Auflagen für Bestatter und Trauerfeiern - Urnenbeisetzungen können verschoben werden

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Das Coronavirus wirkt sich auch drastisch auf die Durchführung von Trauerfeiern aus. Für die Hinterbliebenen ist das eine zusätzliche Belastung. Urnenbeisetzungen können verschoben werden.

Haltern

, 19.03.2020, 12:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Bürgermeister Bodo Klimpel und Pfarrer Michael Ostholthoff hatten sich am Dienstag ausgetauscht. Nach der Allgemeinverfügung im Zusammenhang mit der Ausbreitung des Coronavirus, die Klimpel bereits am Vortag veröffentlicht hatte und die ein Verbot von öffentlichen und privaten Veranstaltungen in Haltern beinhaltete, einigte sich das Stadtoberhaupt jetzt mit den Vertretern der katholischen und evangelischen Kirchen auch auf eine Begrenzung der Teilnehmerzahl bei Trauerfeiern. Ab sofort sollen diese nur noch im engen Kreis stattfinden - mit maximal zehn Teilnehmern. „Für viele Angehörige wird das sicher sehr schwierig werden“, meint Bestatterin Sabine Loos.

„Man muss sich der neuen Situation anpassen“

Grundsätzlich sei es möglich, eine Trauerfeier in der Kirche auch zu einem späteren Zeitpunkt nachzuholen, erklärt die Bestatterin. Dennoch: Die Zahl der Trauergäste bei einer Beerdigung zu begrenzen, stelle eine enorme Belastung für die Hinterbliebenen dar. Sabine Loos hat aber Verständnis für diese Maßnahme. „Man muss sich der neuen Situation anpassen“, sagt sie. Bislang seien alle Angehörigen auch sehr verständnisvoll gewesen. Bis jetzt war die Teilnehmerzahl bei Bestattungen auf 20 beschränkt worden, davor auf 30.

„Die Ereignisse überschlagen sich“, sagt Berufskollegin Claudia Drees. Sie empfindet großes Mitgefühl für die Situation der Angehörigen. Trauerhallen, -kapellen und Gotteshäuser stehen nicht für die Trauerfeier zur Verfügung. Die Zeremonie wird unter freiem Himmel abgehalten. „Alle Beteiligten wissen, dass diese Beschränkungen sinnvoll sind“, sagt Claudia Drees. „Niemand will das Risiko eingehen, sich anzustecken.“

„Der eine muss den anderen schützen“

„Wir müssen alle achtsam sein“, betont auch Birgit Mertens. „Der eine muss den anderen schützen.“ Für die Mitarbeiter ihres Bestattungshauses wie auch für die Trauernden gelten besondere Vorsichtsmaßnahmen. Bei den Gesprächen und auch bei der Trauerfeier werde Abstand gehalten. Urnenbeisetzungen können auf besonderen Wunsch auch verschoben werden. Voraussetzung ist ein Antrag beim Ordnungsamt auf eine Ausnahmegenehmigung, teilte Stadtsprecher Georg Bockey mit. Normalerweise muss die Urne spätestens sechs Wochen nach dem Tod eines Menschen beigesetzt werden.

Vollschutz-Kleidung im Krankenhaus

Aber auch bei der Überführung Verstorbener treffen die Halterner Bestatter zusätzliche Vorkehrungen. Bei Einsätzen im Krankenhaus werde auf das Ergebnis des Abstriches gewartet, erklärt Birgit Mertens. Im Krankenhaus tragen die Bestatter zudem Vollschutz-Kleidung. Für den Fall, dass ein Verstorbener positiv auf das Coronavirus getestet worden sei, werde den Angehörigen von einer Aufbahrung abgeraten.

Aufbahrung bei infizierten Verstorbenen bedenklich

Ingo Richter und Stefan Gazza vom Bestattungsunternehmen Richter halten sich eng an die Empfehlungen des Bundesverbandes Deutscher Bestatter. „Für das Beratungsgespräch bitten wir darum, mit möglichst wenigen Personen in das Bestattungshaus zu kommen“, sagt Ingo Richter. Zudem werde ein gewisser Abstand gewahrt.

Für den Umgang mit verstorbenen Menschen, die sich mit dem Coronavirus infiziert hätten, habe der Berufsverband strenge Empfehlungen formuliert, führt Stefan Gazza aus. Dazu zählten beispielsweise zusätzliche Leichentücher und weitere Desinfektionsmaßnahmen. „Ist ein Verstorbener mit dem Virus infiziert, muss der Sarg nach den Empfehlungen verschlossen bleiben“, betont Gazza. Für die Teilnehmer der Trauerfeier werden zudem Listen ausgelegt, die vier Wochen lang aufzubewahren sind.

Sechs-Wochen-Seelenämter und Jahresseelenämter fallen aus

Auch Sechs-Wochen- und Jahresseelenämter finden derzeit nicht statt. Sobald Gottesdienste wieder möglich seien, könnten nach terminlicher Absprache auch wieder Gedenkfeiern für die Verstorbenen stattfinden, hieß es aus dem Pfarrbüro St. Sixtus.

Kirchen in Haltern

Keine Geburtstagsbesuche und persönlichen Kondolenzgespräche

Das Pastoralbüro der Pfarrei St. Sixtus hat jetzt folgendes mitgeteilt:
  • Um die Ansteckungsgefahr für die älteren Mitglieder so gering wie möglich zu halten und sie durch Besuche nicht zu gefährden, sieht die Pfarrei St. Sixtus derzeit von Geburtstagsbesuchen und Krankenkommunionen ab.
  • Kondolenzgespräche mit den Trauernden finden derzeit telefonisch und nicht mehr vor Ort statt.
  • Das Pastoralbüro ist montags bis freitags von 9 bis 12 Uhr telefonisch unter 02364-92360 zu erreichen. Termine im Pastoralbüro sind für die Zeit der akuten Infektionsgefahr nur nach telefonischer Absprache möglich. Per E-Mail ist das Pastoralbüro an info@st-sixtus.de dauerhaft zu erreichen.
  • Die Kontaktbüros in den Gemeinden bleiben bis auf Weiteres geschlossen. Man bemühe sich, sämtliche Anliegen zeitnah zu bearbeiten, hieß es.
Die evangelische Kirchengemeinde teilt mit:
  • Um gerade auch die älteren Menschen zu schützen, wird die Kirchengemeinde in absehbarer Zeit keine persönlichen Besuche zum Geburtstag machen. Herzlich gratuliert werde aber per Post oder am Telefon.
  • Die Mitglieder der Gruppen und Kreise werden gebeten, miteinander telefonisch, per E-Mail oder Skype in Kontakt zu bleiben. „Als Signal der Gemeinschaft“, betonte Pfarrer Karl Henschel.
  • Mit aktuellen Nachrichten ist die evangelische Kirchengemeinde auch auf dem YouTube-Kanal „Evangelisch in Haltern“ zu sehen.
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