Angeklagter kommt nach Massenschlägerei vom 1. Mai glimpflich davon

hzGericht

Ein Streit unter jungen Frauen eskalierte: Am 1. Mai 2018 kam es zu einer Massenschlägerei am Halterner Lakeside Inn. Ein Tatbeteiligter stand jetzt vor Gericht und kam glimpflich davon.

Haltern

, 20.03.2019, 04:55 Uhr / Lesedauer: 2 min

Für den Angeklagten aus Marl stand einiges auf dem Spiel: Er soll beim Maigang um den Halterner Stausee im vergangenen Jahr einem Halterner in den Finger gebissen und ihm mit einem Kantholz drei Zähne ausgeschlagen haben. Einen eindeutigen Tathergang konnte das Schöffengericht am Marler Amtsgericht aber am Dienstag nicht rekonstruieren. So kam der 23-jährige Marler mit einer vorläufigen Verfahrenseinstellung davon.

Was genau am 1. Mai 2018 passiert ist, wer Täter und wer Opfer war, darüber gingen die Darstellungen der Zeugen aus zwei beteiligten Gruppen komplett auseinander.

Beleidigungen und Angriff mit einem Holzstück

Vorausgegangen war ein Streit unter jungen Frauen. Schon auf dem Weg um den See und dann später am Tatort in der Nähe des Lakeside Inn hatten sich zwei der Frauen gegenseitig mehrfach provoziert: Die Begleiterin des Angeklagten, seine Freundin und Mutter eines damals gerade zwei Wochen alten gemeinsamen Sohnes, und deren Freundin auf der einen, eine andere junge Frau auf der anderen Seite. Es kam zu Beleidigungen, dann wurde es handgreiflich.

Nach Darstellung des 26-jährigen Geschädigten aus Haltern sei er dazwischen gegangen, um zu schlichten, und dann von dem Angeklagten und mehreren anderen jungen Männern angegriffen, zu Boden geschlagen und schließlich mit einem Kantholz oder Stock ins Gesicht geschlagen worden.

Aussagen wichen im Detail voneinander ab

Dies bestätigten vor Richterin Sabrina Martin Lopez zwar mehrere Zeugen aus der Gruppe des Geschädigten, im Detail wichen ihre Aussagen aber voneinander ab. So in der Frage, ob der Geschädigte am Boden gelegen oder gestanden hat, als er geschlagen und gebissen worden ist.

Der Angeklagte und seine beiden Begleiterinnen bestreiten diesen Tathergang. Die beiden jungen Frauen seien nach dem Gerangel der Mädchen von den Halternern angegriffen worden, so der Angeklagte, was die beiden jungen Frauen vor Gericht bestätigten. Er selbst sei zu Boden gegangen und von den Halternern geschlagen und getreten worden. Als es schließlich zu einer Massenschlägerei gekommen sei, seien sie schon nicht mehr da gewesen.

Staatsanwältin stimmt nur widerwillig zu

Verteidiger Tim F. Schubert beantragte eine Einstellung des Verfahrens gegen Auflagen, da sein Mandant alleinerziehender Vater eines vierjährigen Sohnes und jetzt auch Vater eines Babys ist. Staatsanwältin Petra Härtel-Breß stimmte dem letztlich zu, nicht ohne eine deutliche Warnung an die beiden Zeuginnen aus der Gruppe des Angeklagten: „Ich glaube Ihnen von dem hier Gesagten kein Wort. Da Sie bereits auch in anderen Verfahren hier vor Gericht erscheinen mussten, warne ich Sie: Sie haben ab jetzt bei mir eine Rückennummer. Wenn Ihre Namen noch einmal im Rahmen eines Verfahrens auftauchen, werde ich ganz genau ermitteln.“

Das Verfahren wurde vorläufig eingestellt, der Angeklagte muss in sechs Monaten 200 Arbeitsstunden ableisten. Erst danach wird die Einstellung rechtskräftig. „Sollten Sie dem nicht nachkommen, sehen wir uns hier ganz schnell wieder“, so die Staatsanwältin.

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