Bernd Kemper schreibt aus Brasilien: Kinder fliehen vor der Gewalt in den Familien

Brasilien-Cooperative/Ajuda

In diesem Jahr haben die beiden Halterner Vereine Brasilien-Cooperative und Ajuda die Straßenkinderarbeit des Pequeno Nazareno gemeinsam unterstützt. So läuft die Arbeit vor Ort.

Haltern

30.12.2019, 10:00 Uhr / Lesedauer: 2 min
Bernd Kemper schreibt aus Brasilien: Kinder fliehen vor der Gewalt in den Familien

Kindern Hoffnung vermitteln: Vor 30 Jahren gründete Bernardo Rosemeyer den Pequeno Nazareno. Er begann als Streetworker und kümmerte sich im Zentrum der Millionenstadt Fortaleza um die Straßenkinder. Bernd Kemper und Ludger Backmann besuchen das Projekt, das Halterner mit Spenden unterstützen. © Brasilien-Cooperative

Die Brasilien-Cooperative und Ajuda Haltern fördern seit vielen Jahren unabhängig voneinander soziale Projekte in Brasilien. Aufgrund eines akuten Finanzbedarfs des Pequeno Nazareno haben in diesem Jahr beide Gruppen insgesamt 20.000 Euro aufgebracht und die Finanzierung des Projektes gesichert. Bernd Kemper ist zurzeit vor Ort und hat folgenden Bericht aus Fortaleza geschickt:

In den Kinderdörfern ist schulische Ausbildung das Wichtigste

Vor 30 Jahren gründete Bernardo Rosemeyer den Pequeno Nazareno. Er begann als Streetworker und kümmerte sich im Zentrum der Millionenstadt Fortaleza um Straßenkinder. Nach und nach erbaute er Kinderdörfer in mehreren Städten, um die Kinder und Jugendlichen von der Straße zu holen. Die Kinderdörfer gibt es nach wie vor, aber im Vordergrund stehen inzwischen die schulische Ausbildung, Arbeitsvermittlung, die Betreuung der Jugendlichen in den Firmen und eine sozial orientierte Arbeit für ihre Familien.

Bernd Kemper schreibt aus Brasilien: Kinder fliehen vor der Gewalt in den Familien

Bernd Kemper versteht sich gut mit den Kindern, die vor der Gewalt in den Familien geflüchtet sind und im Projekt Pequeno Nazareno eine Chance auf eine Zukunft bekommen. © Brasilien-Cooperative

Heute werden zunächst die Eltern ausfindig gemacht, um die Kinder zurückzubringen. Das allein löst die Probleme natürlich nicht, denn die Beweggründe, warum Kinder ihre Eltern verlassen, sind meistens unverändert geblieben. Häufig sind es Alkoholismus, Drogen und Gewalt innerhalb der Familie. Vier Sozialarbeiter sind hierfür angestellt und versuchen durch eine intensive Betreuung die prekären Verhältnisse dieser Familien in der Favela zu verbessern.

350 Jugendliche werden auf die Arbeit in Betrieben vorbereitet

Die schulische und berufliche Ausbildung ist der wichtigste Schritt, um jungen Menschen langfristig eine Perspektive zu geben. Kinder aus der Favela können oft nicht richtig schreiben und lesen. In den Ausbildungsprogrammen des Pequeno Nazareno werden sie auf die Aufnahmege­spräche in Firmen vorbereitet. Diese Kurse stehen heute nicht nur den Kindern, die Bernardo von der Strasse holt, sondern auch ihren Geschwistern offen.

Insgesamt 350 Jugendliche nehmen an diesem Unterricht teil. In Brasilien gibt es ein Gesetz namens „Jovem aprendiz“, nach dem Betriebe mit mehr als zehn Angestellten verpflichtet sind, auszubilden bzw. Lehrstellen anzubieten. Die Erfolgsquote ist beachtlich: zwar schaffen es nicht immer alle Jugendlichen im ersten Anlauf, aber bisher konnten alle Jugendlichen vermittelt werden. Und auch nach ihrer Vermittlung werden die Jugendlichen regelmäßig durch Mitarbeiter des Pequeno Nazareno betreut.

Bernd Kemper schreibt aus Brasilien: Kinder fliehen vor der Gewalt in den Familien

Glückliches Kind: Die Straßenkinder aus Fortalezza/Brasilien sind stolz, dass sie in dem Projekt von Bernardo Rosemeyer fit fürs Leben gemacht werden. © Brasilien-Cooperative

Ab dem kommenden Jahr wird Bernardo Rosemeyer und sein Team auch von dem brasilianischen Unternehmen Petrobras unterstützt. Hierdurch kann die Arbeit auf eine weitere Favela in der Nähe des Hafens von Fortaleza ausgedehnt werden.

Halterner können sich neuen Projekten widmen

Die vorhandenen Räumlichkeiten dort werden gemeinsam mit den Jugendlichen renoviert. Die Petrobras übernimmt die Finanzierung der Renovierungskosten und bezahlt die Gehälter von 20 weiteren Angestellten. Diese Finanzierung wird die Arbeit des Pequeno Nazareno für 4 Jahre sichern und ermöglicht den beiden Halterner Gruppen, sich neuen Projekten zu widmen.

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