Bagatell-Unfall: Angeklagte zieht alle Register

Berufungsverhandlung

HALTERN / DORSTEN Einen kleinen Unfall soll eine 30-jährige Dorstenerin im Februar 2008 in Haltern verursacht und anschließend Unfallflucht begangen haben. Im Grunde eine Bagatelle, die das Amtsgericht Marl mit einer Geldstrafe von 300 Euro ahndete. Gegen das Urteil zog die Dorstenerin in die Berufung.

von Von Martina Ricken

, 03.07.2009, 08:22 Uhr / Lesedauer: 2 min

Kampfbereit wirkte sie auf der Anklagebank. Stur ignorierte sie die wohlmeinenden Hinweise von Richter Stephan Hackert und beharrte darauf: „Ich habe den Unfall nicht verursacht. Es war eng, aber ich habe das Auto nicht berührt. Und gehört habe ich auch nichts.“

Der Bagatellunfall soll sich am Mittag des 24. Februar 2008 ereignet haben. Die Angeklagte hatte ihre Eltern in Haltern besucht. Beim Rückwärtsfahren soll sie das Auto des Nachbarn, das an der Straße geparkt war, touchiert und beschädigt haben.

"Mein Firmenwagen hat sich bewegt"

 „Meine Frau und ich waren in der Küche. Ich habe das gesehen. Mein Firmenwagen hat sich bewegt“, erzählte der geschädigte Nachbar. Er sei sofort rausgelaufen und habe noch gerufen, aber die Angeklagte sei schon zu weit entfernt gewesen. Also sei er zu ihren Eltern gegangen. Der Vater habe die Tochter angerufen, doch die habe sofort jeden Unfall bestritten. „Dann habe ich die Polizei angerufen, weil ich nicht wusste, was ich machen sollte“, erklärte der 56-jährige Zeuge.

„Sowas ist mir noch nie passiert.“ Sie habe das Auto nicht beschädigt, der Nachbar wolle ihr was Böses, soll die Angeklagte vor dem Amtsgericht gesagt haben. Und auch vor dem Landgericht sperrte sie sich gegen jedes vernünftige Argument. „Wir haben hier Fotos, die die Polizei gemacht hat. Der Schaden am Auto des Geschädigten ist auf gleicher Höhe wie die Kratzer an ihrem Auto“, stellte Richter Hackert fest.

"Der Kratzer ist alt"

 „Der Kratzer ist alt, da bin ich mal gegen einen Stein gefahren“, behauptete die Angeklagte. „Aber da sind keine Schmutzanhaftungen festgestellt worden“, warf Richter Hackert ein. „Und der Schaden von 650 Euro ist ja auch längst von Ihrer Versicherung beglichen worden“, argumentierte er weiter.

So hoffte er, das Verfahren einstellen zu können, wenn die Angeklagte denn Einsicht zeigen würde. Doch davon konnte keine Rede sein. Im Gegenteil: Die gelernte Krankenschwester bestand darauf, dass ein Sachverständigengutachten eingeholt wird. Dass ein Gutachten 2000 bis 3000 Euro kosten wird, darauf hatte der Richter schon zu Beginn des Prozesses hingewiesen mit der Zusatzbemerkung: „Wir wollen eigentlich nicht, dass eine so kleine Sache immer größere Wellen schlägt.“

Sein Wunsch wurde nicht erhört.

Lesen Sie jetzt