Dreckige Pizzakartons in die Papiertonne? Von wegen! Halterner Abfall-Experten geben Tipps

hzMülltrennung in Haltern

Der städtische Fachbereich Wirtschaftsbetriebe hat schon einige kuriose Müllentsorgungen gesehen. Er erzählt, wie Haltern bei der Mülltrennung dasteht und was besser gemacht werden kann.

Haltern

, 22.11.2019, 17:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Von klein auf lernen wir, Müll nicht auf die Straße zu werfen und wie wir ihn richtig entsorgen. „Deutschland ist Mülltrennmeister“, sagt Beate Schittek. „Der Müll in Haltern wird richtig getrennt – bis auf wenige Ausnahmen,“ ergänzt Heiner Ricker, Abfallberater. Beide arbeiten im städtischen Fachbereich Wirtschaftsbetriebe und wissen, dass nicht alles richtig, aber einiges besser gemacht werden kann.

? Darf man eigentlich jedes Papier in die Papiertonne schmeißen?

Verschmutztes und feuchtes Papier, etwa benutzte Pizzakartons, gehören nicht in die Papiertonne, sondern in den Restmüll. Thermopapier, also zum Beispiel Kassenbons, seien durch eine chemische Beschichtung ebenfalls ein Fall für den Restmüll, gibt Beate Schittek zu beachten.

? Gibt es Kleinigkeiten, die eine große Wirkung erzielen können?

„Was etwa im Recycling Zeit und damit Geld spart: den Deckel vom Joghurtbecher trennen“, sagt Beate Schittek. Durch diesen kleinen Handgriff könne der Müll besser verwertet werden. Zusätzlich sollten Verpackungen restentleert sein. „Das heißt nicht unbedingt gespült, aber mindestens inhaltlich leer“, so Schittek weiter.

? Muss man denn das Altglas spülen?

Nein, restentleert gelte auch für Glasverpackungen. Hierbei sei es zudem wichtig, nach Farbe zu sortieren. Farben, die nicht zuzuordnen sind, zum Beispiel blaues Glas, kämen zu Grünglas. „Bei der Leerung der Glasbehälter sieht es so aus, als würde im Lkw alles zusammen geworfen werden. Aber am Fahrzeug gibt es verschiedene Bereiche“, erläutert Beate Schittek.

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? Was darf absolut nicht in den Glascontainer?

Damit die gläsernen Verkaufsverpackungen auch eingeschmolzen und wiederverwertet werden können, dürfe kein anderes Material wie Keramik, Steingut und Co. in die Abfallbehälter. Gläserne Leuchtmittel gehören bekanntlich in den Restmüll. „Aber Glühbirnen mit Quecksilber, also Energiesparlampen, sind Sondermüll und können beim Umweltbrummi abgegeben werden“, sagt Schittek.

? Bei welcher falschen Entsorgung lauert Gefahr?

Auf gar keinen Fall gehörten Batterien in den Restmüll. „Das ist schädlich und gefährlich, so könnte auch der Brand in der Recyclingfirma Alba im Chemiepark Marl im Frühling dieses Jahres ausgelöst worden sein“, vermutet Beate Schittek. In vielen Geschäften sei die Rückgabe von Batterien kostenlos möglich.

? Was macht man mit seinen abgelaufenen Medikamenten?

Ebenfalls Gefahren berge die Entsorgung von Medikamenten. „Bloß nicht ins Klo damit, das verunreinigt das Wasser. Auch Essensreste gehören nicht da rein, da sie Ratten anlocken können“, sagt Heiner Ricker. Altmedikamente könnten stattdessen beim Umweltbrummi oder in vielen Apotheken abgegeben werden. Ansonsten gehörten diese aus Sicherheit in den Restmüll, da dieser verbrannt werde.

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? Wieso ist die Wertstofftonne besser als der Gelbe Sack?

