Ein Angehöriger übt heftige Kritik an der Versorgung der alten Menschen im Sythener Pflegeheim. Der Betreiber, die Alloheim Seniorenresidenzen, weist diese zurück.

Sythen

, 24.10.2020, 17:30 Uhr / Lesedauer: 3 min

Erneut werden gegen das Pflegeheim „Seniorenresidenz Sythen am See“ und den Betreiber, die Alloheim Seniorenresidenzen SE in Düsseldorf, schwere Vorwürfe erhoben. Diesmal meldete sich ein Angehöriger in der Redaktion und berichtete über Mängel in der Pflege und der Essensversorgung der Bewohner.

Aus diesem Grund habe er die Heimaufsicht des Kreises eingeschaltet und lasse die strafrechtliche Relevanz eines Vorfalls während der Nachtstunden prüfen.

Der Kreis Recklinghausen bestätigte die „anlassbezogene Überprüfung“ der Sythener Einrichtung, die am Dienstag (20. Oktober) ohne Voranmeldung stattgefunden habe. Es sei eine umfangreiche Kontrolle vorgenommen worden. Dabei wurde wohl auch mit Bewohnern gesprochen. Der Bericht sei allerdings noch nicht erstellt, sodass noch kein Ergebnis vorliege, aus dem sich eventuelle Konsequenzen ergeben würden.

Ein Vorfall brachte das Fass zum Überlaufen

Der Angehörige ist generell unzufrieden mit dem Pflegestandard in der Sythener Alteneinrichtung. Lange habe er zugeschaut, schließlich hätten alle Pflegeheime ihre Probleme. Aber jetzt sei für ihn Schluss. Das Fass zum Überlaufen brachte ein Vorfall in der Nacht, bei dem ein Toilettengang begleitet werden sollte und die Pflege überhaupt nicht dem Standard entsprochen habe.

Unverständnis habe darüber hinaus hervorgerufen, dass Bewohnern an einem Wochenende kein Frühstück gereicht worden sei. „Es fehlt wohl das Personal“, so der Angehörige.

Letztlich habe der soziale Dienst im Haus dafür gesorgt, dass doch noch ein Frühstück auf den Tisch kam. Wenig Gutes berichtet der Angehörige außerdem über die Qualität des Essens. „Wir bringen Brot, Aufschnitt und Getränke ins Haus, damit Ordentliches auf dem Teller landet“, beschrieb er seine Sicht der Zustände. „Das Haus ist ein reines Renditeobjekt. Der Fehler liegt im System“, urteilt der Mann.

Das Unternehmen Alloheim teilte in einer Stellungnahme zu dem Fall mit: „Die unangemeldete Prüfung der Heimaufsicht des Kreises Recklinghausen am 20. Oktober 2020 ging auf eine individuelle Beschwerde einer Bewohnerin zurück. Bislang liegt noch kein Bericht zur Prüfung durch die Heimaufsicht vor. Bitte haben Sie Verständnis, dass wir uns vor diesem Hintergrund hierzu derzeit nicht äußern können.“

Alloheim nimmt zu den Vorwürfen Stellung

Zu dem Kritikpunkt Pflege in der Nacht erklärte Alloheim: „Hier sind uns abgesehen von dem einen individuellen Fall, der zur von Ihnen thematisierten Beschwerde bei der Heimaufsicht führte, keinerlei weiteren Beschwerden von Bewohnern und Angehörigen bekannt.“ Es habe sich um einen individuellen Fall gehandelt, auf den man im Haus umgehend reagiert und entsprechende Maßnahmen veranlasst habe.

Der grundsätzlichen Kritik will sich eine andere Angehörige nicht anschließen. Sie spricht für den Demenzbereich im Haus. Die Versorgung sei gegeben. Nicht erfreulich sei allerdings, dass die Angehörigen Informationen nur spärlich erreichten.

Angehörige vermisst transparente Kommunikation

So habe es bisher keinerlei Informationen dazu gegeben, dass sowohl die Heimleiterin als auch die Pflegedienstleitung das Heim verlassen hätten. Auch der Einsatz von Leiharbeitskräften sei nicht kommuniziert worden.

Zur Info: Heimleiterin Carmen Susanne Liese war in ihrer Funktion erst vergangenen Sommer vorgestellt worden. Sie hatte angekündigt, die Probleme der Einrichtung in den Griff bekommen zu wollen. Wegen Mängeln beim Pflegestandard hatte die Heimaufsicht des Kreises für das Heim 2018 für einige Wochen einen Belegungsstopp verfügt.

Damals vertraten die Angehörigen Ulrike Herrmann und Jürgen Koch die Interessen der Bewohner als Mitglied des Heimbeirats. Beide haben sich nach intensiver Einsatzzeit aus diesem Gremium zurückgezogen. Dem neuen Heimbeirat gehören nur noch Bewohner an, da sich kein Angehöriger für diese Aufgabe zur Verfügung stellen wollte.

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Alloheim: „Wir haben umfassend informiert“

Auf den Vorwurf der mangelnden Transparenz teilte Alloheim mit: „Wir haben Bewohner und deren Angehörige über die Veränderungen breit und umfassend informiert, etwaige Kritik an der erfolgten Kommunikation ist für uns nicht nachvollziehbar.“

Am 31. August habe sich die künftige Einrichtungsleiterin in der Heimbeiratssitzung offiziell vorgestellt, am 1. September, ihrem ersten Tag in Haltern, dann zusätzlich in einer Mitarbeiterversammlung. Viele Angehörige habe sie zudem durch persönliche Gesprächstermine vor Ort oder durch Telefongespräche in den Folgetagen kennengelernt. Ähnlich wird vom Unternehmen auch der Abschied und die Neubesetzung der Pflegedienstleitung beschrieben.

Der Redaktion war bisher allerdings auch nur bekannt, dass die momentane Einrichtungsleiterin nur für eine Übergangsfrist in Sythen tätig sein sollte. Eine dauerhafte Lösung sollte zu einem späteren Zeitpunkt vorgestellt werden.

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Die Pflegequalität steht auf dem Prüfstand

Weiter erklärte Alloheim: „Das neue Leitungsteam und die Qualitätsbeauftragte sind sehr stark direkt im Kontakt mit den Bewohnern und überprüfen täglich die Qualität in der Pflege direkt bei den Bewohnern. Dabei werden sie an zwei bis drei Tagen pro Woche zudem von Mitarbeitern des Zentralen Qualitätsmanagements unterstützt. Die Bewohner unserer Einrichtung in Haltern befinden sich durchweg in einem guten pflegerischen Zustand.“

Zurzeit leben in der Sythener Einrichtung 77 Seniorinnen und Senioren. Das Haus hat 80 Plätze.

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