Rieke Lünenborg und Ludger Lehringfeld vom Olivenstand aus dem Münsterland reichen Geld und Ware mit einer Kelle kontaktlos über die Theke. © Jürgen Wolter
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Bargeld oder mit Karte? – Halterner liegen beim Bezahlen voll im Trend

Die Bedeutung von kontaktlosem Bezahlen nimmt zu. Aber liegt das nur an der Corona-Pandemie? Wir haben Marktbeschicker und einen Finanzfachmann gefragt. Danach liegen die Halterner im Trend.

Der schwedische Zahlungsdienstleister Klarna hat eine Studie veröffentlicht, wonach deutsche Verbraucherinnen und Verbraucher im internationalen Vergleich eine bestimmte Zahlungsmethode bevorzugen. Das beobachten auch die Händler auf dem Halterner Wochenmarkt.

Über die Hälfte zahlt mit Bargeld

„Das macht 4,80 Euro bitte“, sagt Claudia Becker von Fischfeinkost Kobuss. Der Kunde greift gemächlich in seine Westentasche, zieht eine lederne Geldbörse und bezahlt mit einem Fünf-Euro-Schein. Nach der vom schwedischen Zahlungsdienstleister in Auftrag gegebenen Studie bevorzugen immer noch knapp die Hälfte aller deutschen Verbraucher das Bezahlen mit Bargeld.

Der Fischfeinkost-Stand, bei dem Claudia Becker verkauft, bietet noch keine Kartenzahlung an.
Der Fischfeinkost-Stand, bei dem Claudia Becker verkauft, bietet noch keine Kartenzahlung an. © Janis Czymoch © Janis Czymoch

„Im Großen und Ganzen bezahlen die Leute in bar“, sagt die Verkäuferin. Trotzdem glaubt Claudia Becker, die selber im Privaten größtenteils auf Münzen und Scheine zurückgreift, dass es irgendwann nur noch kontaktloses Bezahlen geben wird. „Aber im Moment ist der Aufwand einfach noch zu groß, alles umzustellen“, so die 51-Jährige.

Was die Zahlungsmethode betrifft, wird die Verkäuferin von einer Kollegin, die mit ihrem Käsestand wenige Meter entfernt in der Mitte des Marktplatzes steht, bestätigt. „Die Kosten für die technische Einrichtung eines EC-Karten-Lesegeräts sind hoch. Es dauert lange, bis man das wieder drin hätte. Außerdem gibt es so wenig Leute, die mit Karte zahlen wollen. Die wenigen schicke ich dann kurz zur Bank“, sagt Hetty Groote (67).

Jüngere Menschen wollen Kartenzahlung

Auch bei den Obst- und Gemüse-Händlern bleibt das Bargeld im Trend. „Vielleicht zwei Mal im Jahr fragt jemand, ob er auch mit Karte bezahlen könnte. Das sind dann eher junge Leute“, sagt Betreiberin Susanne Hohmann (56).

Dass es aber auch anders geht, erzählt Janina Hähnel, Verkäuferin am Stand der Metzgerei Bellendorf. „Seit Corona ist es möglich und es nehmen auch echt viele Kunden wahr“, sagt Hähnel. Sie ergänzt: „Es ist aber eher die jüngere Generation.“

Sparkassen-Vorstand über das Zahlungsverhalten der Halterner

Bei der Sparkasse Haltern fahren die Kunden in der Corona-Krise „vermehrt zweigleisig“. Das hat Vorstandsvorsitzender Helmut Kanter festgestellt. Im Gegensatz zur Klarna-Studie konnte die Halterner Bank daher zuletzt eine Verlagerung der Zahlungsströme hinsichtlich einer zunehmenden Nutzung der EC-Karte abmessen. Dennoch stimmt Kanter den Ergebnissen der Studie zu: „Ich würde bestätigen, dass aufgrund der Tradition immer noch viele Menschen bar bezahlen.“

Dass es sich für viele kleinere Händler, speziell auf dem Wochenmarkt, nicht rechnet, mobiles Bezahlen anzubieten, bestätigt der Sparkassenvorstand. Grundsätzlich sei die Zahlung an die Markt-Betreiber nur dann garantiert, wenn eine Geheimzahl (Pin) abgefragt werde. Da das auf dem Markt aber oft zu zeitaufwendig sei, komme für viele nur die Variante ohne Pin-Abfrage in Frage. „Da diese aber mit einem Lastschriftverfahren gekoppelt ist und für den Händler die Gefahr eines nicht gedeckten Kontos des Kunden besteht, verzichten viele Händler im Moment noch auf das Angebot mobilen Bezahlens“, erklärt Helmut Kanter.

Helmut Kanter: „Ich würde bestätigen, das aufgrund der Tradition immer noch viele Menschen ohne zu fragen bar bezahlen.“
Helmut Kanter: „Ich würde bestätigen, das aufgrund der Tradition immer noch viele Menschen ohne zu fragen bar bezahlen.“ © Jürgen Wolter © Jürgen Wolter

Für die Zukunft kündigt der Sparkassen-Vorstand Alternativen an: „In der Pipeline steht eine mobile App, mit der die Händler ihr eigenes Handy anstelle eines EC-Gerätes für Zahlungen verwenden können.“

Mobiles Bezahlen bleibt aufwendig

Bis es so weit ist, bleibt die Zahlung via Pin-Eingabe am mobilen EC-Gerät die sicherste, aber auch aufwendigste Variante für die Händler. Das weiß auch Dirk Düpmann, der mit seinen Wildspezialitäten zu den wenigen Markt-Beschickern zählt, die mobiles Bezahlen anbieten. „Es kommt halt vor, dass jemand beim Bezahlen seine Pin nicht parat hat und erst mal seinen Ehepartner um Hilfe bitten muss. Die anderen wartenden Kunden verdrehen da schon mal die Augen, weil es eben einfach dauert“, sagt er.

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Ist passionierter und aktiver Sportler aus dem schönen Bergischen Land und seit 2011, ursprünglich wegen des Studiums, im Ruhrgebiet unterwegs. Liebt die Kommunikation mit Menschen im Allgemeinen und das Aufschreiben ihrer Geschichten im Speziellen.
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