Bis Ende 2018 gab es in Haltern Gelbe Säcke. „Jetzt dürfen neben Leichtverpackungen auch stoffgleiche Nichtverpackungen in die Gelbe Tonne“, sagt Beate Schittek. Somit könnten nun auch weitere Gegenstände aus Kunststoff und Metall in die Wertstofftonne. Die Materialien seien wertvoll und könnten recycelt werden. Hierzu zählen etwa Pfannen, Werkzeuge oder Spielzeug aus Kunststoff. Sie verrät aber auch, dass es bei den gelben Säcken weniger Fehleinwürfe gab und es vorkomme, dass in den Tonnen etwas versteckt werde.

? Müll ist Müll, oder ist der Zustand des Kunststoff-Mülls wichtig?

Schittek gibt den Hinweis: „Durch Anhaftungen sind die Gegenstände nicht recycelbar. Ein Planschbecken sollte beispielsweise vom Dreck des Erdbodens befreit werden.“

? Was trennen die Halterner am häufigsten falsch?

„Am häufigsten werden fälschlicherweise Plastikfolien und (lackiertes) Altholz in die Grünen Tonnen geworfen“, sagt Heiner Ricker. Beate Schittek erzählt von der Häufung an Sonntagswerbung mit Plastikverpackung im Papiermüll. Auf Friedhöfen würden oft die Kunststoff-Blumentöpfe mit im Grünabfall landen.

? Was hat die Müllabfuhr schon alles erleben müssen?

Am Straßenrand hätten die Abholer so einiges gesehen. „Gasflaschen und Feuerlöscher lagen schon in den Tonnen – die können hochgehen. Auch Restmülltonnen wurden mal bis obenhin mit Bauschutt befüllt“, so Schittek. Abgesehen davon, dass dieser Müll dort nicht hineingehöre, könne der Müllwagen nur maximal 100 Kilogramm heben. Mutwilligkeit stecke bei der falschen Entsorgung aber nicht immer dahinter.

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Kuriose Müllfunde in Haltern

Falsch befüllte Mülltonnen am Straßenrand oder wild abgelegter Müll - diese kuriosen Ansichten bekam die Müllabfuhr in Haltern zu Gesicht.
21.11.2019
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Gefährlich wird es, wenn Druckbehälter wie Feuerlöscher in den Tonnen enden. Diese könnten nämlich beim Pressen hochgehen. Sie sind Sondermüll und beim Umweltbrummi abzugeben.© Stadt Haltern/ Abfallwirtschaft
Nicht nur falsch, Bauschutt gehört auf den Wertstoffhof, sondern auch viel zu voll. Denn der Müllwagen kann maximal 100 Kilogramm anheben. © Stadt Haltern/ Abfallwirtschaft
Nicht nur der Inhalt, auch die Menge muss stimmen. In diesem Fall hat jemand zu viel Grünschnitt auf einmal loswerden wollen.© Stadt Haltern/ Abfallwirtschaft
Gerade die Grüne Tonne wird oftmals mit Plastikfolien und (lackiertem) Altholz befüllt. Hier steckt gleich ein ganzer Sack voll mit falschem Inhalt drin. © Stadt Haltern/ Abfallwirtschaft
Hier lief wirklich alles schief: Viele kleine Schnapsflaschen samt Pappverpackung lagen in wild abgestellten Wertstoff- und Laubtonnen.© Daniel Bühler

? Geht es noch kurioser?

Bei Wildem Müll geht es noch kurioser zu: „Beim Aktionstag ‚Sauberes Haltern am See‘ wurde ein Tresor von einem Einbruch gefunden. Außerdem gab es in der Natur entsorgte Schlachtabfälle, Lkw-Ladungen von Altreifen oder halb volle Heizöltanks“, sagt Heiner Ricker. Man müsste in solchen Fällen die Täter auf frischer Tat ertappen. Sonst zahle die Allgemeinheit die Entsorgung.

? Was ist Ihr Appell an die Halterner Bürger?

„Möglichst Müll vermeiden und wenn er anfällt, so gut es geht trennen. Denn je sauberer er getrennt wird, desto besser ist der Müll recycelbar. Das kommt auch der Umwelt zugute“, gibt Beate Schittek resümierend mit auf den Weg.

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