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Wie soll Haltern in zehn Jahren aussehen? Bürger und Politiker waren eingeladen, gemeinsam mit Gutachtern Vorstellungen zu entwickeln. Dabei wurde auch deutlich: Haltern ist nicht nur schön.

Haltern

, 16.04.2019 / Lesedauer: 4 min

Vor dem Hintergrund neuer Herausforderungen, die sich aus der demografischen Entwicklung, dem Klimawandel, den neuen Formen der Mobilität und der Digitalisierung ergeben, muss Haltern neu denken. Das städtebauliche Entwicklungskonzept (Isek), das zwei Planungsbüros geschrieben und das die Politiker jetzt verabschiedet haben, soll schlüssige Antworten auf Fragen zur gelungenen Stadtentwicklung geben. Auf 40 Seiten haben die „Stadtraum Architektengruppe“ um Martin Rogge und „Junker und Kruse Stadtforschung Planung“ die Ergebnisse zu Papier gebracht. Stärken wie Schwächen der Stadt sind aufgelistet, aber es gibt auch Lösungsvorschläge.

„Bei dem Konzept geht es um Haltern, nicht um irgendein Schema“

Rolf Junker hat bereits 20 Entwicklungskonzepte erarbeitet. Er betont: „Bei dem Konzept geht es um Haltern, nicht um irgendein Schema.“ Es gelte, mit Fördermitteln Stärken und Schwächen aus- sowie das Stadtbild und die Baukultur aufzuwerten, Stadtquartiere weiterzuentwickeln, Versorgungsstrukturen zu stärken und die Freizeit-Infrastruktur zu optimieren. „Isek bestimmt die Fahrtrichtung. Am Ende sollen die Bürger sagen: Das ist unser Haltern!“

An der Schnittstelle zwischen dem südlichen Münsterland und dem nördlichen Ruhrgebiet kommt Haltern nach Ansicht von Martin Rogge eine besondere Bedeutung zu. „Und das nicht nur unter dem wichtigen Thema Freizeit und Naherholung.“ Für den Erhalt der Vitalität der Stadt seien das Angebot an zentralen Infrastruktureinrichtungen und Wohnraum sowie die Mobilität entscheidend. Die Seestadt habe viel zu bieten, darauf gelte es künftig aufzubauen. Martin Rogge: „Aber immer im Maßstab Haltern!“

An diesen Stellen soll die Halterner Innenstadt in den nächsten Jahren umgebaut werden

Bürger waren eingeladen, sich an der Erarbeitung des Integrierten Städtebaulichen Entwicklungskonzeptes (Isek) zu beteiligen. © Elisabeth Schrief

Bürger, Planer und Politiker stellten ein gutes Jahr lang die Innenstadt auf den Prüfstand. Auszüge aus den Ergebnissen:

Stärken Halterns

  • 85 Prozent der Gesamtfläche Halterns (160 Quadratkilometer) sind forst- und landwirtschaftlich genutzt. Hohe Mark und Haard sowie die Seenlandschaft sind stark prägend. Dadurch hat Haltern ein nahezu einmaliges Image und ist beliebter Wohn- und Lebensort.
  • Haltern übt durch unterschiedliche Freizeitmöglichkeiten eine enorme Anziehungskraft auf Besucher aus.
  • Haltern wirkt durchweg gepflegt.
  • Mit einem verfügbaren Einkommen von 21.500 Euro pro Kopf weist Haltern eine überdurchschnittliche Kaufkraft auf.
  • Der historische Grundriss der Altstadt ist noch gut lesbar, Siebenteufelsturm, Sixtuskirche und Altes Rathaus sind sichtbare historische Orte. Durch den Markt mit seiner Strahlkraft entsteht eine dichte Altstadt-Atmosphäre.
  • Das Erscheinungsbild der Fußgängerzonen ist attraktiv, diese bieten gute Gestaltungsqualitäten. Die Anbindung an den See („See schlägt Wellen“) ist attraktiv für Radfahrer und Fußgänger.
  • Haltern ist durch den öffentlichen Nahverkehr gut an die Region angebunden.
  • Die Geschäfte der Innenstadt punkten mit Qualität und Sortimenten. Sie tragen dazu bei, dass Haltern eine funktionierende und attraktive Einkaufsstadt ist.
  • Die Gastronomie der Innenstadt ist vielfältig aufgestellt.
  • Die Bebauung ist überwiegend kleinteilig und weist einen guten Erhaltungszustand auf.

