Im Februar 2017 gab es einen Überfall an der Volksbank in Flaesheim. Der Fall wird offenbar noch in diesem Jahr vor dem Landericht Essen verhandelt. © Archiv
Landgericht Essen

Banküberfall in Flaesheim: Nach vier Jahren soll es zum Prozess kommen

Seit vier Jahren beschäftigt ein dubioser Banküberfall in Flaesheim die Justiz. Zu einem Prozess kam es aus mehreren Gründen bislang nicht. Doch nun gibt es Neuigkeiten vom Landgericht.

Im Februar 2017 war die Volksbankfiliale in Flaesheim ausgeraubt worden. Ein Jahr später hatte die Staatsanwaltschaft Essen Anklage erhoben. Diese hatte sich überraschend gegen den ehemaligen Mitarbeiter der Bank aus Marl, seinen damals 52-jährigen Bekannten aus Haltern und einen von dem Bekannten organisierten Dritten, 57 Jahre alt aus Oberhausen, gerichtet.

Die drei Männer sollen den Banküberfall zusammen geplant und vorgetäuscht haben. Zur Höhe der erbeuteten Summe wurde nichts bekannt. Die Hälfte der Beute soll laut Staatsanwaltschaft sichergestellt worden sein. Laut Anklage handelt es sich bei dem Oberhausener um den mutmaßlichen „Räuber“. Ihm soll der ehemalige Bankmitarbeiter das Geld übergeben haben. Der Bekannte aus Haltern habe dem Oberhausener draußen vor der Tür ein Fahrrad bereitgestellt, mit dem er geflüchtet sein soll.

Sperrerklärung vom Innenministerium

Zu einem Verfahren vor dem Landgericht Essen kam es bislang nicht. Unter anderem hatte das Innenministerium eine Sperrerklärung verhängt, um die Aussage eines Zeugen zu verhindern. Dieser soll zuvor im Zuge des Ermittlungsverfahrens Aussagen zu dem Überfall gemacht haben. Ihm war jedoch Anonymität zugesichert worden.

Einer dieser drei ersten Angeklagten hatte zuletzt versucht, die Sperrklausel anzufechten, damit das Gericht den Zeugen zum vermeintlichen Banküberfall vernehmen kann. Er ging mit seiner Beschwerde sogar bis vor das Bundesverfassungsgericht, scheiterte letztlich jedoch in allen Instanzen. „Das Verfahren um den Banküberfall wird daher ohne den Zeugen stattfinden müssen“, wie ein Sprecher des Landgerichts Essen auf Anfrage unserer Redaktion am Dienstag mitteilte. Ein Termin solle im Sommer, spätestens im Herbst, festgesetzt werden. Damit würde es nach mehr als vier Jahren zum Auftakt des Prozesses kommen, vermutlich noch in diesem Jahr.

Dem damaligen Mitarbeiter der Flaesheimer Bank, der nach dem Vorfall beurlaubt worden war, droht ein Verfahren wegen Untreue in einem besonders schweren Fall. Das Strafmaß könnte im Falle einer Verurteilung zwischen 6 Monaten und 10 Jahren Haft liegen. Die zwei Bekannten des Bankmitarbeiters hat die Staatsanwaltschaft wegen Beihilfe zur Untreue angeklagt.

Beihilfe zur Beihilfe wegen Untreue

Außerdem seien laut Gericht nun zwei weitere Männer in dem Verfahren mitangeklagt. Diese beiden Männer, ein 49-Jähriger und ein 56-Jähriger aus Oberhausen, sollen, so die Anklage, von der geplanten Tat gewusst haben. Als mutmaßliche Mitwisser müssen sie sich nun wegen Beihilfe zur Beihilfe wegen Untreue und Hehlerei verantworten.

Vier der fünf Angeklagten bestreiten die Vorwürfe. Der Angeklagte aus Haltern hingegen nicht. Das Gericht geht von einem anspruchsvollen Verfahren mit mehreren Prozesstagen aus. Die Beweisführung dürfte sich schwierig gestalten. Die Große Strafkammer des Landgerichts Essen erwartet offenbar eine schwere Aufgabe.

Über den Autor
Redaktion Haltern
1982 in Haltern geboren. Nach Stationen beim NRW-Lokalfunk, beim Regionalfernsehen und bei der BILD-Zeitung Westfalen 2010 das Studium im Bereich Journalismus & PR an der Westfälischen Hochschule in Gelsenkirchen erfolgreich beendet. Sportlich eher schwarz-gelb als blau-weiß orientiert. Waschechter Lokalpatriot und leidenschaftlicher Angler. Motto: Eine demokratische Öffentlichkeit braucht guten Journalismus.
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Daniel Winkelkotte
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