Eine außergewöhnliche Landschaft offenbarte sich unserem Volontär. © Janis Czymoch
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Achtung, hier wacht „Rambo“! Wilde Bootstour auf dem Halterner Mühlenbach

Dort, wo in Haltern keine kommerziellen Bootstouren stattfinden und betreten des Ufers verboten ist, schipperte unser Volontär mit dem Paddelboot umher. So nah war er der Tierwelt noch nie.

Die Gänsemutter faucht uns an, während ihre Kleinen aufgeregt schnattern und versuchen, sich in ihrem weißen Gefieder zu verstecken. „Ist doch alles gut“, sagt Meiko beruhigend und steuert unser Boot behutsam an der Vogel-Familie vorbei. Durch unser Manöver kommt das Ufer plötzlich gefährlich näher und der Bootsführer ruft mir von hinten zu: „Jetzt musst du stark rechts paddeln.“

Keine kommerziellen Bootstouren auf dem Mühlenbach

Meiko, der seinen Spitznamen seit knapp 50 Jahren innehat, heißt eigentlich Reinhold Gerwert und ist Hafenmeister der Bootshausgesellschaft Strandallee in der Stadtmühlenbucht von Haltern. Heute wird Meiko mir das Naturschutzgebiet im Mühlenbachtal zeigen – mit einem kleinen Paddelboot werden wir den Mühlenbach runter schippern.

Mein Bootsführer für den heutigen Tag: Reinhold Gerwert, der Hafenmeister der Bootshausgesellschaft Strandallee.
Bootsführer für einen Tag: Reinhold Gerwert, der Hafenmeister der Bootshausgesellschaft Strandallee. © Janis Czymoch © Janis Czymoch

Solche Touren finden bewusst nicht kommerziell statt, um die vielen Tierarten, die am Flusslauf leben und brüten, zu schützen. Auch privat bietet Meiko keine Touren an, macht heute eine Ausnahme. Für das Mühlenbachtal-Naturschutzgebiet gilt außerdem, dass das Betreten des Ufers nicht gestattet ist.

Um den Mühlenbach rücksichtsvoll zu erkunden, ist Meiko genau der Richtige: Er kennt jeden noch so verwunschen aussehenden Baum, weil er hier schon als Kind gespielt hat. „Da vorne habe ich Schwimmen gelernt“, erzählt der Hafenmeister einmal während der Fahrt und zeigt auf eine sonnige Lichtung am Ufer.

Schwan „Rambo“ ist heute gut aufgelegt

Doch der Reihe nach: Kurz nachdem wir unser Schiff an der Stadtmühlenbucht zu Wasser gelassen haben und links um den Prinzensteg in Richtung Mühlenbach paddeln, treffen wir auf „Rambo“. Der stolze große Schwan hat seinen Spitznamen von der gleichnamigen Actionfilmfigur – denn er macht schon mal Jagd auf alles, was ihm und seiner Schwanen-Familie zu nahe kommt.

Schwan „Rambo“ (rechts) greift Menschen, die ihm zu nah kommen, auch schon mal an.
Schwan „Rambo“ (r.) greift Menschen auch schon mal an, wenn sie ihm zu nah kommen. © Janis Czymoch © Janis Czymoch

Mein Bootsführer weiß aber um die Gefahr und schippert uns von vorneherein in einem großen Bogen an Rambo vorbei. Dass ich selber nicht lenken muss, ist gut, ist es doch eine meiner ersten Touren mit so einem Boot. Die linke Hand am oberen Ende vom Paddel, die rechte in der Mitte, so erklärt mir Meiko, müsse ich das Holz halten.

Eine Ente sitzt auf einem Baumstamm und genießt die Ruhe.
Eine Ente sitzt auf einem Baumstamm und genießt die Ruhe. © Janis Czymoch © Janis Czymoch

Näher an der Natur kann man kaum sein

Anstrengend ist es trotzdem. Ich bin das erste Mal überhaupt am Mühlenbach – staune immer wieder links und rechts über die teilweise malerischen Lichtungen, an denen wir vorbei schippern. Paddeln, staunen und gleichzeitig ein paar Fotos machen, das habe ich mir vorab leichter vorgestellt.

Graugänse so weit das Auge blicken kann, tummelten sich auf dem Mühlenbach.
Graugänse so weit das Auge blicken kann, tummelten sich auf dem Mühlenbach. © Janis Czymoch © Janis Czymoch

Beeindruckend ist es dafür umso mehr. Noch nie habe ich solche Scharen von Gänsen aus nächster Nähe gesehen. Selbst Meiko ist von der großen Anzahl der Tiere an diesem sonnigen Nachmittag überrascht.

