Altenwohnhaus St. Sixtus soll umgebaut werden - und die Kirche hat noch weitere große Pläne

hzSeniorenwohnhaus St. Sixtus

Schon seit Jahren wird über die Erweiterung und den Umbau des Altenwohnhauses St. Sixtus an der Gartenstraße diskutiert. Aber das Vorhaben stockt. Stattdessen gibt es andere Überlegungen.

Haltern

, 11.12.2019, 14:50 Uhr / Lesedauer: 2 min

Seit Jahren schon wird über die Erweiterung und den Umbau des Altenwohnhauses St. Sixtus an der Gartenstraße diskutiert. 2014 wurde sogar ein Architektenwettbewerb ausgeschrieben, aber das Vorhaben stockt. Johannes Böcker, seit Anfang 2019 Interims-Geschäftsführer der Altenwohnhäuser St. Sixtus und St. Anna, sollte Bewegung in die Sache bringen. So führte er die Verhandlungen fort und fokussierte seine Arbeit neben den alltäglichen Aufgaben auf das angedachte Bauprojekt. Jetzt kommt er zu einem überraschenden Ergebnis.

„Ein Anbau lässt sich nicht finanzieren“

„Unser Ziel ist es, das Haus mit 72 Bewohnerplätzen zu erhalten“, betont Johannes Böcker. Aber die Idee, das Haus in einem großen Wurf neu zu gestalten, sei finanziell nicht darstellbar. Johannes Böcker kann nach vielen Gesprächen mit dem Landschaftsverband Westfalen-Lippe und der WTG (Wohn- und Teilhabegesetz)-Behörde (früher Heimaufsicht) eine umfangreiche Baumaßnahme nicht verantworten. „Wir, die Gesellschaft der Altenwohnhäuser, müssten mehr Geld zuschießen, als wir verkraften könnten.“ Der Geschäftsführer hat deshalb eine andere Idee; darüber hat er bereits mit Bürgermeister Bodo Klimpel gesprochen.

Das Altenwohnhaus St. Sixtus war einst Vorzeigeprojekt

Das Altenwohnhaus St. Sixtus war Pilotprojekt, aber längst gelten neue Standards. Seit August 2018 ist für Pflegeheime in NRW eine strenge Einzelzimmerquote im Landespflegegesetz verankert. Die Katholische Altenwohnhäuser St. Anna und St. Sixtus Haltern gGmbH muss deshalb im Seniorenheim etwas verändern.

Altenwohnhaus St. Sixtus soll umgebaut werden - und die Kirche hat noch weitere große Pläne

Johannes Böcker ist seit Anfang 2019 Interims-Geschäftsführer der Altenwohnhäuser St. Sixtus und St. Anna, © Elisabeth Schrief

Hier gibt es derzeit 44 Einzel- und 14 Doppelzimmer. Das Haus darf aktuell dennoch weitergeführt werden, weil es sich verpflichtet hat, vier Kurzzeitpflegeplätze vorzuhalten. Ein anderes Handicap ist, dass damals 57 Quadratmeter Aufenthaltsfläche pro Person verbaut wurden, heute aber nur noch 50 Quadratmeter finanziert werden. Auch die besondere Vorzeige-Architektur mit Wohngruppen und großen Kommunikationsflächen verkomplizieren die Erweiterung und den Umbau.

Der Innenhof am Eingang wird überbaut

Johannes Böcker zieht deshalb einen Plan B aus der Schublade. „Wir werden das Sixtus-Wohnhaus für die nächsten 20 Jahre sanieren, neue Bäder einbauen, den Zuschnitt der Räume verändern, Brandschutz und Sicherheitstechnik verbessern, den freien Innenhof am Eingang mit Kapelle, Begegnungsraum und Ein-Personen-Appartement überbauen und so mehrere 100.000 Euro investieren.“ Während der Bauarbeiten müssten Bewohner etappenweise umziehen. Aber wohin?

