, 17.09.2016, 07:22 Uhr / Lesedauer: 2 min
56-jähriger Iraker beginnt als "Bufdi" bei der Caritas

Barakat Ali Rashid aus dem Irak (vorne, 2.v.l.) leistet seit Anfang September den Bundesfreiwilligendienst bei der Caritas.

Barakat stellt sich mit dem Vornamen vor, bei der Caritas duzen ihn alle. Seit 15 Monaten lebt er in Haltern und hat in dieser relativ kurzen Zeit schon ausgesprochen gut Deutsch gelernt. Sprachen liegen dem 56-Jährigen, er beherrscht Arabisch, Kurdisch, Englisch, etwas Französisch und widmet sich jetzt eben dem Deutschen.

Früher, im Irak, da habe er in einem Hotel gearbeitet, erzählt er. Als Rezeptionist. Später habe er einen Verwaltungsjob bekommen, überwies die Renten für Tausende Bürger. Der freundliche Familienvater hatte ein gutes Leben. „Und dann kam der IS“, sagt Barakat, ein Jeside. Die Terrororganisation sieht diese Bevölkerungsgruppe als „Ungläubige“, der Zentralrat der Jesiden in Deutschland spricht vom ersten Genozid im dritten Jahrtausend. Barakat musste mit Mitte 50 seine Heimat und seine ganze Existenz zurücklassen.

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Über München, Bremen und Bielefeld kam Barakat Ali Rashid allein nach Haltern. Sein Asylantrag wurde bewilligt, erst sieben Monate nach seiner Ankunft durfte er seine Familie herbringen lassen. „Jetzt fährt meine Tochter alleine durch Deutschland und besucht andere Städte“, erzählt der Familienvater mit leuchtenden Augen: „Ohne sich verstecken zu müssen. Einfach frei.“

Wer ihm zuhört, bekommt einen Eindruck, wie dankbar Barakat dafür ist, was für Deutsche jeden Tag ganz normal ist: frei zu sein, sich nicht verstecken zu müssen. Aber wer noch nie in Regionen wie dem Nordirak war, wird dieses Gefühl wohl nie ganz verstehen können.

Als er in Haltern ankam, habe Barakat hier „eine deutsche Mutter“ gefunden, erzählt er: „Sie hat so ein großes Herz und hilft mir so viel.“ Es sei für ihn Zeit, etwas der Gesellschaft zurückzugeben: „Egal ob Christen, Juden, Syrern, Afghanen oder Deutschen: Ich will helfen.“ Im Willkommenscafé und in den Unterkünften anderer Flüchtlinge übersetzt er, begleitet sie zum Sozialamt oder zu Ärzten.

„Das Ziel ist, Barakat im Caritas-Team voll zu integrieren und gegenseitig voneinander zu lernen“, sagt David Schütz vom Caritasverband. Einsetzen will man den „Bufdi“ (für Bundesfreiwilligendienstler) überall, wo Unterstützung gebraucht wird.

Durch ein Sonderprogramm des „Bundesamts für zivilgesellschaftliche Aufgaben“ können bundesweit bis zu 10.000 solcher Stellen im Jahr geschaffen werden. Im Bistum Münster seien insgesamt 50 Plätze angefordert, erklärt David Schütz.

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