Halterner Römer-Apotheke gehen immer mehr Medikamente wie Ibuprofen aus

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Wer krank ist, geht mit einem Rezept schnell in die Apotheke und besorgt sein Medikament. So zumindest die Theorie. Denn immer mehr Medikamente fehlen zeitweise im Sortiment.

Haltern

, 29.05.2019, 17:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Eigentlich sollte der Medikamente-Schrank in der Halterner Römer-Apotheke voll sein. Doch rund 130 Medikamente fehlen derzeit. Von den Herstellern heißt es, sie seien nicht lieferbar. Für die Apotheker ist das schon lange ein ansteigendes Problem.

„Vor zwei, drei Jahren waren das noch 20 bis 30 Medikamente, die da gefehlt haben“, erinnert sich Dr. Hannes Müller, leitender Apotheker in der Römer-Apotheke. Doch immer öfter kommt es zu Problemen und die Medikamente werden knapper.

Medikamente werden nur noch an wenigen Standorten produziert

Die Ursachen für die Engpässe sind vielfältig. Diskutiert werde vor allem die Konzentration der Firmen auf nur wenige Produzenten aufgrund des Spardrucks im Gesundheitswesen, so Müller: „Die meisten Wirkstoffe werden in Fernost von wenigen Herstellern produziert, da kaufen dann alle Firmen ein. Wenn da dann mal ein Hersteller ausfällt, haben gleich mehrere Unternehmen ein Problem.“

Die Medikamente, die Dr. Hannes Müller nicht vorrätig hat, sind bei Weitem keine Unbekannten. Gleich mehrere Antibiotika und verschiedene Sorten von Ibuprofen sind in der Römer-Apotheke momentan nicht zu bekommen. Das Antibiotikum Cefixim sollte eigentlich in verschiedenen Größen zur Verfügung stehen. „Aber das habe ich seit Monaten überhaupt nicht mehr da“, erklärt der Apotheker.

Rabattverträge sind ein Problem

Ein großes Problem stellen auch die Rabattverträge der Krankenkassen dar. „Dadurch sind die Marktanteile eigentlich sehr festgelegt. Aber wenn Firma A bei vielen Krankenkassen der exklusive Rabattpartner ist und die Medikamente nicht mehr liefern kann, muss Firma B das machen. Und die ist nicht auf die erforderlichen Mengen eingestellt.“

Ein Spezialfall sind Sartan-Blutdrucksenker. Letztes Jahr wurde beim Wirkstoff Valsartan bei etlichen Herstellern eine potenziell krebserregende Verunreinigung gefunden. Dadurch mussten viele Patienten auf verwandte Wirkstoffe umgestellt werden.

Außerdem wurden bis vor wenigen Monaten Sartane in Blutdrucksenkern häufig als Kombipräparat mit einem entwässernden Wirkstoff (Hydrochlorothiazid) verschrieben. Dann wurde bekannt, dass durch Hydrochlorothiazid die Hautkrebsrate steigt. „Die Umstellung auf andere Blutdrucksenker hat auch jetzt noch Folgen für die Lieferfähigkeit“, erklärt Dr. Hannes Müller.

Patienten merken Medikamente-Knappheit nur wenig

Welche Auswirkungen haben die Engpässe für die Patienten? Dr. Hannes Müller: „Natürlich merken es die Patienten, wenn sie auf andere Medikamente umgestellt werden.“ Man versuche aber, so viel wie möglich von den Problemen schon im Vorfeld abzufedern. Dafür seien mehrere Telefonate mit Ärzten, Firmen und dem Großhandel nötig. „Wir regeln da schon viel im Hintergrund mit viel Aufwand, damit die Kunden weiterhin gut versorgt sind“, berichtet Dr. Hannes Müller.

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