Bei vier Wochen Durchfall geht es direkt zum Arzt

15.11.2007 / Lesedauer: 3 min

Bei vier Wochen Durchfall geht es direkt zum Arzt

<p>Apotheker Dr. Dirk Schulte-Mecklenbeck. st</p>

Haltern "Man muss schon vorsichtig sein, bei Fieber zum Beispiel schrillen bei uns die Alarmglocken." Dr. Dirk Schulte-Mecklenbeck leitet die Bären-Apotheke auf der Rekumer Straße und erkennt einen zunehmenden Trend zur Selbstmedikation.

Eine europaweite Befragung ergab, dass die Deutschen bei der Behandlung von Krankheiten immer häufiger auf rezeptfreie Arzneimittel aus der Apotheke zurückgreifen. "Die Anzahl der Arzneimittel, die die Krankenkassen übernehmen, ist nach den Gesundheitsreformen drastisch zurückgegangen. Da ist der Patient oft gezwungen, auf diese rezeptfreien Mittel zurückzugreifen", erklärt der Apotheker. Oberste Priorität habe die umfassende Beratung des Kunden. "Wir müssen uns Zeit nehmen, nicht nur einfach verkaufen", so Schulte-Mecklenbeck weiter.

Ähnlich sieht es sein Kollege Hans Redemann von der Falken-Apotheke an der Weseler Straße. "Selbst beim Wunsch nach Aspirin müssen wir die Gründe hinterfragen", erklärt der Apotheker. Es müsse von Fall zu Fall entschieden werden, ob der Gang zum Arzt nicht sinnvoller sei. "Nach 20 Jahren hat sich bei mir aber eine Menge Erfahrung angesammelt, um das entscheiden zu können", so Redemann abschließend.

"Wenn einer erzählt, dass er seit vier Wochen Durchfall habe, dann muss er zum Arzt", Michael Schmitz, Sprecher des Apothekerverbandes Westfalen-Lippe in Münster, sieht klare Grenzen der Selbstmedikation. Im Kreis Recklinghausen gäbe es 180 Apotheken, die 34 000 Kunden pro Tag bedienen.

Fachgerecht beraten

"Die Zahlen der vergangenen Jahre zeigen, dass immer mehr Menschen in die Apotheke gehen, gerade nach der Einführung der Praxisgebühr. Da sparen sich viele die 10 Euro", so Schmitz weiter. Der Job des Apothekers sei es, den Kunden fachgerecht zu beraten. Gefährlich wird es, wenn der Apotheker keine Chance zu einer Beratung habe. "Viele besitzen zu Hause einen prall gefüllten Arzneimittelschrank und nehmen dann einfach was ein", so der Apothekensprecher. Hier rät er dringend zu einem vorherigen Gespräch mit einem Arzt oder Apotheker.

Volker Mattern, Sprecher der Apotheken im Kreis Recklinghausen, sieht einen weiteren Aspekt: "Kunden kaufen heute gezielter, wissen, was sie benötigen. Auch er sieht bei Entzündungen und Fieber klare Grenzen. "Da darf man nichts verschleppen und muss zum Arzt." DM

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