Aufregung im Physiksaal: Neun Verletzte kamen in die Klinik

hzJoseph-Hennewig-Hauptschule

Nach einem Experiment im Physiksaal der Joseph-Hennewig-Hauptschule in Haltern klagten Schüler der 6. Klasse über Übelkeit. Sie lösten damit einen Großalarm bei der Feuerwehr aus.

Haltern

, 15.09.2020, 17:00 Uhr

Die Aufregung war groß, als sich sechs Schüler der 6a am Ende des Physik-Unterrichts am Dienstagmorgen gegen 8.45 Uhr bei ihrer Lehrerin mit Unwohlsein meldeten. Sie hatten zuvor ein Experiment mit einem Bunsenbrenner gemacht. Der Bunsenbrenner ist ein Gerät, das im naturwissenschaftlichen Unterricht zum Erhitzen von Stoffproben oder Flüssigkeiten benutzt wird. Was die Kinder auslösten, war weithin in der Innenstadt zu hören.

Bei der Feuerwehr-Leitstelle wurde die Nachricht als ein Massenunfall von Verletzten - fachmännisch abgekürzt MANV - eingestuft. Unter Leitung von Georg Bäther eilten die Feuerwehren aus Haltern, Dorsten, Marl und Recklinghausen sowie dem ärztlichen Leiter des Rettungsdienstes mit Einsatz- und Rettungswagen zur Holtwicker Straße. Sie nahmen an, dass Gas ausgetreten sein könnte und gingen von Verletzten aus.

Mit Rettungswagen in die Dattelner Kinderklinik

Nach Auskunft von Schulleiterin Dagmar Perret hatte die Klasse 6a im Physikunterricht ein Experiment unternommen. Ihre Aufgabe: Sie sollten herausfinden, wie heiß Wasser wird. Dabei setzten sechs Schüler einen Bunsenbrenner ein. Am Ende des Unterrichts klagten die Jungen über Übelkeit, zwei von ihnen mussten sich übergeben. Auch eine junge Integrationshelferin empfand Unwohlsein. Die Physiklehrerin alarmierte unverzüglich Schulleiterin Dagmar Perret, die wiederum wählte die Notrufnummer und verständigte sofort die Eltern.

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Unfall im Physikunterricht

Die sechs Schüler im Alter von zwölf Jahren wurden mit Rettungswagen zur Untersuchung in die Dattelner Kinderklinik gebracht. Zwei 13 Jahre alte Schülerinnen aus der Nachbarklasse 7c meldeten sich ebenfalls mit Übelkeit. Auch sie wurden zur Vorsicht nach Datteln gefahren. Die Integrationshelferin kam ins Sixtus-Hospital. Gegen 11.30 Uhr konnten die ersten Kinder bereits wieder nach Hause, am Nachmittag waren alle aus der Klinik entlassen.

Zur Sache

Mit dem Auslösen eines MANVs greifen automatisch viele Mechanismen eines vorgeplanten Konzepts des Kreises Recklinghausen ineinander, was die rettungsdienstliche Abwicklung und Abläufe vor Ort extrem vereinfacht, insofern es mehrere Betroffene gibt. Daher eilten - neben vielen überörtlichen Rettungsmitteln - auch ein „Organisatorischer Leiter Rettungsdienst“ sowie der „Leitende Notarzt“ zur Holtwicker Straße.

Die übrigen 17 Schülerinnen und Schüler der 6a klagten nicht über Beschwerden. So musste die Feuerwehr auch nicht über eine Evakuierung des Schultraktes nachdenken.

Physiklehrerin hat alle Sicherheitsvorschriften beachtet

Schulleiterin Dagmar Perret betonte im Gespräch mit der Halterner Zeitung, dass der Physikraum gerade ganz neu eingerichtet sei und allen Auflagen entspreche. Und die Physiklehrerin sei eine erfahrene Pädagogin, sie habe auf keinen Fall falsch gehandelt und alle Sicherheitsvorschriften beachtet. Die Pädagogin müsse sich keine Vorwürfe machen, das bestätigte später auch die Kriminalpolizei.

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Feuerwehreinsatz an der Joseph-Hennewig-Hauptschule

Weil Schüler am Ende des Physikunterrichts über Übelkeit klagten, setzte Schulleiterin Dagmar Perret einen Notruf ab. Feuerwehren aus vier Städten des Kreises eilten zur Joseph-Hennewig-Schule.
15.09.2020
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Feuerwehren aus Haltern, Dorsten, Marl und Recklinghausen eilten zur Joseph-Hennewig-Hauptschule, weil zunächst ein Massenunfall vermutet wurde.© Guido Bludau
Feuer- und Rettungswagen parkten auf dem Schulhof.© Guido Bludau
Der Physikraum der Joseph-Hennewig-Schule wurde gerade ganz neu ausgestattet und erfüllt alle Sicherheitsvorschriften.© Guido Bludau
Wie heiß wird Wasser? Um das herauszufinden, nutzten die Schüler einen Bunsenbrenner.© Guido Bludau
Die Bunsenbrenner aus dem Physikraum.© Guido Bludau
23 Schülerinnen und Schüler hatten in diesem Raum am Dienstagmorgen Physikunterricht.© Guido Bludau
Schutz- und Kriminalpolizei war ebenfalls vor Ort. Rechts im Bild Schulleiterin Dagmar Perret.© Guido Bludau
Auch an der Holtwicker Straße standen Einsatzfahrzeuge der Feuerwehr.© Guido Bludau
Die Rettungskräfte waren von einem Massenunfall ausgegangen, der Einsatz war schnell beendet.© Guido Bludau
Viele Einsatzkräfte waren vor Ort.© Bludau
Die Schülerinnen und Schüler wurden betreut, acht in die Dattelner Klinik gebracht, eine Integrationshelferin kam ins Sixtus-Hospital. Mittags konnten die meisten wieder nach Hause zurückkehren.© Bludau

Während des Unterrichtes waren die Fenster geöffnet. „Alle Leitungen im Raum sind intakt, es gibt keine Beanstandungen“, stellte nach einer ersten Kontrolle durch Hausmeister Malte Bäther ebenso Feuerwehr-Einsatzleiter Georg Bäther fest. „Wir haben gemeinsam mit dem Hausmeister auch Lecksuchspray eingesetzt und keine Fehler entdeckt. Alles ist ordnungsgemäß von der Lehrerin gemacht worden, es gab auch keinerlei Defekte.“

Wie es zu dem Zwischenfall kommen konnte, ist nicht zu ermitteln. Dagmar Perret stellte noch einmal klar: „Es gab keine Fehler. Noch kennen wir nicht den Grund, warum bei den Kindern diese große Aufregung entstanden ist.“ Dass es die bevorstehende Mathearbeit war, ist nur eine vage Vermutung.

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