Lebensbejahend und offen: Das ist Axel Schmäing, vielen bekannt als Schützenkönig und Standesbeamter. © Andreas Hofmann

Axel Schmäing: „Für mich ist Heimat der Ort, an dem ich wohne“

Axel Schmäing ist eine feste Halterner Instanz. In der Reihe „Heimatgeschichten“ stellen wir den Standesbeamten, Ehrenkaiser und Schützenkönig der Halterner Schützengilde vor.

Wer den Privatmenschen Schmäing besucht, findet schon an der Haustür den gleichen lebensbejahenden offenen Menschen, wie man ihn sonst aus der Öffentlichkeit kennt.

Haltern ist seine Stadt und seine Heimat – von Geburt an. Hier ging er zum Kindergarten und zur Schule. Seit 40 Jahren arbeitet er bei der Stadt Haltern. In der Stadt und vielen Vereinen ist er geerdet und findet dort seine Kraft. „Für mich ist Heimat der Ort, an dem ich wohne“, sagt er.

Und woran macht er seine Heimat fest? „Es sind die Leute, die ich treffe, wenn ich durch den Ort gehe. Ich kenne sie vom Kindergarten oder war mit ihnen in der Schule. Als ich den Elternabend meines Sohnes in der Schule besuchte, kam ich mir vor wie bei einem Klassentreffen. Sogar die Lehrerin hatte mich schon unterrichtet“, schildert er und lacht.

Jeder kennt jeden, alle sind eine große Gemeinschaft

Doch auch die Landschaft seiner Heimat hat es ihm angetan. Der Halterner Stausee, die Heide, in der er gern spazieren geht. Wenn er zurück auf seine Kindheit schaut, kann er sich an viele Gegebenheiten und besonders an das soziale Umfeld erinnern. „Wir haben früher viel dummes Zeug gemacht. Meine Eltern wussten davon schon, bevor ich nach Hause kam. Das war auf der einen Seite teilweise schon anstrengend, immer unter Beobachtung zu stehen, doch gerade das macht es auf der anderen Seite aus.“

Denn: Er mag den Zusammenhalt und die damit verbundene soziale Kontrolle. Jeder kennt jeden, alle sind eine große Gemeinschaft. „Da gibt es keine Anonymität wie in der Großstadt, hier gibt es die Vertrautheit.“ Und die schafft für ihn Sicherheit. Für einen kurzen Weg in der Innenstadt braucht er viel Zeit, denn er trifft viele Menschen, die er kennt und kommt mit vielen ins Gespräch. Man kennt sich einfach.

Axel Schmäing lebt für die Tradition der Schützenvereine. Er ist Ehrenkaiser und Schützenkönig der Halterner Schützengilde.
Axel Schmäing lebt für die Tradition der Schützenvereine. Er ist Ehrenkaiser und Schützenkönig der Halterner Schützengilde. © Andreas Hofmann © Andreas Hofmann

Doch eine Sache ist sein besonderes Ding: der Schützenverein. Hier kommen viele Menschen als Gemeinschaft zusammen. Da wird diskutiert und das neue Schützenfest oder Vereinsaktivitäten werden gestaltet. Das vermisst Schmäing heute in den Corona-Zeiten. Er erinnert sich gern an die Zeiten, als er Schützenkönig und Schützenkaiser war.

Da sieht er dann auch die Historie des Schützenfestes, die Entwicklung der einstigen Bürgerwehr, die die Stadtmauern verteidigte, hin zum Schützenverein. „Die Geschichte des Schützenfestes wird von vielen häufig als Feier mit Geselligkeit gesehen. Man darf aber die Geschichte und Herkunft nicht vergessen. Für mich gehört dazu der Schützenfest-Ausrufer.“

Schützenfest als großes, faszinierendes, historisches Spiel

Wenn die Schützenbrüder sich vor dem Schützenfest treffen, ist auch der Ausrufer im historischen Kostüm dabei. Er ruft die Schützen zur Wehrübung auf. „Das war schon früher so“, weiß Schmäing. Durch die Ausrufung und die Eintragung der Schützen in die Wehrbücher wurde damals wie heute festgestellt, wie viele „wehrfähige Männer“ vorhanden sind. Und am Schluss wird derjenige König, der den Vogel abschießt. Für Schmäing ist das Schützenfest ein großes, faszinierendes, historisches Spiel.

Doch es gibt auch den Standesbeamten, der seit sieben Jahren viele Paare getraut und ihnen damit eine neue Heimat gegeben hat. Weil er ein Halterner Junge ist, der viele kennt, „ist das Ganze nicht anonym. Ich kenne meistens die Mitglieder der Hochzeitsgesellschaft und so kam es auch dazu, dass ich eine ehemalige Jugendfreundin verheiratet habe.“ Mehrmals im Jahr ging es normalerweise bis zur Corona-Pandemie in den Urlaub. Sonst waren ferne Länder immer sein Ziel. Heimweh kennt er nicht, doch er freut sich jedes Mal, wenn er nach Hause kommt, denn: „Die Heimat bleibt hier.“