Benedikt Feldmann steht trotz starker Sehbehinderung voll im Arbeitsleben

hzInklusion am Arbeitsplatz

Benedikt Feldmann ist Mitarbeiter beim Landschaftsbau der Jugendwerkstatt Haltern am See. Trotz seiner Sehbehinderung ist er eine Kraft wie jede andere. Das ist nicht selbstverständlich.

Haltern

, 11.07.2019, 11:50 Uhr / Lesedauer: 2 min

Wer die Arbeiter des Garten- und Landschaftsbaus der Jugendwerkstatt Haltern am See in Aktion sieht, würde es wahrscheinlich nicht merken. Alle arbeiten gewissenhaft und tatkräftig, schneiden Hecken, mähen Rasen oder jäten Unkraut. Der einzige Unterschied zu anderen: Die Jugendwerkstatt Haltern am See ist ein Inklusionsbetrieb.

Die Arbeiter des Garten- und Landschaftsbaus sind sehr unterschiedlich: Manche haben ein Handicap beim Sehen, andere beim Hören. Einige lernen etwas langsamer oder haben gar keine Behinderung. Doch weder für Kunden, noch für die Mitarbeiter untereinander macht das einen großen Unterschied.

Benedikt Feldmann hat noch weniger als die Hälfte seiner Sehkraft

Benedikt Feldmann arbeitet bei der Jugendwerkstatt Haltern am See. Er hat nur noch weniger als die Hälfte seiner Sehkraft. „Leuten, die fragen, sage ich immer, dass das ein bisschen so ist, wie wenn man in ein Fernrohr auf der falschen Seite reinguckt. Aber das ist schwer zu erklären", erzählt der Halterner. Seit fünf Jahren arbeitet er für den Betrieb der Caritas. Mit seinem Job ist er zufrieden, berichtet er: „Das ist die Arbeit die ich immer machen wollte. Mir macht es super viel Spaß."

In Münster hat Benedikt Feldmann vor seiner Arbeit bei der Jugendwerkstatt Haltern am See eine Ausbildung zum Zierpflanzenbauer gemacht. Trotz oder gerade wegen des Handicaps war es für ihn nicht schwer, einen Ausbildungsplatz zu finden, erklärt der Halterner: „Ich habe die Erfahrung gemacht, dass die Behinderung auch ein Türöffner sein kann. Bei den drei Betrieben, wo ich mich beworben habe, wurde ich überall angenommen." Fast überall habe man ihm und seiner Behinderung offen gegenüber gestanden, so Feldmann.

Bei der Arbeitssuche war die Schwerbehinderung oft das Ende

Bei der Suche nach einem Arbeitsplatz war das allerdings anders. „Es gibt manche, die bei Begriffen wie Schwerbehinderung direkt zumachen. Da hat man dann keine Chance", berichtet der Halterner. Bei einem Familienunternehmen, das im Zierpflanzenbau tätig ist, fand er eine Anstellung, bevor er in den Garten- und Landschaftsbau nach Haltern wechselte.

Dass die Gartenpflege prädestiniert ist für inklusive Arbeit, weiß auch Michael Halberstadt, Fachbereichsleiter der Arbeitsmarktintegration bei der Caritas Datteln-Haltern: „In der Gartenpflege gibt es viele neiderschwellige Aufgaben, die auch Menschen mit einem Handicap erledigen können."

Die Arbeiten bei GrünBau könne jeder auch ohne Ausbildung lernen, so Halberstadt. Benedikt Feldmann sei da mit seiner abgeschlossenen Ausbildung schon eine positive Ausnahme: „Er kann Arbeiten übernehmen, die für ungelernte Kräfte nicht so einfach möglich sind."

Die Arbeiter bei GrünBau sind eingespielt

Dennoch gibt es durch die Sehbehinderung auch Aufgaben, die für Benedikt Feldmann schwierig sind. Er berichtet: „Wenn ich einen Baum beschneiden soll und das dann ziemlich weit weg ist von meinem Auge, ist es manchmal schwer. Dann muss ich entweder näher rangehen oder ein anderer macht die Aufgabe."

Die Arbeiter sind ein eingespieltes Team. Was der eine nicht kann, übernimmt ein anderer. Man kennt die gegenseitigen Stärken und Schwächen, berichtet auch Benedikt Feldmann. Manchmal kann es da durchaus ein bisschen länger dauern. „Aber die Akzeptanz bei den Kunden ist da", so Michael Halberstadt.

Damit das möglich ist, zählen vor allem zwei Faktoren, die ineinander spielen: „Es ist wichtig dass der Kunde Bescheid weiß, dass wir ein Inklusionsbetrieb sind. Weil wir aber pauschal bezahlt werden, bedeutet das keine finanziellen Nachteile", erklärt der Fachbereichsleiter.

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