Aktivisten besetzen Kohlekraftwerk Datteln 4: Polizei setzt mehr Kräfte auch in Haltern ein

hz„Ende Gelände“

Aktivisten haben sich Anfang Februar Zugang zum Kohlekraftwerk Datteln 4 verschafft. Die Polizei hat ihre Präsenz im Umland wegen weiterer Aktionen „deutlich“ verstärkt. Auch in Haltern.

Haltern

, 12.02.2020, 05:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Die Klimaproteste rund um das Kohlekraftwerk Datteln 4 beschäftigen die Polizei im Kreis Recklinghausen seit Wochen. Für Ende Mai hat das Anti-Kohle-Bündnis „Ende Gelände“ eine Protestaktion angekündigt. Doch dabei wird es offenbar nicht bleiben.

Weil die Polizei mit weiteren Aktionen am und rund um das Kraftwerk rechnet, hat sie ihre Präsenz im Umfeld deutlich erhöht, heißt es nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur. Zusätzlich zu Streifenwagen und zivilen Fahrzeugen sind nun auch eine Reiterstaffel und eine Mountainbike-Staffel eingesetzt, heißt es von der Polizei Recklinghausen.

Einer dieser strategischen Punkte könnte auch die Flaesheimer Schleuse am Wesel-Datteln-Kanal sein. Denn über den Kanal wird Kohle zu Datteln 4 transportiert. „Der Kanal hat sicherlich eine wichtige Funktion. Die Maßnahmen von uns konzentrieren sich nicht nur auf den Bereich Datteln 4“, sagt Andreas Wilming-Weber, Leiter der Pressestelle der Polizei Recklinghausen.

In den sozialen Netzwerken fiel das Stichwort „Floßbau“

Die Aktivistengruppen hätten in den sozialen Netzwerken und in den Medien bis zu den Protesten Ende Mai von weiteren Aktivitäten gesprochen, ohne genaue Daten zu nennen. Dabei sei auch das Stichwort „Floßbau“ gefallen, so Wilming-Weber. Dementsprechend sei alles, was mit Kanälen und Schleusen zu tun habe, wichtig. „Es ist eines der Szenarien, das neben vielen anderen eine Rolle spielen kann“, sagt der Leiter der Pressestelle, das die Polizei in ihren Vorbereitungen durchspiele. „Da müssen wir gucken, wie wir uns darauf einstellen können.“

An welcher Stelle wie viele Polizisten im Einsatz sind, dazu wollte sich Andreas Wilming-Weber am Dienstag aus polizeitaktischen Gründen nicht äußern. Insgesamt stehe man mit den zuständigen Behörden in engem Austausch. Am Kraftwerk selbst sei die direkte Aufklärung rund um die Uhr sichergestellt, so Wilming-Weber.

Am 2. Februar hatten mehr als 100 Aktivisten das neue Kohlekraftwerk Datteln 4 besetzt, das im Sommer ans Netz gehen soll und bereits seit einigen Wochen im Probebetrieb läuft. Dazu aufgerufen hatte unter anderem das Aktionsbündnis „Ende Gelände“, das bereits die Besetzung des Hambacher Forstes angeleitet hatte.

Das Aktionsbündnis fordert, dass das neue Kohlekraftwerk Datteln 4 nicht ans Netz geht. Der BUND rechnet damit, dass Datteln 4 jährlich bis zu 8,4 Millionen Tonnen Kohlendioxid ausstoßen würde. Es sei angesichts der Klimakrise eine Straftat, ein neues Kohlekraftwerk ans Netz gehen zu lassen, so das Aktionsbündnis „Ende Gelände“.

Die Kohlekommission der Bundesregierung hatte empfohlen, Datteln 4 erst gar nicht ans Netz gehen zu lassen. Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier und NRW-Ministerpräsident Armin Laschet (beide CDU) sind der Ansicht, dass es sinnvoller sei, im Gegenzug ältere und schmutzigere Steinkohlekraftwerke früher abzuschalten.

Mit dpa

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