Heinz Himmelmann beobachtete aus kurzer Entfernung den Einsturz des Windrades. © Schrief
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Augenzeuge des Windrad-Unglücks in Haltern: „Auf einmal war der Turm weg“

Heinz Himmelmann sitzt auf dem Ansitz in seiner Jagd, auf einmal knallt es. Nicht aus einem Gewehr, der Lärm kommt aus 600 Metern Entfernung. Was er sieht, raubt ihm in der Nacht den Schlaf.

Heinz Himmelmann aus Haltern-Lippramsdorf ist passionierter Jäger. So nutzt er auch den Mittwochabend zum Ansitzen im Revier. Von der Kanzel in der Hohen Mark aus kann er weit sehen, auch bis zu den vier Windrädern. Was er nicht ahnt: Er wird wichtiger Zeuge eines Ereignisses, das bislang in der Region noch niemand je erlebt hat.

„Es war noch hell. Auf einmal knallte es, als wenn jemand mit einem dicken Hammer auf eine Metallplatte geschlagen hätte“, berichtet Heinz Himmelmann. Er sieht zu, wie in Sekundenschnelle das Nordex-Windrad in sich zusammenfällt. 20 Meter unterhalb der Gondel habe das Windrad einen Knacks bekommen, zwei oder drei Sekunden später seien die Gondel und die drei 75 Meter langen Flügel senkrecht nach unten gefallen.

„In Sekundenschnelle war der Turm des Windrades weg.“

Heinz Himmelmann

„Es sah aus, als wäre das Windrad gesprengt worden“, erzählt der Waidmann. „Was passiert denn jetzt“, habe er sich ungläubig gefragt. Er kann aus gut 600 Metern Entfernung alles wunderbar sehen, wie im Kino. „Auf einmal war der Turm weg!“

Heinz Himmelmann bringt die Polizei an den Einsturzort

„Ich habe sofort die Polizei angerufen, der Tonfall gab mir zu verstehen, dass der Beamte mich für verrückt hielt“, berichtet Heinz Himmelmann. Der Lippramsdorfer verlässt die Kanzel und fährt erst einmal nach Hause. Dann meldet sich wieder die Polizei. Ein Beamter steht mit seinem Bulli auf der Granatstraße und kann das Windrad nicht finden.

Heinz Himmelmann fährt zurück und voraus bis zum Standort der Anlage, die versteckt nahe der Schachtanlage Auguste Victoria 9 liegt. Für Ortsunkundige ist sie nicht zu finden. Dort steht bereits ein Wagen der Feuerwehr. Dann treffen nach und nach auch die Hauptwache Haltern und die Löscheinheit Lippramsdorf, weitere Polizeibeamte und Ordnungskräfte ein.

Heinz Himmelmann macht in der Nacht kaum ein Auge zu. Die Bilder kommen immer wieder zurück. Mit der Halterner Zeitung kehrt er gegen Mittag noch einmal zurück zum eingestürzten Windrad und erzählt zunächst exklusiv (weil unsere Recherchen zu ihm als Augenzeugen führten) seine Erlebnisse. Später stürzen sich etliche Medienvertreter auf ihn. Auf Vermittlung der Halterner Zeitung lassen sich auch die Geschäftsführer des Windparks von dem Lippramsdorfer noch einmal die Geschehnisse erzählen. Heinz Himmelmann ist für sie ein wichtiger Zeuge.

Und dann fällt Heinz Himmelmann noch etwas ein. Nachmittags sei er mit seiner Frau Annette noch im Revier gewesen. Da hätten beide einige Male ein lautes Knacken am Windrad gehört. Was daraus werden könnte, ahnten beide natürlich nicht.

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Elisabeth Schrief

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