An diesen Stellen soll die Halterner Innenstadt in den nächsten Jahren umgebaut werden

Der Bahnhof und sein Umfeld sollen in eine moderne Mobilitätsstation mit grünem Empfangsraum umgestaltet werden. © Jürgen Wolter

Schwächen Halterns:

  • Es befinden sich kaum noch historische Bauwerke in der Innenstadt, unter architektonisch städtebaulichen Gesichtspunkten ist die Innenstadt nur als durchschnittlich einzustufen.
  • In den Fußgängerzonen ist die Barrierefreiheit eingeschränkt, es fehlen außerdem Spielmöglichkeiten.
  • Die Verbindung zwischen Stadt und See über „See schlägt Wellen“ hat ein großes Defizit an der Kreuzung Schüttenwall/Sixtusstraße mit Barrierewirkung durch die L 551.
  • Die Strukturen rund um den Bahnhof sind diffus, es fehlt ein klares bauliches Profil.
  • Grüne Freiräume sind teilweise ungepflegt und werden deshalb schwach genutzt.
  • In der Innenstadt wird vor allem dem motorisierten Verkehr Vorrang eingeräumt.
  • Vom Bahnhof fehlt eine Orientierung Richtung Altstadt.
  • Die Fahrradstraßen Holtwicker und Koeppstraße weisen angesichts der neuen Mobilitätsanforderungen deutliche Defizite aus.
  • Der Erhaltungszustand der Geschäftshäuser wird insgesamt mit durchschnittlich bewertet.
  • Das Wohnen am Wall ist laut, der Raum für Fußgänger und Radfahrer ist dort unterentwickelt.
  • Verwaltungseinrichtungen verteilen sich auf die Stadt. Aus Gründen der Wirtschaftlichkeit besteht die Absicht, ab dem Jahr 2027 am Galen-Park ein modernes Dienstleistungszentrum zu bauen.
  • Lippstraße, Mühlenstraße und Marienhof verlieren als Einkaufsstandorte ihre Funktion.
  • Der Kultur- und Freizeitbereich ist kaum prägend für die Innenstadt.
  • Der Kardinal-von-Galen-Park wirkt durch die Rochfordstraße von der Innenstadt abgehängt.

    Lösungsvorschläge:

  • Auf großflächige Erweiterungen in der Innenstadt ist zu verzichten, um den intimen städtebaulichen Rahmen nicht zu zerstören.
  • Wohnen im Zentrum soll intensiv gefördert werden. Dazu sind vorhandene Flächen zu entwickeln und Mindernutzungen neu zu gestalten.
  • Als Innenstadt wird ausschließlich die Altstadt mit der Fußgängerzone wahrgenommen. Weitere Innenstadt-Treffpunkte sind sinnvoll.
  • Der Galen-Park bekommt eine Schlüsselrolle, er soll mit dem Kärntner Platz ein neues Stadtquartier bilden.
  • Der Bahnhof soll in eine moderne Mobilitätsstation mit grünem Empfangsraum umgestaltet werden.
  • Der Stadtumbau soll nicht ausschließlich von öffentlicher Hand, sondern auch durch Investoren umgesetzt werden.
  • Barrieren wie an der Rochfordstraße sollen überwunden und zu einer innerstädtischen Adresse umgestaltet werden. Es gilt, die Stadtquartiere besser miteinander zu verbinden.
  • Die Stadt soll ein Parkraumkonzept skizzieren. Zentrumsnahe Parkzonen wie an der Musikschule eignen sich besser für die Entwicklung eines urbanen Quartiers.
  • Mit der Bebauung von Pastors Kamp soll am Südwall anstelle der bisherigen Treppe ein großzügiger Eingangsbereich entstehen.
  • Holtwicker Straße und Koeppstraße sollen zu grünen Promenaden aufgewertet werden.
  • Die abgebundene, vernachlässigte Recklinghäuser Straße muss reanimiert werden als attraktive Verbindung zwischen dem südlichen Stadtteil und der Altstadt. Die Bahnunterführung bildet die größte Herausforderung.
  • Die Gewerbegrundstücke am Schüttenwall könnten durch zwei- bis dreigeschossige Wohnbebauung stadtgestalterisch aufgewertet werden.

An diesen Stellen soll die Halterner Innenstadt in den nächsten Jahren umgebaut werden

Der Galen-Park soll mit Siebenteufelsturm und Kärntner Platz zu einem neuen Quartier zusammenwachsen. © Holger Steffe

Nun sind weitere intensive Untersuchungen erforderlich, um optimale Ergebnisse zu erzielen. Doch dafür braucht die Stadt Geld. Isek ist die Basis, um in die Städtebauförderung aufgenommen zu werden und Mittel beim Land locker zu machen. Alle Maßnahmen zusammen haben ein Volumen von 14,6 Millionen Euro. Von dieser Summe würde das Land bei Anerkennung der Projekte 70 Prozent Fördermittel bereitstellen. Was am Ende der zehn Jahre tatsächlich umgesetzt worden ist, darauf darf man gespannt sein. Priorität haben für den Rat vor allem die Neugestaltung des Galen-Parks sowie der Holtwicker Straße und ein Verkehrskonzept.

In einem weiteren Schritt sollen auf Wunsch der Parteien die Ortsteile bewertet werden.

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