Abiturvorbereitungen: „Trotz der Regeln ist die Atmosphäre locker“

hzAbitur und Corona

Seit dem 23. April öffnen die Schulen wieder für Abiturienten ihre Türen. Sie bereiten sich jetzt auf ihre Prüfungen vor – mit Mundschutz, Sicherheitsabstand und Schokolade.

Haltern

, 02.05.2020, 05:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Flatterband im Flur, Desinfektionsmittel an den Eingängen, zwei Meter Abstand zwischen den Tischen, Mundschutz vor dem Gesicht: Am Hans-Böckler-Berufskolleg haben die Fachabiturprüfungen begonnen - unter allen Regeln zum Infektionsschutz. Jule König hat dort Montagvormittag ihre erste Prüfung für ihr Fachabitur in Sozial- und Erziehungswissenschaften geschrieben.

„Es war eigentlich ganz gut“, erzählt sie kurz danach am Telefon. „Bezogen auf meine Klausur, aber auch darauf, wie es in der Schule geregelt war.“ Noch vor drei Wochen haben sie und andere Abiturienten über ihre Unsicherheiten berichtet, ob es tatsächlich bei den Prüfungsterminen bleiben würde. „Ich habe mich beim Lernen aber daran gehalten und das war dann ja auch gut so“, sagt sie. „Die Aufgaben waren fair gestellt.“

Freiwillige Vorbereitung in der Schule

Die Vollabiturprüfungen starten erst am 12. Mai. Felix Deitermann, einer von 117 Zwölftklässlern am Joseph-König-Gymnasium, war trotzdem schon wieder in der Schule. Seit dem 23. April bieten die Fachlehrer noch einmal zwei Unterrichtseinheiten in jedem der jeweiligen Abiturfächer an. „Ich finde gut, dass das ein freiwilliges Angebot ist.“, sagt Felix. Wer zur Risikogruppe gehört oder einfach lieber alleine lernt, könne sich abmelden.

Am Gymnasium sind die Unterrichtseinheiten nun etwas länger als zwei Stunden, ohne Pause. Maximal 12 Personen dürfen in einem Klassenzimmer sein, sodass Kurse teilweise aufgeteilt und nacheinander unterrichtet werden. „Trotz der ganzen Regeln ist die Atmosphäre locker geblieben“, sagt er.

Kein Abklatschen oder Umarmen

„Uns ist allen bewusst, dass wir uns nicht abklatschen, umarmen oder in Grüppchen stellen dürfen.“ Deshalb sei gar nicht nötig gewesen, von den Lehrern besonders streng bewacht zu werden. Im Gegenteil: „Die Lehrer haben Verständnis für unsere Situation.“ An den Tafeln habe „Willkommen zurück“ gestanden, auf den Tischen habe Schokolade gelegen, der Schulleiter habe sich in allen Kursen persönlich erkundigt, ob alles in Ordnung sei.

„Ich persönlich mache mir keine großen Sorgen, mich jetzt in der Schule anzustecken“, sagt Jule, denn alle hielten sich an die Abstandsregeln. „Aber man merkt, dass einige etwas ängstlich sind.“ Während der dreistündigen Klausur haben die Schüler die Gesichtsmasken an ihrem Platz abnehmen dürfen, „aber viele ließen sie trotzdem sicherheitshalber an“, erzählt sie.

Jule König bereitet sich zuhause auf ihre Fachabiturprüfungen vor.

Jule König bereitet sich zuhause auf ihre Fachabiturprüfungen vor. © Privat

Jule hat nur in einem Fach ein zusätzliches Unterrichtsangebot vor der Klausur bekommen. „Ich hatte den Eindruck, dass bei uns die Lehrer selbst entscheiden konnten, ob sie noch einmal in der Schule Übungsstunden anbieten.“ In anderen Fächern sei sie aber auch online in Kontakt mit ihren Lehrern geblieben. Für die Vollabiturienten am Hans-Böckler-Berufskolleg wird jeweils in den Leistungskursen noch einmal Unterricht angeboten.

Sorgen um den Notendurchschnitt

Ideal sei die aktuelle Lösung für die Abiturienten nicht, findet Felix Deitermann. „Ich hätte auch kein Problem damit gehabt, wenn wir die Abiturprüfungen nicht geschrieben hätten.“ Er sorge sich nicht so sehr um seinen Notendurchschnitt, da es für sein Wunschstudium nicht unbedingt darauf ankomme. Bei einigen Mitschülern aber eben doch, und da habe er Verständnis, wenn sie die Bedingungen unfair empfinden.

Große Sorgen um ihre eigenen Noten macht auch Jule sich nicht. „Aber ich habe meinen Ausbildungsplatz auch schon sicher, dann ist es natürlich etwas anders.“ Auch sie findet, dass die Prüfungsbedingungen in diesem Jahr nicht wirklich mit anderen Jahrgängen vergleichbar seien. „Wenn Arbeitgeber später in unserem Lebenslauf sehen, dass wir 2020 Abitur gemacht haben, werden sie aber vielleicht berücksichtigen, dass es besondere Umstände waren“, hofft Felix.

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