Bergbau zahlt Hausbesitzern Geld für Schäden durch untertägige Erdbeben

hzErderschütterungen

Wann kommt der nächste Schlag? Lippramsdorfer lebten jahrelang mit Erderschütterungen, verursacht durch den Kohleabbau. Und hatten Angst. Jetzt startet die RAG eine Wiedergutmachungs-Aktion.

Lippramsdorf

, 03.02.2020, 17:04 Uhr / Lesedauer: 2 min

Die RAG Aktiengesellschaft hat sich mit dem Verband bergbaugeschädigter Haus- und Grundeigentümer e. V. (VBHG) darauf geeinigt, dass für die in der Vergangenheit aufgetretenen bergbaulich verursachten Erschütterungen eine finanzielle Entschädigung für die so entstandene Wohnwertminderung geleistet werden soll.

Anspruchsberechtigt sind Hauseigentümer im Bereich der ehemaligen Zechen. Allerdings werden nur bestimmte Wohnlagen berücksichtigt: In Haltern ist das die Wohnsiedlung Eppendorf bis hin zur Straße „Zum Büning“.

Bensberg registrierte hohe Schwinggeschwindigkeiten

Seit 2005 lösten Untertage-Arbeiten in Lippramsdorf Erdbeben mit Schwinggeschwindigkeiten bis zu 35 Millimeter pro Sekunde aus. Professor Dr. Klaus Günter Hinzen, Leiter der Erdbeben-Station Bensberg, sagte 2009 dazu: „Bei diesen Schwinggeschwindigkeiten sind Bauwerk-Schäden durchaus denkbar.“ Die Din-Norm liegt bei 5 Millimeter pro Sekunde, bei Werten darüber sprach Hinzen bereits von „ziemlichen Erschütterungen mit Folgen“.

Bis zu 1300 Meter tief grub sich die RAG Deutsche Steinkohle in die Erde ein, um den wertvollen Rohstoff zu gewinnen. Beim Kohleabbau bleiben Hohlräume, die sich nicht unbedingt sofort wieder verfüllen. Im Gestein entstehen Spannungen, die sich dann schlagartig lösen und an der Oberfläche als wellenförmige Erschütterungen zu spüren sind. Zu solchen Erschütterungen kam es bis zum Auslaufen des Bergbaus Ende 2015 immer wieder.

RAG zahlt bis zu 800 Euro für Schäden am Haus

Die mit dem VBHG erzielte Übereinkunft sieht Entschädigungs-Zahlungen in Höhe von bis zu 200, 400 oder 800 Euro vor. Die Grundlage bildet ein Pauschal-System, das einerseits die Ergebnisse der entsprechenden Musterprozesse des VBHG berücksichtigt und zum anderen die regional unterschiedliche Ausprägung der Erschütterungen miteinbezieht.

So erhalten Eppendorfer eine Entschädigung

RAG hat Formulare auf ihre Homepage gestellt

  • Wenn das Wohngebäude bzw. die Wohneinheit in einem Bereich mit hoher Betroffenheit liegt, ist die Einreichung einer Meldebescheinigung (Nachweis der Anmeldung eines Wohnsitzes beim Einwohnermeldeamt für den jeweiligen Betrachtungszeitraum) des Antragstellers zur weiteren Bearbeitung des Antrags zwingend erforderlich. Die anfallenden Gebühren für die Meldebescheinigung werden erstattet. Eine Meldebescheinigung ist nur für den Antragsteller und nicht für eventuell vorhandene, weitere Mitbewohner erforderlich.
  • Eine Wohneinheit ist eine aus mehreren Räumen bestehende Einheit, in der ein selbstständiger Haushalt geführt werden kann. Eine Wohneinheit kann also ein einzelnes Haus sein oder eine einzelne Wohnung innerhalb eines Wohnhauses.
  • Das Online-Formular für den Antrag auf Entschädigung hat die RAG Aktiengesellschaft auf ihrer Internet-Homepage unter www.rag.de/wohnwertminderung veröffentlicht.
  • Ob die Wohneinheit in einem Bereich mit hoher Betroffenheit liegt und somit eine Entschädigung zugelassen wird, ist auch im Bürgerinformationsdienst der RAG Aktiengesellschaft unter www.bid.rag.de zu erfahren.

„Die RAG Aktiengesellschaft bietet darüber hinaus Eigentümern, Mietern und Wohnungsberechtigten, die nicht vom VBHG vertreten werden, aber ebenfalls in der Vergangenheit von solchen Erschütterungen betroffen waren, eine Entschädigung je betroffener Wohneinheit zu den gleichen Konditionen an“, erklärt Pressesprecher Christof Beike. Die pauschale Einmalentschädigung werde unabhängig von der Anzahl der in einer Wohneinheit lebenden Personen einmalig und abschließend pro Wohneinheit zur Abgeltung sämtlicher Beeinträchtigungen des Wohnwertes durch bergbaulich verursachte Erschütterungen gezahlt.

Der Anspruch gilt für die Jahre von 2008 bis 2015

Ein Anspruch auf Entschädigung besteht für den Zeitraum vom Jahr 2008 bis zur Stilllegung der Zeche Auguste Victoria Ende 2015. Erschütterungen und daraus eventuell resultierende Ansprüche vor dem Jahr 2008 sind verjährt, sagt die RAG. Entschädigungsanträge können nur bis zum 31. Dezember 2020 gestellt werden.

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