Unser Volontär erlebt die Halterner Tierwelt aus nächster Nähe.
Unser Volontär erlebt die Halterner Tierwelt aus nächster Nähe. © Janis Czymoch © Janis Czymoch

Während wir uns auf dem Flusslauf in Richtung Sythener-Mühle bewegen, hört man das Schwirren, Summen und Brummen vieler Insekten. Bläulich glänzende Libellen landen vor uns auf einem Baumstamm, der aus dem Wasser ragt. Dazu kommt das Plätschern des Wassers und Schnattern von Vögeln – der Natur und ihrer Tierwelt kann man näher kaum sein.

Eine kleine Pause an der Sythener Mühle.
Eine kleine Pause an der Sythener Mühle. © Janis Czymoch © Janis Czymoch

Ornithologe aus Hullern warnt vor zu viel Tourismus

Die Nähe zu den Tieren birgt aber gleichzeitig auch eine große Verantwortung. Besucher des Naturschutzgebietes können für die Tierwelt eine große Gefahr bedeuten, sagt Walter Fleuster. Der Vogelkundler aus Hullern spricht sich insbesondere bei Bootstouren gegen Alleingänge von Naturliebhabern aus.

Ein Entenpärchen beobachtet das vorbeifahrende Paddelboot.
Ein Entenpärchen beobachtet das vorbeifahrende Paddelboot. © Janis Czymoch © Janis Czymoch

„In Olfen gibt es den Floß-Betrieb auf der Stever, der wird aber nur außerhalb der Brutzeit betrieben, um die Vögel nicht zu stören. Der Betrieb ist also reglementiert und wird nur von einem Bootsfahrer ausgeführt, der die Gegend kennt“, sagt der Hullerner.

Viele Blumen ranken sich zwischen den Bäumen und Sträuchern hervor.
Viele Blumen ranken sich zwischen den Bäumen und Sträuchern hervor. © Janis Czymoch © Janis Czymoch

Auch Meiko und ich passieren auf unserem Rückweg von der Sythener-Mühle eine Höckerschwan-Mutter mit wenige Tage alten Jungtieren. Die Mutter faucht und wirkt aufgeregt, die Kleinen versuchen, sich piepsend in ihrem Gefieder zu verstecken. Mein Bootsführer reagiert rechtzeitig und wir steuern behutsam an den Tieren vorbei.

Die Höckerschwan-Mutter beschützt ihre Kleinen.
Die Höckerschwan-Mutter beschützt ihre Kleinen. © Janis Czymoch © Janis Czymoch

Für Fleuster ist der verantwortungsvolle Umgang mit dem Mühlenbach von besonderer Bedeutung, weswegen der Ornithologe die Gefahren von unbedachtem Verhalten hervorhebt:

„Einerseits ist Naturkontakt total wichtig für Menschen, damit sie sehen, was schützenswert ist, um eine Beziehung aufbauen zu können. Andererseits kann durch unbedachtes oder rücksichtsloses Verhalten ein großer Schaden entstehen.“

Ein Blässhuhn, dessen Name etwas irreführend ist, da die Art nämlich nicht zu den Hühnern gehört, sondern zu den Rallen, einer Gruppe von Wasservögeln.
Ein Blässhuhn, dessen Name etwas irreführend ist, da die Art nämlich nicht zu den Hühnern gehört, sondern zu den Rallen, einer Gruppe von Wasservögeln. © Janis Czymoch © Janis Czymoch

Heute hat Meiko unsere Reise abgesichert, die nach etwa zwei Stunden zu Ende geht. Wir legen wieder an der Stadtmühlenbucht zwischen „Kajüte“ und „Kombüse“ an, bringen das Boot zu Land und ich verabschiede mich nach dieser tollen Tour von meinem Bootsführer.

Meiko lernte auf dem Mühlenbach schon als Kind das Schwimmen.
Meiko lernte auf dem Mühlenbach schon als Kind das Schwimmen. © Janis Czymoch © Janis Czymoch
Diese alten Rollen befinden sich an vielen Stellen entlang des Mühlenbachs. Früher wurden sie genutzt, um Boote zu Wasser zu lassen.
Diese alten Rollen befinden sich an vielen Stellen entlang des Mühlenbachs. Früher wurden sie genutzt, um Boote zu Wasser zu lassen. © Janis Czymoch © Janis Czymoch
Graugänse so weit das Auge blicken kann, tummelten sich auf dem Mühlenbach.
Graugänse so weit das Auge blicken kann, tummelten sich auf dem Mühlenbach. © Janis Czymoch © Janis Czymoch
Eine Höckerschwan-Familie mit wenige Tage alten Jungtieren.
Eine Höckerschwan-Familie mit wenige Tage alten Jungtieren. © Janis Czymoch © Janis Czymoch
Das laute Summen und Brummen der vielen Insekten war allgegenwärtig. © Janis Czymoch © Janis Czymoch
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Ist passionierter und aktiver Sportler aus dem schönen Bergischen Land und seit 2011, ursprünglich wegen des Studiums, im Ruhrgebiet unterwegs. Liebt die Kommunikation mit Menschen im Allgemeinen und das Aufschreiben ihrer Geschichten im Speziellen.
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