Annabergstraße - Gewerbe erwünscht, Wohnen nicht ausgeschlossen

hzWohnen in Haltern

Der Flächennutzungsplan stellt ein Gelände an der Annabergstraße als Gewerbefläche dar. Trotzdem genehmigte die Stadt Haltern dort Wohnungsbau. Wie passt das zusammen?

Haltern

, 07.09.2020, 17:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Die Stadt Haltern hat auf dem Gelände des ehemaligen Unternehmens Klostermann an der Annabergstraße Wohnungsbau genehmigt. Dafür musste die Musikschule El Ritmo weichen, deren Inhaber Matthias Engicht die früheren Büroräume acht Jahre lange gepachtet hatte.

Sein Schüler Wolfgang Ross aus Senden hat sich mit den Voraussetzungen für die neue Nutzung des Geländes befasst und recherchiert, dass der Standort im Flächennutzungsplan (FNP) der Stadt als Gewerbefläche ausgewiesen ist. „Wieso kann die Stadt dann dort Wohnungen genehmigen?“, hat er sich gefragt.

Beschwerden wegen Lärm zu erwarten?

Außerdem müsse doch befürchtet werden, dass sich neue Anwohner über Lärm beschweren, wenn die Betriebsflächen im Umfeld weiter genutzt werden. Aus Sicht von Wolfgang Ross könnten andere Grundstücksbesitzer aufgrund des Präzedenzfalls ebenfalls auf die Idee kommen, ihre Flächen nicht mehr gewerblich zu nutzen, sondern für Wohnungsbau zu entwickeln. So gingen der Stadt Haltern auf Dauer Gewerbeflächen verloren.

Baudezernent Siegfried Schweigmann bestätigte auf Anfrage, dass das Gelände an der Annabergstraße im FNP als gewerbliche Fläche dargestellt ist. Das bedeute, dass dort perspektivisch Gewerbeansiedlungen erwünscht seien, schließe Wohnungsbau aber nicht aus.

Anspruch auf Straßenrandbebauung

Die Stadt habe bei ihrer Genehmigung von Wohnungsbau den Anspruch des Grundstücksbesitzers auf „straßenbegleitendes Wohnen gesehen“. Dieses sei auf der gegenüberliegenden Seite des ehemaligen Klostermann-Geländes vorhanden, auf der gleichen Seite vereinzelt zu finden, nannte Siegfried Schweigmann als Begründung.

Eine Bebauung in der zweiten oder dritten Reihe (bis zu den Bahngleisen) lasse sich daraus nicht ableiten. Neubauten in diesem Zwischenraum seien von der Stadt nicht gewünscht, ebenso wenig wie eine weitere Verdrängung von Gewerbeflächen am Standort.

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Letztere sei allerdings auch nicht zu erwarten, erklärte der Bauderzernent. Sollte es zu einer solchen Entwicklung kommen, könne mit einem Bebauungsplan beziehungsweise einer Veränderungssperre gegengesteuert werden.

Vor Jahren seien bei einer Rahmenplanung für das Gebiet bereits Wohnungen angedacht gewesen. Diese sei allerdings nicht durch einen Bebauungsplan manifestiert worden.

Die Bebauung muss sich am Umfeld orientieren

Weil dieser fehlt, wurde die Genehmigung des Wohnungsbaus nach § 34 entschieden. Eine Bebauung ist danach zulässig, wenn sie sich nach Art und Maß der Bebauung, der Bauweise und der überbauten Grundstücksfläche in die umliegende Bebauung einfügt.

Neue Anwohner könnten sich nicht auf Lärmemissionswerte für ein klassisches Wohngebiet berufen, sondern müssten höhere Grenzen akzeptieren.

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