„Das wäre ein zweiter Schritt unserer Überlegungen. Wir denken über einen Neubau nach“, sagt Johannes Böcker. Im Blick hat er das städtische Grundstück an der Krummen Meer oder als Alternative eine Fläche an der St. Laurentius-Kirche.

Kindergarten oder altengerechtes Wohnprojekt sind möglich

Für das Eckgrundstück Dorstener Straße/Krumme Meer - heute als Wiese und Ackerfläche genutzt - hat die Stadt gerade einen Bebauungsplan aufgelegt, zunächst mit der Vorstellung, zusätzliche Fläche für einen weiteren Kindergarten zu haben. Mit politischer Zustimmung fährt die Stadt nun aber zweigleisig: Auch ein altengerechtes Wohnprojekt wäre möglich.

Die „Katholische Altenwohnhäuser St. Anna und St. Sixtus Haltern gGmbH“ sieht ihre Chance. Johannnes Böcker ist deshalb beim Bürgermeister im Rathaus vorstellig geworden. In guter Erinnerung an Bodo Klimpels Sommer-Rundreise durch die Altenheime mit der Aussage: „Haltern sieht Bedarf für ein neues Seniorenheim.“

Geplant ist die Ausschreibung von 240 stationären Plätzen

„Es ist zum jetzigen Zeitpunkt erforderlich, im Kreis neue stationäre Pflegeplätze zu schaffen“, betont Bodo Klimpel. Eine Ausschreibung von 240 stationären Pflegeplätzen sei geplant. Selbstverständlich habe er ein Interesse, ein neues Alten- und Pflegeheim in Haltern anzusiedeln.

Wenn die Kirchengemeinde St. Sixtus und mit ihr die Gesellschaft Katholische Altenwohnhäuser St. Sixtus/St. Anna zum Zuge käme, könnte sie erst neu bauen und dann die Sanierung des Sixtus-Wohnhauses problemlos in Angriff nehmen. Sie hätte für die Senioren ein Ausweichquartier. Aber Johannes Böcker weiß auch: Die Konkurrenz ist groß.

Das Sixtus-Wohnhaus als Modelleinrichtung

Mehr Platz für würdevolles Leben im Alter

1988 verwirklichte die Sixtus-Pfarrei das Pilotprojekt, das dem Bedürfnis für ein nachbarschaftliches Wohnen, nach einem würdevollen Leben im Alter und pflegerischer Grundversorgung gleichermaßen gerecht werden sollte. Das Wohnen in den eigenen vier Wänden mit eigener Möblierung, das Leben mit neuen Nachbarn und das sichere Gefühl, jederzeit medizinische, therapeutische und pflegerische Leistungen in Anspruch nehmen zu können, wurden im Konzept für das Haus vereint. Das Motto lautete „Leben und arbeiten in einer Modelleinrichtung“. Zum Konzept: Die 72 Bewohner leben in zehn Gruppen, die durch die Architektur des Hauses vorgegeben sind. Jeweils acht Bewohnern gehören zu einer Wohngruppe. Die Einzelzimmer haben eine Größe von 20 und 21 Quadratmeter, die Doppelzimmer von 28 bis 30 Quadratmeter. Architekt war Karlhans Pfleiderer aus Neuss. Er wurde vom damaligen Minister für Stadtentwicklung, Wohnen und Verkehr, Christoph Zöpel, für die Architektur des Hauses ausgezeichnet. Die um einen Bezugspunkt konzentrierten Wohneinheiten, die großen Zimmer, die Möglichkeit einer individuellen Lebensgestaltung – das war die neue Richtung und ein einmaliges Projekt in der Bundesrepublik. Die flexible Nutzung der Wohnbereiche sowohl als Altenwohnheimplätze wie auch als Pflegeplätze war ein zentraler Punkt des damaligen Konzeptes. Was nicht gewollt war: funktionale Abläufe und Absonderung und ein typisches Erscheinungsbild mit langen, stereotypen Flure, engen Pflegezimmern ohne persönliche Atmosphäre. Gebaut ist das Haus auf 8220 Quadratmetern zwischen Kolpinghaus und Krankenhaus. Es kostete rund 9,6 Millionen DM.
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