Alte Fachwerkhäuser weichen einem neuen Bauprojekt

Disselhof

Die „Villa Kunterbunt“ und das benachbarte Fachwerkhaus an der Ecke Disselhof/Zum Mühlengraben verschwinden aus dem Stadtbild. Der Abriss hat begonnen, Neues ist geplant.

Haltern

, 03.07.2019 / Lesedauer: 2 min
Alte Fachwerkhäuser weichen einem neuen Bauprojekt

Das Haus an der Ecke Disselhof/Zum Mühlengraben wird abgerissen. © Benjamin Glöckner

Unter „Villa Kunterbunt“ firmierte zuletzt ein Tattoo-Studio in dem alten, schmalen Fachwerkhaus an der Ecke Disselhof/Zum Mühlengraben. „Sehr saubere Arbeit. Sehr nett. Dort gehe ich jetzt immer hin“, steht noch heute unter Einträgen zu dieser Adresse. Doch daraus wird nichts. Schon lange steht das Studio leer, nebenan das kleine Wohnhaus ebenfalls. Der Besitzer hat das Grundstück nach langem Zögern verkauft.

An eine Restaurierung aber ist nicht zu denken. Das Bauunternehmen Mertmann ist gerade dabei, im Auftrag des neuen Besitzers die maroden Fachwerkhäuser abzureißen. Hier soll stattdessen ein Zweifamilienhaus entstehen.

Auf dem Disselhof wohnten im vergangenen Jahrhundert Ackerbürger (sie lebten als Selbstversorger von der Landwirtschaft) und Handwerker. Wenige Häuser zeugen heute noch von dieser Geschichte. Die meisten sind Neubauten gewichen, sind verklinkert oder verputzt worden. Eine (letztlich erfolglose) Denkmalschutz-Debatte entwickelte sich nur einmal, als es um den Abriss des alten Lebenstein-Hauses ging.

In der schmalen, etwa 100 Quadratmeter großen Villa Kunterbunt, die in der Spitze nur 70 Zentimeter maß, lebte in den 90-er Jahren eine persische Familie. Sie hatte das Haus gemietet und mit viel Einsatz innen und außen renoviert. Als uriges Schmuckstück zog es die Blicke auf sich. Die fünfköpfige Familie war zuvor aus dem Iran geflohen, nachdem Vater (ein Bauingenieur) und Sohn gegen das politische Regime agiert hatten. Nach dem Auszug der Familie setzte wieder der schleichende Verfall ein.

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